Tübingen: Auto erfasst am Haagtor drei Menschen

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Bei einem Unfall in Tübingen am Haagtor sind am Sonntagvormittag drei Menschen verletzt worden. Ein Auto erfasste gegen 11.40 Uhr nacheinander einen Radfahrer sowie zwei Menschen zu Fuß. Zwei von ihnen erlitten schwere Verletzungen, eine weitere Person wurde leicht verletzt. Die 70 Jahre alte Autofahrerin und ihr Beifahrer blieben unverletzt. Die genaue Ursache des Unfalls ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Drei Menschen wurden nacheinander erfasst

Der Unfall begann nach den bisherigen Ermittlungen in der Haaggasse. Die Autofahrerin wollte von dort nach rechts in Richtung Ammergasse abbiegen. Dabei erfasste ihr Wagen zunächst einen Radfahrer. Anschließend setzte das Auto die Fahrt in Richtung Ammergasse fort, touchierte einen Fußgänger und erfasste danach eine Fußgängerin. Erst am Brückengeländer zur Ammer kam der Wagen zum Stillstand. Damit steht fest, dass es sich um mehrere unmittelbar aufeinanderfolgende Kollisionen handelte. Die drei Betroffenen befanden sich nicht gemeinsam in einer Menschengruppe.

Der Radfahrer und die Fußgängerin wurden schwer verletzt und in eine Klinik gebracht. Der weitere Fußgänger erlitt leichte Verletzungen. Genauere Angaben zu den Verletzungen veröffentlichte die Polizei nicht. Der Wagen war nach dem Unfall nicht mehr fahrbereit und wurde abgeschleppt.

Bereich rund um das Haagtor stundenlang abgesperrt

Die Tübinger Feuerwehr verzeichnete um 11.47 Uhr eine Alarmierung zu einem Verkehrsunfall. Wie viele Kräfte und Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst insgesamt eingesetzt wurden, war am Sonntagabend zunächst nicht offiziell beziffert. Einsatzkräfte sicherten die Unfallstelle, während die Verletzten versorgt und die ersten Untersuchungen zum Unfallhergang vorgenommen wurden.

Der Bereich rund um das Haagtor blieb noch Stunden nach dem Unfall weiträumig abgesperrt. Eine Sperrung der gesamten Tübinger Innenstadt ist dagegen nicht belegt. Der Unfall ereignete sich im Bereich Haaggasse und Ammergasse unmittelbar am Haagtor.

Gutachten soll die genaue Unfallursache klären

Nach ersten Ermittlungen der Polizei könnte die Fahrerin beim Abbiegen Gas und Bremspedal verwechselt haben. Diese Annahme ist bislang nicht abschließend bestätigt. Die Staatsanwaltschaft ordnete deshalb ein Gutachten zur Klärung der Unfallursache an. Die weiteren Ermittlungen führt der Verkehrsdienst Tübingen. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand deutet das Geschehen auf einen Fahrfehler und nicht auf eine absichtliche Kollision hin.

Der Gesamtschaden wird derzeit auf rund 25.000 Euro geschätzt. Weitere gesicherte Angaben zur Ursache lagen am Sonntagabend zunächst nicht vor. Insbesondere wird das Gutachten klären müssen, wie es zu der Beschleunigung und den unmittelbar aufeinanderfolgenden Kollisionen kam.

Pedalverwechslungen werden nicht gesondert gezählt

Wie häufig Fahrerinnen und Fahrer in Deutschland Gas und Bremspedal verwechseln, lässt sich aus der amtlichen Unfallstatistik nicht exakt bestimmen. Das Statistische Bundesamt führt Pedalverwechslungen nicht als eigene Ursache auf. Erfasst werden breitere Kategorien wie Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie beim Einfahren und Anfahren. Eine bundesweite Zahl speziell für Gas und Bremspedal lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer analysierte knapp 500 ausgewählte schwere Unfälle von Elektroautos und vergleichbaren Verbrennern. In dieser Stichprobe fanden die Forscher neun Fälle mit Pedalfehlbedienung bei Elektroautos und einen vergleichbaren Fall bei einem Verbrenner. Die Untersuchung bildet ausdrücklich nicht das gesamte Unfallgeschehen ab und erlaubt deshalb keine Hochrechnung auf Deutschland. Die Forscher beschreiben die absolute Zahl entsprechender Fälle weiterhin als gering.

Alter allein erklärt einen solchen Unfall nicht

Unfallforscher und internationale Verkehrsorganisationen sehen Hinweise darauf, dass Pedalverwechslungen in bestimmten Untersuchungen bei älteren Fahrenden häufiger vorkommen. Die UNECE verweist dabei auf Daten aus mehreren Ländern. Solche Gruppenstatistiken lassen jedoch keinen Rückschluss darauf zu, weshalb eine einzelne Person einen konkreten Unfall verursacht hat.

Auch die deutsche Unfallstatistik zeigt ein differenziertes Bild. 2024 stellten Menschen ab 65 Jahren 22,7 Prozent der Bevölkerung, aber nur 16,0 Prozent der Autofahrenden, die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren. Waren sie beteiligt, wurden sie in 68,4 Prozent der Fälle als Hauptverursachende eingestuft. Bei 18 bis 24 Jahre alten Autofahrenden lag dieser Anteil ebenfalls hoch bei 65,9 Prozent, bei den 25 bis 64 Jahre alten bei 52,3 Prozent. Das Statistische Bundesamt weist zugleich darauf hin, dass ältere Menschen durchschnittlich weniger am Straßenverkehr teilnehmen. Alter ist deshalb ein statistischer Einflussfaktor, aber weder ein Beweis für mangelnde Fahrtüchtigkeit noch eine Erklärung für den konkreten Unfall in Tübingen.

Assistenzsysteme können Fehlbeschleunigungen begrenzen

Moderne Fahrzeugtechnik kann das Risiko solcher Unfallabläufe verringern. Automatische Notbremssysteme können Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer erkennen und je nach Situation selbstständig bremsen. Entsprechende Assistenzsysteme gehören aufgrund der EU-Sicherheitsvorschriften inzwischen zur vorgeschriebenen Ausstattung neuer Fahrzeuge in den betroffenen Klassen. Sie können Kollisionen verhindern oder zumindest ihre Folgen reduzieren, bieten aber keinen vollständigen Schutz.

Noch gezielter setzt die UN-Regelung 175 an. Das dort definierte System zur Beschleunigungskontrolle bei Pedalfehlern soll eine unbeabsichtigte starke Beschleunigung erkennen und begrenzen, wenn sich vor oder hinter dem Fahrzeug ein Hindernis befindet. Die Vorgaben wurden inzwischen auch für sehr langsame Fahrzeugbewegungen weiterentwickelt. Ob der in Tübingen beteiligte Wagen über entsprechende Technik verfügte und ob sie in dieser konkreten Situation hätte eingreifen können, war zunächst nicht bekannt.

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