
BMW stellt sich auf mehrere Jahre mit deutlich niedrigerer Profitabilität ein und verschärft deshalb seinen Umbau. Beim BMW Kapitalmarkttag 2026 Ende September legte der Münchner Autobauer neue Zwischenziele vor, kündigte schlankere Managementstrukturen an und will sein Modellangebot stärker nach Rendite und regionaler Nachfrage ausrichten. Wenige Tage später haben Analysten ihre Annahmen überprüft. Jefferies senkte sein Kursziel deutlich, auch Morningstar reduzierte seine Fair-Value-Schätzung. Die BMW Aktie reagierte am Dienstagmorgen zunächst nur mit überschaubaren Ausschlägen.
Der Kapitalmarkttag fand am 29. und 30. September in Gmund und München statt. Vorstandschef Milan Nedeljković und Finanzvorstand Walter Mertl stellten dabei die finanziellen und strategischen Eckpunkte für die kommenden Jahre vor. Zahlreiche weitere Maßnahmen befinden sich nach Angaben des Unternehmens noch in Prüfung. Entscheidungen dazu sollen bis zum Frühjahr 2027 fallen.
Der zentrale Maßstab der BMW Strategie ist die EBIT-Marge im Automobilgeschäft. Für 2026 erwartet der Konzern nach der im Juni gesenkten Prognose lediglich ein bis drei Prozent. Noch zu Jahresbeginn hatte BMW vier bis sechs Prozent angepeilt. Für 2028 soll sich die Auto EBIT-Marge auf drei bis fünf Prozent erholen. Zu Beginn des kommenden Jahrzehnts will BMW wieder den langjährigen Zielkorridor von acht bis zehn Prozent erreichen.
Auch beim freien Mittelzufluss sollen deutliche Fortschritte erzielt werden. Für 2026 liegt die Prognose für den Free Cashflow im Autogeschäft bei mehr als 2,5 Milliarden Euro. Für 2028 nannte BMW beim Kapitalmarkttag laut Reuters ein Ziel von mehr als fünf Milliarden Euro. Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts sollen es mindestens sieben Milliarden Euro sein.
Die Ausgangslage ist anspruchsvoll. Im zweiten Quartal 2026 erreichte das Automobilsegment nur noch eine EBIT-Marge von 2,3 Prozent. Das Vorsteuerergebnis des Konzerns sank im Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 29,4 Prozent auf 4,045 Milliarden Euro. BMW nennt vor allem die schwache Entwicklung in China und schwierigere globale Rahmenbedingungen als Belastungen.
Ein wesentlicher Teil des Umbaus betrifft die Organisation. Bis Mitte 2027 will BMW die Zahl seiner Bereiche und der zugeordneten Management-Funktionen um 20 Prozent reduzieren. Nach Angaben des Unternehmens sollen sich die Veränderungen in vergleichbarem Umfang auch auf darunterliegende Organisationsebenen auswirken. Zusätzlich läuft ein mit dem Betriebsrat vereinbartes Personalstrukturprogramm mit freiwilligen Abfindungen für indirekte Funktionen in Deutschland.
Reuters bezifferte das Personalprogramm auf rund 8.000 Stellen in Deutschland. BMW selbst nennt diese absolute Zahl in seiner Mitteilung zum Kapitalmarkttag nicht. Die offiziellen Angaben bestätigen dagegen die geplante Verschlankung der Managementstruktur und das freiwillige Abfindungsprogramm.
Parallel soll Künstliche Intelligenz Abläufe in Entwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb und Aftersales beschleunigen. BMW will zudem stärker auf externe Standardlösungen zurückgreifen, wenn eigene Entwicklungen keinen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen. Damit sollen Aufwand und Komplexität sinken.
Auch das Produktprogramm steht auf dem Prüfstand. Varianten mit geringerem wirtschaftlichem Beitrag sollen entfallen. BMW bestätigte beispielsweise, dass der 2er Active Tourer keinen Nachfolger erhalten soll. Gleichzeitig sollen besonders profitable Segmente ausgebaut werden. Für die USA prüft der Konzern ein weiteres großes SUV oberhalb des X7. In Europa soll 2028 ein zusätzliches vollelektrisches Kompaktmodell mit Technik der Neuen Klasse starten.
Besonders wichtig bleibt China. Dort will BMW künftig einen größeren Anteil seiner Volumenmodelle lokal produzieren und Fahrzeuge stärker auf chinesische Kundenanforderungen ausrichten. Bis 2030 sollen mindestens 95 Prozent der dort angebotenen Fahrzeuge lokal gefertigt und speziell für den chinesischen Markt entwickelt werden. Gleichzeitig will BMW Importe stärker auf margenstarke Modelle konzentrieren. Auch Exporte aus chinesischen Werken nach Südostasien werden geprüft.
Die neuen Ziele haben die Zweifel am kurzfristigen Ergebnisdruck nicht beseitigt. Das Analysehaus Jefferies senkte sein BMW Kursziel von 70 auf 60 Euro und beließ die Einstufung auf „Hold“. Die zugrunde liegende Studie von Analyst Philippe Houchois ist auf den 5. Oktober 2026 datiert. Jefferies verwies unter anderem auf zurückhaltende Aussagen des Managements zum Umsatz und zur künftigen Kapitalrückführung. Der Analyst reduzierte seine Umsatz- und Ergebniserwartungen für 2027.
Andere Häuser kamen zuletzt zu abweichenden Bewertungen. JPMorgan hatte BMW Anfang Oktober weiterhin mit „Overweight“ und einem Kursziel von 82 Euro bewertet. Deutsche Bank Research senkte ihr Ziel auf 71 Euro, beließ die Aktie aber auf „Buy“. UBS bestätigte zuvor ein neutrales Urteil mit einem Kursziel von 70 Euro. Die Spannweite zeigt, wie unterschiedlich Analysten vor allem die Geschwindigkeit der Ergebnisverbesserung einschätzen.
Auch Morningstar reagierte auf die neuen Vorgaben. Analystin Rella Suskin veröffentlichte am 5. Oktober eine Analyse, in der Kostensenkungen als zentraler Werttreiber der BMW Strategie bezeichnet werden und eine Senkung der Fair-Value-Schätzung angekündigt wird. Der genaue neue Betrag ist in der öffentlich sichtbaren Zusammenfassung der aktuellen Analyse nicht ausgewiesen.
Vor dem Kapitalmarkttag hatte Morningstar den Fair Value im Sommer mit 80 Euro je BMW Aktie angesetzt. Dieser Wert war bereits im Juni von zuvor 103 Euro reduziert worden. Als Gründe nannte Morningstar damals unter anderem schwächere Erwartungen für China und Kosten des Umbaus.
Damit unterscheiden sich die Bewertungsmodelle von Morningstar und klassische Kursziele von Banken grundsätzlich. Ein Fair Value basiert auf langfristigen Annahmen zu Erträgen und Zahlungsströmen, während Kursziele je nach Analysehaus unterschiedliche Zeithorizonte und Bewertungsmethoden verwenden.
Eine ausgeprägte unmittelbare Marktreaktion war am Dienstagmorgen zunächst nicht zu erkennen. Auf Tradegate wurde die BMW Aktie laut MarketScreener am 6. Oktober um 9.34 Uhr bei 54,49 Euro gehandelt. Das entsprach einem Plus von 0,50 Prozent. Am Montag hatte die Stammaktie den Xetra-Handel laut MarketScreener bei 54,22 Euro und damit 0,18 Prozent schwächer beendet.
Deutlich größer ist die längerfristige Bewegung. MarketScreener wies am Dienstagmorgen gegenüber dem Jahresbeginn einen Rückgang von rund 42 Prozent aus. Damit spiegelt der Kurs bereits erhebliche Zweifel an der kurzfristigen Ertragskraft des Konzerns wider. Ob BMW seine Profitabilität wie geplant wieder auf drei bis fünf Prozent im Jahr 2028 und später auf acht bis zehn Prozent steigern kann, hängt vor allem von der Entwicklung in China, den globalen Handelsbedingungen, der Modelloffensive und der tatsächlichen Wirkung des Kostenprogramms ab.
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