
Der finnische Netzwerkausrüster Nokia hat im dritten Quartal 2026 deutlich mehr umgesetzt und beim bereinigten operativen Gewinn die Erwartungen übertroffen. Vor allem die Nachfrage nach Netzwerktechnik für Rechenzentren und künstliche Intelligenz sorgt für Wachstum. Gleichzeitig rechnet der Konzern mit höheren Kosten für seine Umstrukturierung. An der Börse geriet die Aktie am Donnerstag (22. Oktober) deutlich unter Druck.
Nokia erzielte von Juli bis September einen Umsatz von 5,154 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Wechselkurseffekte und Veränderungen des Geschäftsportfolios lag das Wachstum bei neun Prozent. Analysten hatten nach einer vom Unternehmen zusammengestellten Konsensschätzung im Durchschnitt mit rund 5,05 Milliarden Euro gerechnet.
Noch deutlicher fiel die Entwicklung beim bereinigten operativen Gewinn aus. Dieser erhöhte sich um 35 Prozent von 448 Millionen auf 605 Millionen Euro. Die Analystenschätzungen hatten bei durchschnittlich 453 Millionen Euro gelegen. Auch die bereinigte operative Marge verbesserte sich von 9,5 auf 11,7 Prozent.
Das Wachstum von Nokia im dritten Quartal 2026 verdeutlicht den zunehmenden Einfluss des Geschäfts mit Netzwerkinfrastruktur für große Rechenzentren. Der Konzern, der früher vor allem für Mobiltelefone bekannt war, gehört heute zu den internationalen Anbietern von Mobilfunk-, Glasfaser- und Datenübertragungstechnik.
Besonders erfolgreich entwickelte sich das Geschäft mit Kunden aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Cloud-Computing. Der Umsatz mit dieser Kundengruppe stieg nach Unternehmensangaben gegenüber dem Vorjahr um 123 Prozent. Zugleich wuchs der Auftragseingang um 118 Prozent. Im dritten Quartal sicherte sich Nokia in diesem Bereich neue Aufträge über rund 1,5 Milliarden Euro.
Die Sparte Network Infrastructure steigerte ihren Umsatz auf 2,158 Milliarden Euro. Währungsbereinigt lag das Plus bei 15 Prozent. Besonders stark wuchsen IP-Netzwerke mit 43 Prozent und optische Netzwerke mit 18 Prozent. Diese Technologien ermöglichen die Übertragung großer Datenmengen innerhalb und zwischen Rechenzentren.
Auch im Geschäft mit Mobilfunkinfrastruktur verzeichnete Nokia ein Umsatzplus von fünf Prozent. Ein Teil davon ging allerdings darauf zurück, dass ursprünglich für das vierte Quartal vorgesehene Umsätze bereits im dritten Quartal erfasst wurden.
Trotz des operativen Wachstums erhöht Nokia seine Erwartungen für die Restrukturierungskosten. Für 2026 rechnet der Konzern nun mit Aufwendungen von insgesamt 1,1 Milliarden Euro für Sparprogramme und damit verbundene Maßnahmen. Zuvor waren 800 Millionen Euro vorgesehen.
Das Unternehmen begründet die Erhöhung mit einer Ausweitung seiner Umstrukturierungsmaßnahmen. Nokia will unter anderem betriebliche Abläufe vereinfachen und seine Standortstruktur anpassen. Die erwarteten Mittelabflüsse für sämtliche Restrukturierungsprogramme beziffert der Konzern mittlerweile auf 800 bis 900 Millionen Euro.
Die höheren Belastungen zeigen sich bereits in der Quartalsbilanz. Allein von Juli bis September verbuchte Nokia Restrukturierungsaufwendungen und damit verbundene Kosten von 357 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es lediglich 44 Millionen Euro.
Dadurch entwickelte sich der ausgewiesene operative Gewinn deutlich schwächer als das bereinigte Ergebnis. Er sank um 22 Prozent auf 196 Millionen Euro, während im Vorjahr noch 252 Millionen Euro erreicht worden waren. Der ausgewiesene Konzernüberschuss stieg dagegen von 80 Millionen auf 156 Millionen Euro.
An der Börse überwogen am Donnerstag die Kursverluste. Die Nokia-Aktie notierte am 22. Oktober 2026 um 16:11 Uhr auf Xetra bei 7,658 Euro. Das entsprach einem Rückgang um 6,95 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs, wie die Kursdaten von FinanzNachrichten.de zeigen.
Damit stand der Aktienkurs trotz der übertroffenen Umsatz- und Gewinnerwartungen deutlich unter Druck. Die erhöhten Restrukturierungskosten und der Rückgang des ausgewiesenen operativen Gewinns gehören zu den Belastungen der aktuellen Geschäftszahlen. Welchen Einfluss einzelne Faktoren auf die Kursentwicklung hatten, lässt sich jedoch nicht eindeutig bestimmen.
An seiner Prognose für das Gesamtjahr hält Nokia fest. Der Konzern erwartet weiterhin einen bereinigten operativen Gewinn zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro. Für das Schlussquartal geht das Management von einem saisonal bedingten Umsatzanstieg um 20 bis 24 Prozent gegenüber dem dritten Quartal aus.
Konzernchef Justin Hotard erwartet auch für das kommende Jahr eine anhaltend starke Nachfrage nach Netzwerktechnik für Rechenzentren. Für das zusammengefasste Geschäft mit optischen Netzwerken und IP-Netzwerken stellt Nokia für 2027 ein Wachstum zwischen 25 und 30 Prozent in Aussicht. Zudem soll die Integration des übernommenen Netzwerkspezialisten Infinera bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Nokia erwartet daraus jährliche Synergien von 200 Millionen Euro.
Neben der Nachfrageentwicklung bleibt die Finanzierung des Wachstums eine wichtige Größe. Im dritten Quartal verzeichnete Nokia einen negativen freien Cashflow von 99 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr plant der Konzern zusätzliche Investitionen von rund 400 Millionen Euro in das Nettoumlaufvermögen, insbesondere zur Sicherung der Lieferfähigkeit. Gleichzeitig sollen die Umstrukturierungen fortgesetzt werden.
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