
Mehr als eineinhalb Jahre nach dem lebensgefährlichen Sturz eines damals 15-Jährigen von einer Brücke in Karlsruhe-Durlach beschäftigt der Fall weiterhin die Ermittler. Am Mittwochabend, 9. September, wurde das Geschehen in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorgestellt. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Karlsruhe ermitteln inzwischen wegen des Verdachts des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.
Der Vorfall ereignete sich am Abend des 2. Februar 2025. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft stürzte der Jugendliche kurz vor 19.30 Uhr von einer etwa 8,50 Meter hohen Brücke der Durlacher Allee. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen und lag anschließend längere Zeit im Koma.
Zunächst war nicht eindeutig geklärt, wie es zu dem Sturz gekommen war. Die Ermittlungen führten später jedoch zu dem Verdacht, dass der 15-Jährige möglicherweise nach einer körperlichen Auseinandersetzung von mindestens einer anderen Person von der Brücke gestoßen worden sein könnte. Deshalb wird der Fall mittlerweile als mögliches Tötungsdelikt untersucht.
Bereits im Juni 2026 hatten Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Karlsruhe diesen Ermittlungsstand öffentlich gemacht und angekündigt, den Fall voraussichtlich bei „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorzustellen.
In der ZDF-Sendung wurden weitere Details zu den Ermittlungen bekannt. Demnach hatte eine Zeugin kurz vor dem Sturz eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Jugendlichen auf der Brücke beobachtet. Einer der Beteiligten soll nach Angaben der Ermittler der später schwer verletzte 15-Jährige gewesen sein.
Die drei anderen Jugendlichen wurden als männlich und ungefähr 15 bis 16 Jahre alt beschrieben. Laut der Zeugenaussage trugen sie unter anderem dunkle Jacken und Jogginghosen. Einer soll eine Kappe mit einem roten Logo getragen haben.
Die Polizei geht außerdem der Frage nach, warum sich der Jugendliche an diesem Abend überhaupt in Durlach aufhielt. Nach Darstellung des ZDF lag der Ort nicht auf seinem ursprünglich vorgesehenen Heimweg. Ob er dort mit einer Person verabredet war, ist bislang nicht geklärt.
Auch Gegenstände des Jugendlichen spielen für die Ermittlungen eine Rolle. Sein Rucksack, eine Tasche und sein Smartphone wurden nach Angaben aus der Sendung auf der Brücke gefunden. Welche Bedeutung dies für den genauen Ablauf hat, ist bislang offen.
Bei kriminaltechnischen Untersuchungen der Kleidung des Jugendlichen wurden laut ZDF zudem DNA-Spuren von drei bislang nicht identifizierten Personen festgestellt. Ob und in welchem Zusammenhang diese Personen mit dem Sturz stehen, ist bisher nicht geklärt.
Der Jugendliche selbst kann nach Angaben des ZDF keine entscheidenden Hinweise zum Geschehen liefern, weil ihm die Erinnerung an den Vorfall fehlt.
Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat für Hinweise, die zur Ermittlung oder Ergreifung der bislang unbekannten Täterschaft führen, eine Belohnung von bis zu 5.000 Euro ausgelobt.
Nach der Ausstrahlung bei „Aktenzeichen XY“ am Mittwochabend gab es nach Angaben des ZDF zahlreiche Reaktionen aus dem Publikum. Mehrere Zuschauer hätten angeboten, die Belohnung von privater Seite aufzustocken. Eine konkrete neue Gesamthöhe wurde zunächst nicht genannt.
Ob während oder nach der Sendung Hinweise eingingen, die die Ermittler entscheidend weiterbringen könnten, ist bislang nicht bekannt.
Die Kriminalpolizei Karlsruhe interessiert sich insbesondere für Personen, die sich am 2. Februar 2025 zwischen etwa 19 und 19.30 Uhr im Bereich der Brücke an der Durlacher Allee aufhielten oder Beobachtungen zu einer Gruppe von Jugendlichen gemacht haben.
Gesucht werden außerdem Menschen, die an diesem Abend Kontakt zu dem Jugendlichen hatten oder Angaben dazu machen können, warum er sich vor seinem Sturz in Durlach befand.
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