Volkswagen-Tochter Elli gibt Wallboxgeschäft auf und plant Stellenabbau

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Volkswagen-Tochter Elli stellt ihr Geschäftsmodell grundlegend um. Das Unternehmen will künftig keine eigenen Wallboxen mehr verkaufen und sich weitgehend aus dem Geschäft mit Ladehardware zurückziehen. Gleichzeitig stehen Arbeitsplätze auf dem Prüfstand. Die Geschäftsführung verhandelt bereits mit dem Betriebsrat über einen Stellenabbau. Darüber hinaus ist Elli offen für externe Investoren und strategische Partner.

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Die Veränderungen betreffen einen Geschäftsbereich, den Volkswagen seit 2018 aufgebaut und in den vergangenen Jahren deutlich erweitert hatte. Künftig sollen digitale Ladedienstleistungen, das Flottengeschäft und die Einbindung von Elektroautos in den Strommarkt im Mittelpunkt stehen.

Elli beendet den Verkauf eigener Wallboxen

Eine der wichtigsten Veränderungen betrifft Ladestationen für Privathaushalte. Elli will die eigene Produktion herkömmlicher Wallboxen einstellen. Bereits vorhandene Geräte sollen noch verkauft werden. Anschließend ist kein weiterer Vertrieb eigener Modelle dieser Produktgruppe vorgesehen.

Für Besitzer bereits installierter Wallboxen soll sich nach Angaben von Elli-Chef Giovanni Palazzo nichts ändern. Softwareaktualisierungen, Ersatzteile und Kundendienst sollen weiterhin verfügbar bleiben. Die bisherigen Geräte können demnach weiter genutzt werden.

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Der Rückzug geht allerdings über das private Laden hinaus. Elli gibt auch die Produktion der batteriebasierten Schnellladestation Flexpole auf. Darüber hinaus will sich das Unternehmen künftig nicht mehr selbst um die Errichtung von Ladeinfrastruktur für Geschäftskunden kümmern. Solche Aufgaben sollen spezialisierte Partner übernehmen.

Auch die Verantwortung für große Batteriespeicher innerhalb des Volkswagen-Konzerns soll auf ein anderes Konzernunternehmen übergehen. Diese Anlagen können Strom aus erneuerbaren Energiequellen aufnehmen und bei Bedarf wieder bereitstellen.

Der Umbau der bisherigen Infrastrukturaktivitäten soll schrittweise erfolgen und nach den derzeitigen Planungen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Stellenabbau bei rund 400 Beschäftigten geplant

Mit dem Rückzug aus dem Hardwaregeschäft sind personelle Veränderungen verbunden. Elli beschäftigt derzeit rund 400 Mitarbeiter. Wie viele Stellen im Zuge der Neuaufstellung wegfallen könnten, ist bislang nicht entschieden.

Palazzo erklärte am Dienstag, 3. November 2026, dass bereits Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geführt würden. Eine Einigung werde innerhalb der kommenden Wochen angestrebt. Die Beschäftigten wurden am Dienstag über die Pläne informiert.

Betroffen sein könnten insbesondere Mitarbeiter aus dem Hardwaregeschäft, der Ladeinfrastruktur sowie Teilen der Verwaltung. Eine verbindliche Zahl möglicher Stellenstreichungen nannte das Unternehmen nicht. Auch die konkrete Umsetzung und die Frage möglicher betriebsbedingter Kündigungen blieben zunächst offen.

Mit der Neuorganisation will Elli seine laufenden Kosten reduzieren. Ziel ist es, das Unternehmen dauerhaft profitabel aufzustellen.

Volkswagen setzt künftig stärker auf digitale Ladedienste

Ab 2027 soll sich die Geschäftstätigkeit von Elli auf zwei zentrale Bereiche konzentrieren. Unter den Bezeichnungen Mobility und Energy will das Unternehmen seine Dienstleistungen für Elektromobilität und Energieversorgung bündeln.

Im Mobilitätsgeschäft stehen Ladekarten, digitale Abrechnungssysteme und Dienstleistungen für Fahrzeugflotten im Mittelpunkt. Insbesondere Geschäftskunden sollen ihre Fahrzeuge und die damit verbundenen Lade- und Tankvorgänge über zentrale Plattformen verwalten können.

Dazu gehört auch das Angebot Charge&Fuel, das sowohl für Elektrofahrzeuge als auch für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor genutzt werden kann.

Bereits im März 2026 hatte Elli mitgeteilt, dass Kunden über seine Plattform Zugang zu mehr als einer Million öffentlichen Ladepunkten in 28 europäischen Ländern erhalten. Das Netzwerk war innerhalb von zwei Jahren um rund 55 Prozent gewachsen.

Die Ladestationen gehören dabei nicht überwiegend Elli selbst. Das Unternehmen vermittelt den Zugang zu Ladepunkten unterschiedlicher Betreiber und übernimmt unter anderem Dienstleistungen rund um Abrechnung und Tarife. Dieses Geschäftsmodell soll weiter ausgebaut werden.

Auch das Stromangebot Volkswagen Naturstrom bleibt Bestandteil der künftigen Geschäftstätigkeit.

Elektroautos sollen stärker in den Strommarkt eingebunden werden

Ein weiteres Geschäftsfeld ist das sogenannte bidirektionale Laden. Dabei können geeignete Elektroautos elektrische Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben.

Beim sogenannten Vehicle-to-Grid-Verfahren wird Strom aus der Fahrzeugbatterie für das öffentliche Stromnetz verfügbar gemacht. Vehicle-to-Home ermöglicht dagegen, gespeicherte Energie für die Versorgung eines Haushalts zu verwenden.

Volkswagen und Elli hatten bereits im Juni 2026 ein entsprechendes Produktpaket für den deutschen Markt vorgestellt. Dazu gehören kompatible Elektrofahrzeuge, eine bidirektionale Ladestation, ein spezieller Stromtarif und eine App.

Für das erste Vertragsjahr stellte Volkswagen unter bestimmten Voraussetzungen einen möglichen Bonus von bis zu 720 Euro in Aussicht. Die tatsächlichen Vorteile hängen von den jeweiligen Vertragsbedingungen und der Nutzung ab.

Obwohl Elli herkömmliche eigene Wallboxen aufgibt, sollen solche intelligenten Ladeangebote weiterentwickelt werden. Die dafür benötigte Hardware soll künftig von externen Herstellern kommen. Elli will sich stärker auf die Steuerung, die Stromtarife und die energiewirtschaftliche Vermarktung konzentrieren.

Gespräche mit möglichen Investoren laufen

Parallel zur Neuaufstellung öffnet sich Elli für mögliche Beteiligungen externer Unternehmen. Palazzo bestätigte gegenüber dem Fachmedium electrive, dass mehrere Unternehmen Interesse an einer Beteiligung oder einer vertieften strategischen Zusammenarbeit signalisiert hätten.

Eine konkrete Vereinbarung gab es zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht. Auch Namen möglicher Investoren oder Einzelheiten zu einer denkbaren Beteiligungsstruktur wurden nicht bekannt.

Die Zusammenarbeit mit externen Partnern soll Elli nach Darstellung der Geschäftsführung insbesondere dabei unterstützen, digitale Dienstleistungen in weiteren internationalen Märkten anzubieten.

Damit bleibt Elli zwar eine strategische Einheit innerhalb des Volkswagen-Konzerns, könnte künftig aber auch mit externen Kapitalgebern oder zusätzlichen Geschäftspartnern zusammenarbeiten. Eine bereits beschlossene Veräußerung der Tochtergesellschaft wurde nicht bekannt gegeben.

Elli schrieb 2024 noch einen Millionenverlust

Die wirtschaftliche Neuaufstellung erfolgt vor dem Hintergrund einer bislang defizitären Geschäftsentwicklung. Im veröffentlichten Jahresabschluss für 2024 wies Elli einen Umsatz von rund 174 Millionen Euro aus. Etwa 15 Prozent davon entfielen auf das Hardwaregeschäft.

Nach Steuern stand für das Geschäftsjahr ein Verlust von rund 54 Millionen Euro. Aktuelle vollständige Geschäftszahlen für 2026 legte Palazzo bei der Vorstellung der neuen Strategie nicht vor.

Das Unternehmen soll künftig mit geringeren Fixkosten wirtschaften und einen größeren Anteil seiner Erlöse aus digitalen Dienstleistungen erzielen. Diese können über Ladetransaktionen, laufende Kundenverträge und Dienstleistungen für Fahrzeugflotten entstehen.

Die Neuaufstellung fällt in eine Phase, in der sich der europäische Markt für Elektromobilität verändert. Während das Netz öffentlicher Ladepunkte weiter wächst, nimmt nach Einschätzung der Elli-Geschäftsführung der wirtschaftliche Wettbewerb unter den Anbietern zu.

Für Volkswagen bedeutet die neue Strategie keinen vollständigen Rückzug aus dem Ladegeschäft. Vielmehr soll Elli künftig vor allem jene Dienstleistungen anbieten, die Fahrer, Fahrzeugflotten und Energieversorger miteinander verbinden.

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