Monopolkommission kritisiert geplante Erhöhung des Briefportos auf 1,15 Euro

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Die Deutsche Post will das Briefporto zum 1. Januar 2027 deutlich erhöhen. Ein Standardbrief soll dann 1,15 Euro statt bisher 95 Cent kosten. Gegen die geplanten Preissteigerungen hat sich nun die Monopolkommission ausgesprochen. Das unabhängige Beratungsgremium der Bundesregierung hält die von der Bundesnetzagentur vorgesehenen Erhöhungsmöglichkeiten für zu großzügig. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Frage, welche Kosten der Deutschen Post bei der Berechnung des Portos berücksichtigt werden dürfen.

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Monopolkommission sieht überhöhte Kosten beim Briefporto

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, kritisierte am Dienstag, 3. November 2026, die geplante Anhebung. Nach seiner Einschätzung erkennt die Bundesnetzagentur zu viele Kosten der Deutschen Post als besondere Belastungen an. Dadurch falle der mögliche Anstieg des Briefportos höher aus als notwendig.

Duso sieht außerdem die Gefahr, dass die Deutsche Post durch die Berücksichtigung bestimmter Kosten andere Geschäftsbereiche innerhalb des Konzerns mitfinanzieren könnte. Dies könne den Wettbewerb beeinträchtigen. Die Monopolkommission fordert deshalb eine strengere Prüfung der geltend gemachten Kostenpositionen.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Postdienstleistungen, insbesondere in ländlichen Regionen, wäre nach Einschätzung des Gremiums auch bei einer restriktiveren Anerkennung solcher Kosten gewährleistet. Ein tatsächlicher Einsatz überhöhter Portoerlöse zur Finanzierung anderer Geschäftsbereiche ist durch diese Kritik allerdings nicht nachgewiesen.

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Briefporto 2027: Diese Preise plant die Deutsche Post

Die Deutsche Post hatte ihre neuen Preispläne bereits am 20. Oktober vorgestellt. Voraussetzung für deren Umsetzung ist die endgültige Genehmigung durch die Bundesnetzagentur.

Für einen Standardbrief innerhalb Deutschlands sollen ab Januar 2027 statt 95 Cent künftig 1,15 Euro fällig werden. Das entspricht einer Erhöhung um rund 21 Prozent. Auch die Postkarte soll sich von 95 Cent auf 1,15 Euro verteuern.

Bei weiteren Briefarten fallen die geplanten Veränderungen unterschiedlich aus. Der Kompaktbrief soll künftig 1,25 Euro statt 1,10 Euro kosten. Für den Großbrief sind 2,35 Euro statt bisher 1,80 Euro vorgesehen.

Besonders deutlich ist die geplante Preisänderung beim Maxibrief. Hier soll das Porto von 2,90 Euro auf 5 Euro steigen. Gleichzeitig verändert die Post die zulässigen Maße und Gewichte einzelner Sendungsarten. Beim Maxibrief soll das Höchstgewicht künftig zwei Kilogramm betragen.

Auch internationale Briefe sind betroffen. Der Standardbrief ins Ausland soll nach den Unternehmensplänen künftig 1,45 Euro kosten.

Die neuen Briefpreise sollen für den Zeitraum vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2028 gelten.

Bundesnetzagentur sieht Spielraum für 20,35 Prozent höhere Preise

Grundlage der geplanten Preisänderungen ist ein Verfahren der Bundesnetzagentur. Die Regulierungsbehörde hatte am 12. Oktober einen Entscheidungsentwurf veröffentlicht.

Darin sieht sie für Privatkundenbriefe eine durchschnittliche Erhöhungsmöglichkeit von 20,35 Prozent vor. Derselbe Wert gilt für bestimmte Geschäftskundenbriefe und Postzustellungsaufträge. Für Privatkundenpakete liegt der vorgesehene Spielraum bei 10,72 Prozent.

Die Prozentwerte beziehen sich jeweils auf eine Gruppe von Postdienstleistungen. Einzelne Produkte können deshalb stärker oder schwächer im Preis steigen, solange die verbindlichen Vorgaben für die jeweilige Produktgruppe eingehalten werden.

Die Bundesnetzagentur begründet die geplanten Anpassungsmöglichkeiten insbesondere mit sinkenden Briefmengen. Zugleich verweist sie darauf, dass sie nicht sämtliche von der Deutschen Post geltend gemachten Kosten berücksichtigt habe. Die ursprünglichen Forderungen des Unternehmens seien höher gewesen.

Bis zum 30. Oktober konnten betroffene Unternehmen, Wettbewerber, Verbraucherschutzorganisationen und weitere Interessierte zu dem Entwurf Stellung nehmen. Die endgültige Entscheidung über den allgemeinen Preiserhöhungsspielraum wird im November erwartet. Anschließend müssen die konkreten Portopreise genehmigt werden.

Streit über Kosten aus der früheren Bundespost

Ein wesentlicher Punkt der Auseinandersetzung betrifft sogenannte Lasten. Darunter fallen besondere Kosten, die der Deutschen Post beispielsweise durch ihre Verpflichtungen zur flächendeckenden Versorgung oder als Rechtsnachfolgerin der früheren Deutschen Bundespost entstehen.

Solche Aufwendungen können unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen bei der Preisregulierung berücksichtigt werden.

Die Bundesnetzagentur hat nach eigenen Angaben zwar nicht sämtliche geltend gemachten zusätzlichen Wertschöpfungs- und Gemeinkosten anerkannt. Vollständig berücksichtigt wurden jedoch die Personal-, Sozial- und Versorgungslasten, die aus der Rechtsnachfolge der Bundespost resultieren.

Genau bei der Anerkennung solcher Kosten setzt die Kritik der Monopolkommission an. Sie verlangt eine strengere Begrenzung der Belastungen, die über höhere Portopreise an die Kundschaft weitergegeben werden dürfen.

Sinkende Briefmengen erhöhen den wirtschaftlichen Druck

Die Deutsche Post verweist zur Begründung ihrer Preispläne auf strukturelle Veränderungen im Briefgeschäft. Immer mehr Unternehmen, Behörden und Privatpersonen kommunizieren digital. Die Zahl der verschickten Briefe sinkt deshalb seit Jahren.

Während 2005 in Deutschland noch rund 16,9 Milliarden Briefe verschickt wurden, waren es 2025 nur noch knapp 9,4 Milliarden. Gleichzeitig müssen weiterhin Zustellnetze, Filialen, Briefkästen und weitere Infrastruktur betrieben werden.

Nach Darstellung des Unternehmens steigen dadurch die Kosten je Sendung. Zusätzlich verweist die Deutsche Post auf höhere Personal-, Energie- und Sachkosten.

Der Konzern argumentiert außerdem, dass der geplante Preis für einen Standardbrief trotz der Erhöhung unter dem europäischen Durchschnitt liege. Diesen bezifferte das Unternehmen im Oktober auf 1,52 Euro.

Wettbewerb im Briefmarkt bleibt umstritten

Die Auseinandersetzung betrifft nicht ausschließlich die Preise für Privatkunden. Die Monopolkommission beschäftigt sich seit Jahren mit der Wettbewerbsstruktur im deutschen Postmarkt.

In ihrem Sektorgutachten vom Dezember 2025 stellte sie fest, dass Wettbewerber der Deutschen Post im Briefgeschäft zusammen lediglich einen Umsatzanteil von rund 15 Prozent erreichten. Im Privatkundenbereich entfielen sogar weniger als fünf Prozent der Briefe auf konkurrierende Anbieter.

Das Gremium kritisierte bereits damals die Möglichkeiten zur Finanzierung verschiedener Geschäftsbereiche innerhalb des Postkonzerns. Zudem empfahl es, die regulatorischen Rahmenbedingungen stärker auf einen funktionsfähigen Wettbewerb auszurichten.

Mit der aktuellen Kritik an der geplanten Portoerhöhung wird diese grundsätzliche Auseinandersetzung fortgesetzt. Die Bundesnetzagentur muss nun über den zulässigen Preiserhöhungsspielraum entscheiden. Bis zur abschließenden Genehmigung gelten weiterhin die bisherigen Portopreise.

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