Deutschlands Topbonität hält, doch der Haushalt wird teurer

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Deutschland geht mit der höchsten Bonitätsnote in die parlamentarischen Beratungen über den Bundeshaushalt 2027. Einen unmittelbar bevorstehenden Verlust des Spitzenratings sehen die großen Ratingagenturen derzeit nicht. Dennoch verschiebt sich die finanzpolitische Ausgangslage deutlich. Die Schulden steigen, die Renditen von Bundesanleihen haben kräftig angezogen und die Zinsausgaben des Bundes sollen sich bis zum Ende des Jahrzehnts nahezu verdoppeln.

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Die europäische Ratingagentur Scope bestätigte Deutschland am Freitagabend, 4. September 2026, mit der Bestnote AAA und einem stabilen Ausblick. Zugleich rechnet die Agentur damit, dass die Schuldenquote Deutschlands von 63,5 Prozent Ende 2025 auf 73,9 Prozent im Jahr 2031 steigt. Hauptgrund sind die zusätzlichen kreditfinanzierten Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur.

Damit trifft die neue Bewertung unmittelbar vor der ersten Beratungswoche zum Bundeshaushalt 2027 auf eine ohnehin intensive Debatte über die langfristige Tragfähigkeit der deutschen Finanzpolitik.

Scope bestätigt AAA und sieht steigende Schulden

Deutschland besitzt weiterhin erhebliche finanzielle Stärken. Dazu zählen eine große und breit aufgestellte Volkswirtschaft, eine starke Außenposition sowie der sehr gute Zugang des Bundes zu den Kapitalmärkten. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass Deutschlands AAA-Rating trotz der höheren Kreditaufnahme stabil bleibt.

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Scope sieht allerdings eine deutlich steigende Schuldenquote. Mit den geplanten zusätzlichen Investitionen und den höheren Sicherheitsausgaben verändert sich die deutsche Finanzpolitik gegenüber den Jahren vor der Reform der Schuldenregeln erheblich.

Auch andere große Agenturen haben ihre Höchstnoten bislang nicht infrage gestellt. S&P bestätigte Deutschland im April mit AAA und stabilem Ausblick. Die Agentur machte zugleich deutlich, dass eine Herabstufung denkbar wäre, wenn die zusätzlichen Staatsausgaben das mittelfristige Wachstum deutlich weniger stärken als erwartet oder strukturelle Probleme die langfristige Wirtschaftsentwicklung stärker belasten.

Fitch bestätigte im Mai ebenfalls AAA mit stabilem Ausblick. Die Agentur verwies auf Deutschlands außergewöhnlich guten Kapitalmarktzugang und seine Rolle als wichtiger Referenzschuldner im Euroraum, sah aber zugleich zunehmenden Druck durch strukturelle wirtschaftliche Schwächen und eine längerfristig steigende Staatsverschuldung.

Zinsausgaben könnten bis 2030 fast doppelt so hoch sein

Für den Bundeshaushalt wird die Entwicklung bereits unmittelbar sichtbar. Im Kernhaushalt sind für 2027 rund 41,9 Milliarden Euro an Zinsausgaben vorgesehen. Für 2028 rechnet die Finanzplanung mit 55,2 Milliarden Euro, für 2029 mit 68,1 Milliarden und für 2030 mit 80,7 Milliarden Euro.

Die Zinsausgaben des Bundes würden sich damit innerhalb weniger Jahre nahezu verdoppeln. Die Bundesregierung führt den Anstieg vor allem auf den höheren Schuldenstand und die gestiegenen Renditen für Bundeswertpapiere zurück.

Dieser Zusammenhang ist entscheidend für die künftigen Haushalte. Höhere Zinsen bedeuten, dass ein größerer Teil der laufenden Einnahmen für den Schuldendienst gebunden ist und damit nicht mehr für Investitionen, Sozialausgaben, Entlastungen oder andere politische Vorhaben zur Verfügung steht.

Die Belastung wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass ältere Anleihen mit niedrigen Zinssätzen nach ihrer Fälligkeit teilweise zu höheren Marktzinsen refinanziert werden müssen.

Nettokreditaufnahme 2027 steigt auf 118,7 Milliarden Euro

Der Regierungsentwurf sieht für 2027 Ausgaben von insgesamt 555,4 Milliarden Euro vor. Die Nettokreditaufnahme 2027 soll im Kernhaushalt bei 118,7 Milliarden Euro liegen. Im laufenden Jahr sind knapp 98 Milliarden Euro vorgesehen.

Von den 118,7 Milliarden Euro entfallen nach der Planung 33,4 Milliarden Euro auf die regulär zulässige Kreditaufnahme. Weitere 85,4 Milliarden Euro sollen über die im Grundgesetz vorgesehene Bereichsausnahme insbesondere für Verteidigungs- und sicherheitspolitische Ausgaben finanziert werden.

Hinzu kommen Sondervermögen mit eigenen Kreditermächtigungen. Für das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sind 2027 rund 54,9 Milliarden Euro Einnahmen aus Krediten vorgesehen. Beim Sondervermögen Bundeswehr sind Ausgaben von rund 30 Milliarden Euro eingeplant. Das Sondervermögen soll nach derzeitiger Planung Ende 2027 ausgeschöpft sein.

Der Finanzplan zeigt zudem, dass die hohe Kreditaufnahme kein ausschließlich auf 2027 begrenztes Phänomen ist. Für den Kernhaushalt sind 2028 knapp 148,8 Milliarden Euro Nettokreditaufnahme vorgesehen, 2029 rund 152 Milliarden und 2030 rund 167,3 Milliarden Euro.

Höhere Renditen verteuern neue Schulden

Parallel zur steigenden Kreditaufnahme haben sich die Bedingungen am Anleihemarkt verschlechtert. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte Anfang September zeitweise den höchsten Stand seit 2011. Hintergrund sind nicht allein die deutschen Staatsfinanzen. Weltweit stehen Anleihemärkte unter dem Einfluss höherer Inflationserwartungen, geopolitischer Risiken, gestiegener Staatsverschuldung und veränderter Zinserwartungen.

Deutschland profitiert weiterhin davon, im Euroraum als besonders sicherer Schuldner zu gelten. Ein AAA-Rating erleichtert die Refinanzierung, verhindert aber nicht, dass sich globale Veränderungen des Zinsniveaus auf Bundesanleihen auswirken.

Deshalb können die Zinskosten auch ohne Ratingherabstufung deutlich steigen. Für den Bundeshaushalt ist die Entwicklung der Marktrenditen kurzfristig sogar entscheidender als die Frage, ob eine Agentur die Bonitätsnote verändert.

Deutschland bleibt im Euroraum vergleichsweise solide

Trotz der steigenden Verschuldung ist Deutschlands Ausgangslage im internationalen Vergleich weiterhin günstiger als die vieler anderer großer Volkswirtschaften. Das Bundesfinanzministerium erwartet für Ende 2026 eine gesamtstaatliche Schuldenquote von etwa 66,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für die Eurogruppe nennt das Ministerium einen Durchschnitt von 87,8 Prozent.

Die zunehmende Verschuldung erhält ihre Bedeutung deshalb vor allem durch die Kombination mit höheren Zinsen, demografisch bedingt steigenden Sozialausgaben und einem vergleichsweise niedrigen langfristigen Wachstumspotenzial.

Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte Anfang September darauf hingewiesen, dass Deutschlands Schulden- und Defizitkennzahlen im internationalen Vergleich weiterhin solide seien, die Finanzpolitik aber diszipliniert bleiben müsse, damit die Bestnote erhalten werden könne.

Haushaltsberatungen beginnen am 8. September

Am Dienstag, 8. September, bringt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil den Haushaltsentwurf in den Bundestag ein. Die erste Beratungswoche läuft bis Freitag. Anschließend geht der Entwurf zur weiteren Bearbeitung in den Haushaltsausschuss.

Die Verabschiedung des Bundeshaushalts ist für den 27. November vorgesehen. Damit dürfte neben den geplanten Ausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Sozialpolitik auch die langfristige Finanzierung zu einem zentralen Thema der Beratungen werden.

Eine akute Ratingkrise Deutschlands zeichnet sich derzeit nicht ab. Die aktuellen Bewertungen zeigen jedoch, dass das AAA zunehmend davon abhängt, ob die zusätzliche Verschuldung Wachstum und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit stärkt und ob der Staat trotz höherer Zinskosten dauerhaft ausreichend finanziellen Spielraum behält.

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