
Auf dem Wiesbadener Ostfeld sind am Dienstag zwei Weltkriegsbomben entdeckt worden. Die jeweils 125 Kilogramm schweren US-amerikanischen Fliegerbomben wurden bei Sondierungsarbeiten auf dem Gelände gefunden, auf dem künftig ein zentraler Standort des Bundeskriminalamtes entstehen soll. Für die geplante Entschärfung am Dienstagabend wurde ein Sicherheitsbereich eingerichtet. Mehr als ein Dutzend Menschen müssen ihre Häuser verlassen. Zudem ist die Bundesstraße B455 betroffen.
Die beiden Blindgänger wurden am Dienstag, 22. September 2026, bei Sondierungsarbeiten im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim gefunden. Nach Angaben der Stadt handelt es sich um zwei US-Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem Gewicht von jeweils 125 Kilogramm. Die Sprengkörper wurden nach ihrem Fund zunächst gesichert.
Am Fundort sind Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt sowie Hilfsorganisationen und der Kampfmittelräumdienst im Einsatz. Die Bomben sollen nach dem vorgesehenen Ablauf noch am Dienstagabend entschärft werden. Sollte eine Entschärfung technisch nicht möglich sein, kommt eine kontrollierte Sprengung infrage. Der Hessische Rundfunk nannte gegen 18.30 Uhr eine geplante Entschärfung gegen 22 Uhr.
Zum Stand von Dienstagabend gegen 19.35 Uhr lag noch keine Bestätigung vor, dass die Arbeiten an den Bomben bereits abgeschlossen waren.
Für die Arbeiten wurde rund um die Fundstelle ein Sicherheitsbereich mit einem Radius von etwa 300 Metern festgelegt. Das Gebiet ist vergleichsweise dünn besiedelt. Betroffen sind nach Angaben der Stadt etwas mehr als ein Dutzend Einwohnerinnen und Einwohner. Sie mussten den Bereich bis 19 Uhr verlassen.
Eine großflächige Evakuierung von Wiesbadener Stadtteilen ist damit nicht verbunden. Entscheidend ist vielmehr der unmittelbare Bereich um das Baufeld im Ostfeld.
Die Stadt hat für Fragen ein Bürgertelefon unter der Nummer 0611 318080 eingerichtet. Es ist seit 18 Uhr besetzt. Zugleich bittet die Stadt darum, die Notrufnummern 110 und 112 nicht für allgemeine Fragen zum Bombenfund, zur Evakuierung oder zu Straßensperrungen zu nutzen.
Größere Auswirkungen hat der Einsatz auf den Straßenverkehr. Die Berliner Straße, die in diesem Bereich als Bundesstraße B455 verläuft, wird zwischen der Abfahrt Siedlung Hochfeld und dem Siegfriedring vollständig gesperrt. Nach den veröffentlichten Angaben sollte die Sperrung ab 19 Uhr gelten.
Die B455 gehört in diesem Abschnitt zu den wichtigen Straßenverbindungen im Osten Wiesbadens. Die Sperrung betrifft deshalb nicht nur die wenigen unmittelbar von der Evakuierung betroffenen Anwohner, sondern auch den Durchgangsverkehr.
Wie lange die Straßensperrung bestehen bleibt, hängt vom Verlauf der Entschärfung oder einer möglichen kontrollierten Sprengung ab. Ein verbindlicher Zeitpunkt für die Wiederfreigabe war zunächst nicht genannt worden.
Der Fundort hat besondere Bedeutung, weil dort in den kommenden Jahren ein neuer zentraler Standort des Bundeskriminalamtes entstehen soll. Das dafür vorgesehene Areal liegt nördlich der Autobahn A66 im Entwicklungsgebiet Ostfeld. Die Stadt gibt die Fläche für den geplanten BKA-Standort mit rund 30 Hektar an. Mehrere bislang über Wiesbaden verteilte BKA-Liegenschaften sollen dort langfristig zusammengeführt werden.
Erst am 11. September hatte die Landeshauptstadt den Beginn weiterer vorbereitender Arbeiten auf dem BKA-Baufeld angekündigt. Dazu gehören umfangreiche archäologische Untersuchungen. Die Stadt erklärte dabei ausdrücklich, dass die Grabungen abschnittsweise auf Flächen erfolgen, die zuvor von Kampfmitteln freigeräumt wurden.
Dass Kampfmitteluntersuchungen auf dem Ostfeld eine größere Rolle spielen, ist daher bereits Teil der Vorbereitung des Areals. Für die Entwicklungsmaßnahme wurden auch Leistungen zur Kampfmittelräumung ausgeschrieben.
Funde von Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gehören bei größeren Bauarbeiten in deutschen Städten weiterhin zum Alltag. Nicht explodierte Bomben können noch Jahrzehnte später gefährlich sein. Nach Angaben der Stadt Wiesbaden können unter anderem Alterungsprozesse, Erschütterungen oder Veränderungen der Lage eines Blindgängers eine Rolle spielen. Deshalb werden gefundene Bomben möglichst schnell entschärft oder kontrolliert gesprengt.
Wiesbaden war erst im Mai 2026 von einem größeren Bombenfund betroffen. Damals wurde in Erbenheim nahe der Lucius D. Clay Kaserne eine 500 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe gefunden. Für deren Entschärfung mussten unter anderem Teile der A66 gesperrt werden. Der Kampfmittelräumdienst konnte den Blindgänger anschließend erfolgreich entschärfen.
Beim aktuellen Fund auf dem Ostfeld fällt der Evakuierungsbereich deutlich kleiner aus. Wegen der Lage unmittelbar an der B455 hat der Einsatz dennoch spürbare Auswirkungen auf den Verkehr.
Wann die beiden Bomben entschärft oder gegebenenfalls kontrolliert gesprengt werden können und wann die Sperrungen aufgehoben werden, hängt vom weiteren Verlauf des Einsatzes am Dienstagabend ab.
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