
Hannover 96 steckt nach einem enttäuschenden Saisonstart im Tabellenkeller der 2. Bundesliga. Nach der Niederlage im Niedersachsen-Derby gegen Eintracht Braunschweig wächst der Druck auf die sportliche Führung. Im Mittelpunkt steht Geschäftsführer Sport Jonas Boldt. Nach Informationen der „Bild“ soll es innerhalb des Vereins erhebliche Zweifel an seiner Arbeit geben. Auch Aufsichtsratschef Martin Kind habe sich demnach von dem 44-Jährigen distanziert. Eine unabhängige Bestätigung für diese Darstellung lag zunächst nicht vor.
Kind selbst wollte sich laut „Bild“ nicht zu möglichen personellen Konsequenzen für Boldt oder Trainer Sandro Wagner äußern. Zur sportlichen Situation wurde er allerdings deutlich. Die Zeitung zitierte ihn mit den Worten: „Wir dürfen nicht absteigen. Dann hätte ich 30 Jahre umsonst gearbeitet. Das kann ich nicht akzeptieren.“ Eine Entscheidung über eine Trennung von Boldt war zunächst nicht bekannt.
Der Bericht der „Bild“ vom 27. Oktober 2026 beschreibt eine angespannte Situation in der sportlichen Führung von Hannover 96. Demnach werde intern zunehmend hinterfragt, ob Jonas Boldt die Erwartungen an seine Tätigkeit als Geschäftsführer Sport erfülle. Auch eine kurzfristige Trennung sei nach Darstellung der Zeitung nicht mehr ausgeschlossen.
Als mögliche Ursachen nennt der Bericht unter anderem die bisherige Kaderentwicklung, den Trainerwechsel im September und die ausbleibende sportliche Verbesserung.
Für zusätzlichen Unmut habe laut „Bild“ gesorgt, dass Boldt vor dem Niedersachsen-Derby planmäßig einige Urlaubstage genommen habe. Dies soll insbesondere Martin Kind missfallen haben. Weder eine entsprechende Kritik Kinds noch die geschilderten internen Bewertungen waren zunächst offiziell bestätigt.
Eine öffentliche Stellungnahme Boldts zu diesen Darstellungen lag zunächst nicht vor. Auch Hannover 96 hatte keine personelle Entscheidung über die Zukunft seines Sportgeschäftsführers bekannt gegeben.
Die sportlichen Probleme sind dagegen anhand der Ergebnisse deutlich erkennbar. Nach neun Spieltagen belegt Hannover 96 mit acht Punkten den 16. Tabellenplatz der 2. Bundesliga. Die Bilanz umfasst zwei Siege, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen. Das Torverhältnis beträgt 8:15.
Besonders schwer wiegt die jüngste Niederlage gegen den niedersächsischen Rivalen Eintracht Braunschweig. Am Sonntag, 25. Oktober, verlor Hannover das Auswärtsspiel mit 0:2. Max Marie brachte die Gastgeber in der 17. Minute in Führung. Yann Sturm erzielte in der Nachspielzeit den zweiten Treffer.
Hannover fand in der ersten Halbzeit kaum ins Spiel. Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die Gäste, konnten ihre Möglichkeiten zum Ausgleich jedoch nicht nutzen.
Auch außerhalb des Spielfeldes wurde die Partie von schweren Vorfällen überschattet. Nach dem zweiten Braunschweiger Treffer kam es im Gästeblock zu Ausschreitungen. Feuerwerkskörper wurden in Richtung anderer Tribünen abgeschossen. Hannover 96 verurteilte die Vorfälle und kündigte Unterstützung bei der Identifizierung der Verantwortlichen an.
Für die Mannschaft war die Derbypleite der nächste Rückschlag. In der vergangenen Saison hatte Hannover noch den vierten Tabellenplatz erreicht und bis zum Saisonende um den Aufstieg gespielt.
Bereits im September hatte Hannover 96 auf den misslungenen Saisonbeginn reagiert. Am 14. September wurde Cheftrainer Christian Titz freigestellt. Nach fünf Ligaspielen standen damals lediglich vier Punkte zu Buche. Der Verein begründete die Entscheidung mit einer umfassenden Bewertung der sportlichen Entwicklung.
Für das anschließende Heimspiel gegen den VfL Bochum übernahm zunächst U23-Trainer Lars Barlemann die Verantwortung. Hannover gewann diese Begegnung mit 2:1.
Am 19. September verpflichtete der Zweitligist Sandro Wagner als neuen Cheftrainer. Der frühere Nationalspieler erhielt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028. Die Entscheidung für Wagner wurde von der sportlichen Führung um Boldt und Sportdirektor Ralf Becker getragen.
Bis zum 27. Oktober blieb der gewünschte sportliche Aufschwung jedoch aus. Unter Wagner verlor Hannover zunächst mit 0:3 beim 1. FC Magdeburg. Anschließend folgte ein 1:1 gegen den FC St. Pauli, bevor die Mannschaft in Braunschweig erneut unterlag.
Damit holte Wagner aus seinen ersten drei Ligaspielen lediglich einen Punkt. Hannover erzielte dabei ein Tor und kassierte sechs Gegentreffer.
Nach der Derby-Niederlage räumte Wagner ein, dass seine Mannschaft insbesondere vor der Pause keinen ausreichenden Zugriff auf die Partie gefunden habe. Er bekräftigte zugleich sein Vertrauen in den Kader und kündigte intensive Arbeit an den erkennbaren Problemen an.
Trotz der ausbleibenden Erfolge stellte Boldt seine Entscheidung für Sandro Wagner nach dem Derby nicht infrage.
In einem Interview mit dem NDR am 25. Oktober erklärte der Geschäftsführer, dass die Mannschaft ihre Probleme selbst lösen müsse. Die Verantwortlichen müssten die unzureichenden Leistungen ansprechen und konsequent daran arbeiten.
Auf die Frage, ob er seine Entscheidung für Wagner inzwischen anzweifle, antwortete Boldt ausdrücklich mit „Nein!“. Eine Abkehr vom Trainer lässt sich daraus nicht ableiten.
Boldt kritisierte außerdem den Auftritt der Mannschaft in Braunschweig. Nach seiner Einschätzung habe Hannover insbesondere in der ersten Halbzeit die nötige Präsenz und Einsatzbereitschaft vermissen lassen. Er verwies auf die fehlende Sicherheit im Spiel und den erheblichen Arbeitsbedarf innerhalb der Mannschaft.
Jonas Boldt bei Hannover 96 ist erst seit wenigen Monaten Teil der Geschäftsführung. Der frühere Sportvorstand des Hamburger SV übernahm seine Position am 1. Juni 2026. Sein Vertrag läuft nach offiziellen Vereinsangaben bis zum 31. Mai 2029.
Als Geschäftsführer Sport verantwortet Boldt sowohl die Profimannschaft als auch die Nachwuchsakademie. Zuvor hatte er unter anderem bei Bayer Leverkusen und zwischen 2019 und 2024 beim Hamburger SV gearbeitet.
Die kaufmännische Geschäftsführung der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA liegt bei Henning Bindzus. Ralf Becker ist weiterhin Sportdirektor und übernimmt operative Aufgaben im sportlichen Bereich.
Martin Kind hat eine andere Funktion. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA und damit nicht selbst Geschäftsführer der Profifußballgesellschaft.
Kind gehört darüber hinaus weiterhin zur Geschäftsführung der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG sowie der Arena-Gesellschaft. Dort teilt er sich die Verantwortung seit April 2026 mit Björn Bremer.
Die unterschiedlichen Gesellschaften und Zuständigkeiten sind für Personalentscheidungen von Bedeutung. Nach der offiziellen Vereinsstruktur liegt die Geschäftsführung des Profibereichs bei Boldt und Bindzus.
Sportlich konzentriert sich der Zweitligist zunächst auf die anstehenden Pflichtspiele. Bereits am Mittwoch, 28. Oktober, empfängt Hannover 96 den 1. FC Kaiserslautern in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Die Begegnung beginnt um 20.45 Uhr.
Am Sonntag, 1. November, folgt das Heimspiel gegen Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga. Anstoß ist um 13.30 Uhr. Hannover trifft damit auf einen unmittelbaren Konkurrenten aus dem unteren Tabellenbereich.
Für Trainer Sandro Wagner bietet sich bereits im Pokal die nächste Gelegenheit, mit seiner Mannschaft ein Erfolgserlebnis zu erzielen. In der Liga geht es wenige Tage später darum, den Abstiegsrelegationsplatz zu verlassen.
Die sportliche Entwicklung steht damit weiterhin im Mittelpunkt. Zugleich ist die personelle Situation an der Spitze des Profibereichs offen. Ob aus den von der „Bild“ beschriebenen internen Zweifeln an Jonas Boldt tatsächlich Konsequenzen entstehen, war am Dienstag nicht bestätigt. Auch ein konkreter Zeitplan für mögliche Entscheidungen wurde nicht bekannt.
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