
Der Technologiekonzern Bosch plant einen umfassenden Umbau seiner Unternehmensstruktur in Deutschland. Die umsatzstärkste Sparte Mobility soll künftig als eigenständige Tochtergesellschaft geführt werden. Auch drei zentrale Servicebereiche erhalten eine eigene Rechtsform. Von der Neuordnung sind rund 62.500 Beschäftigte betroffen, deren Arbeitsverträge in die neuen Gesellschaften übergehen sollen.
Die Pläne stellte Bosch am Donnerstag, 22. Oktober 2026, vor. Konzernchef Christian Fischer will damit Entscheidungsprozesse beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärken. Die neuen Gesellschaften bleiben vollständig im Besitz der Bosch-Gruppe. Ein Verkauf der Autosparte ist nicht vorgesehen.
Die Umstrukturierung betrifft neben Bosch Mobility die Bereiche Bosch Digital, Global Business Services und Global Real Estate. Sie sollen künftig als vier eigenständige Gesellschaften mit beschränkter Haftung innerhalb des Konzerns geführt werden.
Der größte Teil der rund 62.500 betroffenen Beschäftigten arbeitet im Mobilitätsgeschäft. Nach Angaben des Unternehmens sollen ihre bestehenden Arbeitsverträge auf die neuen Gesellschaften übergehen. Bezahlung und Arbeitsbedingungen sollen unverändert bleiben.
Ein zusätzlicher Stellenabbau ist nach Angaben eines Unternehmenssprechers im Zusammenhang mit der Neuordnung nicht geplant. Allerdings hat Bosch bereits umfangreiche Stellenstreichungen in Deutschland angekündigt, insbesondere im Automobilgeschäft. Diese Maßnahmen bestehen unabhängig vom jetzt vorgestellten Konzernumbau.
Auch die Arbeitnehmervertretung verfolgt die Veränderungen aufmerksam. Frank Sell, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Mobilitätssparte, erklärte, dass die Neuordnung nicht zulasten der Beschäftigten gehen dürfe.
Mit der neuen Struktur will Bosch seine operative Verantwortung stärker auf die einzelnen Tochterunternehmen übertragen. Die Robert Bosch GmbH soll künftig vor allem strategische Aufgaben übernehmen und die Konzernforschung sowie zentrale Entwicklungsaktivitäten verantworten.
In diesen verbleibenden Bereichen arbeiten derzeit mehr als 3.000 Menschen.
Bosch Mobility soll innerhalb der Gruppe mehr Spielraum erhalten, um Investitionen zu steuern, neue Geschäftsfelder zu erschließen und Partnerschaften einzugehen. Das Unternehmen erwartet davon schnellere Entscheidungen und eine engere Zusammenarbeit zwischen seinen Geschäftseinheiten.
Christian Fischer, der seit Juli 2026 an der Spitze des Konzerns steht, sieht darin eine Möglichkeit, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit langfristig zu verbessern. Die einzelnen Sparten sollen stärker auf die Anforderungen ihrer jeweiligen Märkte reagieren können.
Die wirtschaftliche Bedeutung von Bosch Mobility ist erheblich. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete die Sparte einen Umsatz von 55,8 Milliarden Euro. Das entsprach rund 60 Prozent des gesamten Konzernumsatzes von 91 Milliarden Euro.
Allerdings steht das Automobilgeschäft unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Die internationale Konkurrenz, insbesondere aus Asien, nimmt zu. Gleichzeitig verändern Elektromobilität, digitale Fahrzeugfunktionen und neue Produktionsanforderungen die Branche.
Auch die jüngsten Geschäftszahlen verdeutlichen die Herausforderungen. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte die Bosch-Gruppe einen Umsatz von 46,4 Milliarden Euro und damit 3,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging jedoch von 2,3 auf 2,2 Milliarden Euro zurück.
Die Mobilitätssparte erzielte im selben Zeitraum 27,8 Milliarden Euro Umsatz, 0,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Belastend wirkten unter anderem Wertminderungen auf Produktionsanlagen, nachdem sich der weltweite Ausbau der Elektromobilität langsamer entwickelt hatte als ursprünglich erwartet.
Die neuen Gesellschaften sollen ihre operative Tätigkeit am 1. August 2027 aufnehmen. Bis Ende 2027 will Bosch die gesamte Neuordnung schrittweise abschließen.
Mit dem Umbau vereinheitlicht der Technologiekonzern seine gesellschaftsrechtliche Struktur. In den Bereichen Industrietechnik, Konsumgüter sowie Energie- und Gebäudetechnik bestehen bereits eigenständige Tochterunternehmen.
Bosch Mobility soll weiterhin den größten Geschäftsbereich bilden. Die Leitung des Mobilitätsgeschäfts liegt bei Markus Heyn, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung ist.
Die Robert Bosch GmbH soll künftig als strategische Dachgesellschaft fungieren, während die operativen Einheiten mehr Verantwortung für ihre Geschäfte erhalten. An der grundsätzlichen Zugehörigkeit der ausgegliederten Bereiche zum Bosch-Konzern ändert sich dadurch nichts.
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