
Nach einem Brand unmittelbar an der Bahnstrecke zwischen Hannover und Bremen müssen Reisende auch am Donnerstag und voraussichtlich bis zum späten Freitagabend mit Zugausfällen, Umleitungen und längeren Fahrzeiten rechnen. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Wunstorf und Nienburg in Niedersachsen. Dort wurden bei dem Feuer am Mittwoch eine Oberleitung sowie zwei Straßenbrücken über der Bahnstrecke beschädigt. Regionalzüge, ICE- und IC-Verbindungen sowie Nachtzüge sind von den Folgen betroffen.
Der Brand ereignete sich am Mittwochvormittag, 23. September, in Neustadt am Rübenberge in der Region Hannover. Bei Sondierungsbohrungen im Bereich der B6 und der Nordstraße wurde nach Angaben der Stadt eine Hochdruckgasleitung beschädigt. Austretendes Gas explodierte aus bislang ungeklärter Ursache. Ein Fahrzeug beziehungsweise eine Baumaschine geriet daraufhin in Brand. Mehr als 80 Kräfte der Feuerwehr Neustadt waren im Einsatz. Verletzt wurde nach Angaben der Stadt niemand.
Die Einsatzstelle liegt unter zwei Straßenbrücken, über die die B6 und die Nordstraße die Bahnstrecke Hannover–Nienburg überqueren. Die Flammen beschädigten beide Bauwerke erheblich. Nach einer Prüfung durch Fachleute und das Technische Hilfswerk wurde am Donnerstag entschieden, dass beide Brücken nicht wieder für den Straßenverkehr geöffnet werden. Sie sollten ohnehin im Dezember abgerissen und ersetzt werden. Für die B6 soll eine bereits im Bau befindliche Behelfsbrücke voraussichtlich Mitte November zur Verfügung stehen.
Auch die Bahninfrastruktur wurde beschädigt. Nach Angaben der Deutschen Bahn traf das Feuer einen Oberleitungsmast, woraufhin die Oberleitung heruntergerissen wurde. Signale und Kabel entlang der Strecke waren nach dem am Donnerstag veröffentlichten Stand nicht betroffen. Die beschädigte Oberleitung war nach Informationen des NDR inzwischen repariert. Zusätzlich müssen Teile der Schienen ausgewechselt werden.
An den beschädigten Straßenbrücken wurden am Donnerstag Sicherheitsnetze angebracht. Sie sollen verhindern, dass möglicherweise herabfallende Teile den Zugverkehr gefährden, wenn die Strecke wieder freigegeben wird. Die Bahn wartete am Nachmittag noch auf die Freigabe des Bereichs unter der Brücke durch die zuständigen Stellen.
Die Auswirkungen treffen vor allem die Regionalexpresslinien RE 1 und RE 8. Der RE 1 verbindet Norddeich Mole über Oldenburg und Bremen mit Hannover. Die Züge beginnen und enden derzeit in Minden. Neustadt am Rübenberge, Wunstorf und Hannover Hauptbahnhof werden auf diesem Laufweg nicht bedient. Für die Verbindung zwischen Minden und Hannover verweist die Bahn unter anderem auf S-Bahnen und Züge der Westfalenbahn.
Beim RE 8 zwischen Bremerhaven-Lehe, Bremen und Hannover beginnen und enden die Züge in Nienburg. Zwischen Nienburg und Wunstorf ist teilweise Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. In Neustadt am Rübenberge gibt es ebenfalls eine Ersatzbedienung. Reisende müssen deshalb mit deutlich längeren Fahrzeiten rechnen.
Auch die S-Bahn Hannover meldete wegen des Oberleitungsschadens einen Busnotverkehr auf dem betroffenen Abschnitt. Fahrgäste sollten deshalb unmittelbar vor Fahrtbeginn prüfen, welche Verbindung tatsächlich fährt.
Auch der Fernverkehr ist erheblich betroffen. ICE-Züge zwischen Hannover und Bremen werden nach Angaben der Bahn über Minden umgeleitet. Auf Teilen der eigentlichen Strecke kommt es zu Ausfällen. Nahverkehrsfahrkarten werden auf bestimmten Ersatzverbindungen anerkannt. Eine Fahrradmitnahme ist auf den betroffenen Ersatzverbindungen nicht möglich.
Die IC-Züge auf der Verbindung Norddeich Mole, Emden, Bremen, Hannover und Leipzig werden ebenfalls umgeleitet. Die Bahn rechnet dort mit rund 40 Minuten zusätzlicher Fahrzeit. Ersatzhalte sind unter anderem in Minden, Petershagen-Lahde und Leese-Stolzenau vorgesehen. Zwischen Hannover und Bremen können auch hier Nahverkehrsfahrkarten anerkannt werden. Fahrräder können auf diesem Abschnitt nicht mitgenommen werden.
Auswirkungen gibt es zudem auf den internationalen Nachtverkehr. Die Nachtzüge NJ 470 und NJ 471 werden zwischen Hamburg-Harburg und Hannover umgeleitet. Bremen Hauptbahnhof wird auf diesen Fahrten nicht bedient.
Am Donnerstagvormittag war zunächst noch von einer kürzeren Störungsdauer ausgegangen worden. Im weiteren Tagesverlauf verlängerte die Bahn die erwarteten Beeinträchtigungen. Nach dem aktuellen Stand sollen die Einschränkungen bis zum späten Freitagabend, 25. September, anhalten. Damit müssen Reisende auch am Freitag auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung mit Änderungen rechnen.
Die Strecke verbindet Bremen nicht nur mit Hannover, sondern ist auch Bestandteil zahlreicher weiterführender Fernverbindungen Richtung Süden, Osten und Nordwesten. Umleitungen können deshalb auch Fahrgäste betreffen, deren Reise deutlich außerhalb des unmittelbar gesperrten Abschnitts beginnt oder endet.
Die Deutsche Bahn empfiehlt Reisenden, ihre Verbindung kurz vor Fahrtbeginn erneut zu prüfen. Besonders bei Fahrten über Bremen, Nienburg, Wunstorf oder Hannover können sich Abfahrtszeiten, Zugläufe und Umsteigemöglichkeiten kurzfristig ändern. Auch der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen verweist bei aktuellen Änderungen auf die digitalen Fahrplanauskünfte der Bahn und den DB Navigator.
Neben der Bahnstrecke bleibt auch die Verkehrslage auf der Straße angespannt. Die B6-Brücke und die benachbarte Brücke der Nordstraße wurden durch die Hitze so stark beschädigt, dass beide nicht wieder geöffnet werden sollen. Für den überörtlichen Straßenverkehr bedeutet dies bis zur Inbetriebnahme der Behelfsbrücke längere Umleitungen. Die Stadt hatte bereits unmittelbar nach dem Brand Umleitungen über Eilvese und die Leinstraße eingerichtet.
Die genaue Ursache dafür, weshalb sich das aus der beschädigten Leitung austretende Gas entzündete beziehungsweise explodierte, war zunächst nicht geklärt. Gesichert ist, dass die Hochdruckgasleitung während der Sondierungsarbeiten beschädigt wurde. Weitere Angaben zu einer Brandursache lagen zunächst nicht vor.
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