Drei Brauereien insolvent: Wie es für die Traditionsbetriebe weitergeht

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Drei traditionsreiche deutsche Brauereien haben im Juni 2026 innerhalb von rund zehn Tagen Insolvenz angemeldet. Betroffen sind die Schussenrieder Brauerei Ott in Baden-Württemberg, die Aktienbrauerei Kaufbeuren in Bayern und das Hofbrauhaus Wolters in Niedersachsen. Mehrere Monate später entwickeln sich die Verfahren unterschiedlich. Während in Kaufbeuren die Sanierung voranschreitet, steht in Braunschweig die Schließung der Bierproduktion zum Jahresende bevor. Auch in Bad Schussenried ist das Insolvenzverfahren noch nicht abgeschlossen.

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Die drei Brauerei-Insolvenzen fallen in eine Phase, in der die deutsche Brauwirtschaft mit sinkenden Verkaufszahlen und hohen Betriebskosten kämpft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ging der Bierabsatz 2025 so stark zurück wie in keinem anderen Jahr seit Beginn der entsprechenden Erhebung 1993. Auch 2026 setzte sich der Rückgang fort.

Hofbrauhaus Wolters schließt Produktionsstandort in Braunschweig

Beim Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig steht inzwischen fest, dass die bisherige Bierproduktion am Standort zum 31. Dezember 2026 eingestellt werden soll. Das Unternehmen hatte am 22. Juni Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Als Gründe nannte die Brauerei die schwache Nachfrage und deutlich gestiegene Kosten.

Ende September wurde die geplante Betriebsschließung bekannt. Rund 90 Beschäftigte sind betroffen. Für die traditionsreiche Brauerei, deren Geschichte bis 1627 zurückreicht, bedeutet die Entscheidung das Ende der bisherigen Produktion in Braunschweig.

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Die Marke Wolters soll dagegen erhalten bleiben. Nach einer Mitteilung der Volksbank BRAWO vom 2. Oktober ist vorgesehen, dass die TCB-Gruppe die Markenfamilie und weitere Vermögenswerte übernimmt. Produktion und Abfüllung sollen künftig an Standorten der Unternehmensgruppe erfolgen. Die ursprünglichen Rezepturen sollen erhalten bleiben.

TCB plant außerdem bis zu 40 neue Beschäftigungsmöglichkeiten an verschiedenen Standorten. Eine verbindliche Übernahmezusage für die bisherigen Wolters-Beschäftigten ist damit allerdings nicht verbunden. Auch die geplante Übertragung der Marke steht unter dem Vorbehalt endgültiger Vereinbarungen und erforderlicher Zustimmungen.

Aktienbrauerei Kaufbeuren setzt Sanierung mit weniger Beschäftigten fort

Einen anderen Weg verfolgt die Aktienbrauerei Kaufbeuren. Die Brautradition des Unternehmens reicht bis 1308 zurück. Die Betriebsgesellschaft beantragte im Juni ebenfalls ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Aalen eröffnete das Verfahren Ende August.

Der bisherige Mehrheitsgesellschafter ROKiT stimmte einem Sanierungskonzept zu und stellte nach Unternehmensangaben die notwendigen finanziellen Mittel bereit. Die Bierproduktion in Kaufbeuren soll im bisherigen Umfang fortgeführt werden.

Die Restrukturierung ist allerdings mit erheblichem Stellenabbau verbunden. Von ursprünglich 84 Arbeitsplätzen sollen 38 erhalten bleiben. Für die betroffenen Beschäftigten wurde die Möglichkeit eines Wechsels in eine Transfergesellschaft angekündigt.

Mitte Oktober meldete die an der Sanierung beteiligte Kanzlei WHP weitere Fortschritte. Nicht mehr benötigte Grundstücke und Gebäude mit einer Gesamtfläche von rund 15.000 Quadratmetern wurden verkauft. Die Erlöse sollen unter anderem Investitionen ermöglichen. Erste Reparatur- und Sanierungsarbeiten im Umfang von rund 500.000 Euro liefen bereits. Das Eigenverwaltungsverfahren war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen.

Schussenrieder Brauerei Ott wartet auf weitere Entscheidungen

Bei der Schussenrieder Brauerei Ott aus Bad Schussenried hatte das Amtsgericht Ravensburg am 12. Juni erste vorläufige Sicherungsmaßnahmen angeordnet. Am 1. September wurde das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Zum Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Rechtsanwalt Matthäus Rösch.

Das Familienunternehmen befindet sich seit rund 120 Jahren im Besitz der Familie Ott. Die Brauerei beschäftigte vor der Insolvenz etwa 40 Menschen und stellte nach früheren Unternehmensangaben jährlich rund 60.000 Hektoliter Bier her.

Der Betrieb wurde zunächst fortgeführt. Noch im August wurden nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters rund 400 Gaststätten beliefert. Zugleich lief die Suche nach Investoren. Ob inzwischen eine langfristige Sanierungslösung vereinbart werden konnte, blieb zunächst offen.

Für den 9. November 2026 ist beim Amtsgericht Ravensburg ein Berichts- und Prüfungstermin angesetzt. Dabei stehen unter anderem Fragen zur Fortführung des Unternehmens und die Prüfung angemeldeter Insolvenzforderungen auf der Tagesordnung.

Deutscher Bierabsatz fällt auf historischen Tiefstand

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der drei Unternehmen treffen auf einen seit Jahren schrumpfenden Markt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes setzten deutsche Brauereien und Bierlager 2025 rund 7,8 Milliarden Liter Bier ab. Das waren 6,0 Prozent weniger als im Vorjahr und der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe 1993.

Im Vergleich zu 2015 sank die Absatzmenge sogar um 18,9 Prozent. Besonders deutlich fiel 2025 auch das Minus beim Auslandsgeschäft aus. Die Lieferungen in Staaten außerhalb der Europäischen Union gingen um 14,2 Prozent zurück.

Die Entwicklung setzte sich 2026 fort. Im ersten Halbjahr lag der Bierabsatz um 2,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Nach Zahlen des Deutschen Brauer-Bundes erreichte der Rückgang von Januar bis September 2,1 Prozent. Der Inlandsabsatz lag in diesem Zeitraum 3,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Auch die Zahl der deutschen Brauereien ist rückläufig. Laut Destatis gab es Ende 2025 noch 1.415 Brauereien. Gegenüber 2024 waren das 53 weniger. Seit dem bisherigen Höchststand von 1.552 Brauereien im Jahr 2019 verschwanden damit 137 Betriebe aus der Statistik. Nicht jede Betriebsaufgabe geht dabei auf eine Insolvenz zurück.

Alkoholfreies Bier wächst trotz schwieriger Marktlage

Während der klassische Biermarkt schrumpft, entwickelt sich alkoholfreies Bier weiterhin positiv. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes wurden 2025 rund 750 Millionen Liter alkoholfreies Bier produziert. Das entsprach einem Anstieg um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Alkoholfreie Biere sind in der regulären Bierabsatzstatistik von Destatis nicht enthalten. Ihr Wachstum gleicht den Absatzrückgang bei alkoholhaltigem Bier deshalb nicht automatisch aus.

Der Deutsche Brauer-Bund nennt neben der veränderten Nachfrage insbesondere hohe Kosten für Energie, Rohstoffe und Logistik sowie den intensiven Wettbewerb im Handel als Belastungen. Hinzu kommt die schwache Konsumstimmung, die auch das Geschäft mit der Gastronomie beeinträchtigt.

Die Insolvenzverfahren von Ott, Kaufbeuren und Wolters verdeutlichen die unterschiedlichen wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung. Während ein Unternehmen seinen Braustandort durch eine umfassende Sanierung erhalten will, soll bei einem anderen zumindest die Marke weiterbestehen. Für die dritte Brauerei stehen weitere Entscheidungen über die wirtschaftliche Zukunft noch aus.

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