Weltkarte im Wandel: UN stellt reale Größen stärker in den Mittelpunkt

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Die UN-Vollversammlung hat mit großer Mehrheit für eine stärkere Nutzung flächentreuer Weltkarten gestimmt. Am Freitag, 4. September 2026, unterstützten 164 Staaten die von Togo im Namen der afrikanischen Staatengruppe vorangetriebene Initiative. Die USA stimmten dagegen und waren damit das einzige Land mit einer Gegenstimme. Sechs Staaten enthielten sich. Die UN-Resolution für flächentreue Weltkarten ist allerdings nicht rechtlich bindend und schafft keine weltweit vorgeschriebene Einheitskarte.

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Im Mittelpunkt steht die Kritik an der Mercator-Projektion. Sie stellt Flächen in höheren Breiten stark vergrößert dar. Dadurch wirken unter anderem Grönland, Kanada, Nordeuropa und Russland im Verhältnis zu Regionen nahe dem Äquator deutlich größer. Afrika auf Weltkarten erscheint bei dieser Projektion deshalb im Vergleich zu nördlicher gelegenen Landmassen wesentlich kleiner, als es seinen tatsächlichen Flächenverhältnissen entspricht.

164 Staaten unterstützen die Initiative

Der in der 80. Sitzungsperiode behandelte Entwurf A/80/L.104 trägt den Titel Correct the Map und zielt auf eine ausgewogenere kartografische Darstellung der Weltregionen, insbesondere Afrikas. Togo hatte die Initiative im Namen der afrikanischen Staatengruppe in die Generalversammlung eingebracht.

164 Staaten votierten dafür. Die USA stimmten dagegen. Estland, Georgien, Litauen, Moldau, Serbien und die Ukraine enthielten sich.

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Der Beschluss fordert nicht, dass künftig jede Karte nach demselben mathematischen Verfahren erstellt werden muss. Er wirbt vielmehr dafür, bei Darstellungen, bei denen die relative Größe von Staaten und Kontinenten entscheidend ist, flächentreue Projektionen zu verwenden. Ausdrücklich hervorgehoben wird die Equal-Earth-Projektion.

Auch Regierungen, Bildungseinrichtungen, internationale Organisationen und Technologieunternehmen werden dazu ermuntert, die Auswirkungen unterschiedlicher Kartenprojektionen stärker zu berücksichtigen.

Warum die Mercator-Projektion Größen stark verändert

Jede zweidimensionale Weltkarte steht vor einem grundlegenden mathematischen Problem: Die gekrümmte Oberfläche einer Kugel lässt sich nicht ohne Verzerrungen auf einer ebenen Fläche darstellen. Eine Projektion muss deshalb bestimmte Eigenschaften bevorzugen und andere verändern.

Die 1569 vom flämischen Kartografen Gerardus Mercator entwickelte Mercator-Projektion bewahrt Winkel lokal besonders gut. Auch Kurse mit konstanter Kompassrichtung lassen sich als gerade Linien darstellen. Das machte das Verfahren für die Navigation besonders nützlich.

Der Preis dafür sind zunehmend starke Flächenverzerrungen mit wachsender Entfernung vom Äquator. Besonders anschaulich ist der Vergleich zwischen Afrika und Grönland. Auf Mercator-Weltkarten können beide annähernd ähnlich groß wirken. Tatsächlich umfasst Afrika rund 30 Millionen Quadratkilometer und ist damit ungefähr 14-mal so groß wie Grönland.

Es wäre allerdings ungenau zu sagen, Mercator verkleinere ausschließlich Afrika. Mathematisch werden vor allem Gebiete in höheren geografischen Breiten zunehmend vergrößert. Dadurch verändert sich ihr Größenverhältnis zu Afrika, Südamerika, Südasien und anderen Regionen näher am Äquator.

Equal Earth erhält die Flächenverhältnisse

Die Equal-Earth-Projektion wurde 2018 von den Kartografen Bojan Šavrič, Tom Patterson und Bernhard Jenny entwickelt. Sie gehört zu den flächentreuen Projektionen. Das bedeutet, dass die Flächen verschiedener Regionen im richtigen Verhältnis zueinander dargestellt werden.

Auf einer solchen Karte erscheint Afrika im Verhältnis zu Europa, Nordamerika und Grönland deutlich größer als auf einer Mercator-Karte. Umgekehrt wirken insbesondere weit nördlich gelegene Regionen kleiner. Dabei werden die tatsächlichen Landflächen nicht verändert. Lediglich die Verzerrungen der Kartenprojektion werden anders verteilt.

Auch Equal Earth bildet die Erde nicht in jeder Hinsicht verzerrungsfrei ab. Formen, Winkel und Entfernungen können verändert werden. Die Projektion wurde deshalb vor allem für Weltkarten entwickelt, auf denen vergleichbare Flächengrößen eine wichtige Rolle spielen.

Damit geht es bei der Entscheidung nicht darum, eine mathematisch vollkommen korrekte zweidimensionale Karte zu bestimmen. Eine solche Darstellung gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr, welche Eigenschaften eine Karte für ihren jeweiligen Zweck bewahren soll.

Afrikanische Union hatte Equal Earth bereits beschlossen

Der Vorstoß in New York baut auf einer Entscheidung der Afrikanischen Union auf. Die Staats- und Regierungschefs der AU beschlossen bei ihrem Gipfel am 14. und 15. Februar 2026 in Addis Abeba, die Equal-Earth-Projektion für eine proportional genauere Darstellung Afrikas zu unterstützen.

Die AU forderte ihre Mitgliedstaaten zugleich auf, die Darstellung in nationalen Lehrplänen zu überprüfen. Togo übernahm anschließend eine führende Rolle dabei, das Thema auf die Ebene der Vereinten Nationen zu bringen.

Hinter der Initiative steht neben dem kartografischen Argument auch die Auffassung der Afrikanischen Union, dass die jahrhundertelange Verwendung bestimmter Weltkarten die Wahrnehmung der Bedeutung und Größe Afrikas beeinflusst habe. Der UN-Beschluss übernimmt Teile dieser Argumentation und verbindet die Frage der Kartendarstellung mit Bildung und öffentlicher Wahrnehmung.

USA lehnen Resolution als ideologisch ab

Washington stellte sich als einziges UN-Mitglied gegen den Beschluss. Die US-Delegation begründete ihre Ablehnung nicht mit einem Streit über die mathematischen Eigenschaften flächentreuer Karten. Sie kritisierte vielmehr den politischen Kontext der Initiative und insbesondere deren Verbindung mit Begriffen wie Wiedergutmachung und kognitiver Gerechtigkeit.

Aus Sicht der US-Regierung lenke die Resolution von dringlicheren Aufgaben der Vereinten Nationen ab und sei Teil einer weitergehenden ideologischen Agenda.

Die deutliche Mehrheit der Generalversammlung folgte dieser Argumentation nicht. Mit 164 Ja-Stimmen erhielt die Initiative eine breite internationale Unterstützung.

Die Enthaltung der Ukraine hatte einen anderen Hintergrund. Ihr UN-Vertreter verwies auf die Darstellung ukrainischer Gebiete in einer politischen Karte auf Grundlage der Equal-Earth-Projektion. Dabei geht es um die Kennzeichnung von durch Russland besetzten Gebieten und nicht um die mathematische Projektion selbst. Zu vergleichbaren Begründungen aller weiteren Staaten, die sich enthielten, lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.

Keine Verpflichtung zum Austausch aller Karten

Der Beschluss bedeutet nicht, dass Atlanten, Navigationssysteme oder digitale Kartendienste nun weltweit ihre Karten austauschen müssen. Resolutionen der UN-Generalversammlung dieser Art sind nicht rechtlich bindend.

Auch die Mercator-Projektion wird nicht abgeschafft. Für bestimmte Anwendungen, insbesondere solche, bei denen Winkel und Richtungen wichtig sind, behält sie praktische Vorteile.

Die mögliche Veränderung betrifft vor allem Weltkarten, die politische, wirtschaftliche, demografische oder geografische Größenverhältnisse vermitteln sollen. Hier soll künftig stärker berücksichtigt werden, dass eine Projektion selbst beeinflusst, wie groß ein Staat oder Kontinent auf einer ebenen Karte erscheint.

Die neue Empfehlung dürfte deshalb vor allem für Schulen, internationale Institutionen, Verlage und Anbieter digitaler Karten relevant werden. Ob und wie schnell sie ihre Darstellungen ändern, entscheiden die jeweiligen Staaten und Organisationen selbst. Die UN-Vollversammlung hat dafür nun mit deutlicher Mehrheit einen politischen Maßstab gesetzt.

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