Bundestag Signal Wire: Wechsel nach Russland-Phishing-Angriff

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Grzegorz Walczak

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Bundestag Signal Wire: Das deutsche Parlament plant nach einem massiven Russland-Phishing-Angriff den Umstieg auf den europäischen Messenger-Dienst Wire. Rund 300 politische Signal-Konten wurden kompromittiert – darunter sollen auch die Accounts von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und zwei Bundesministerinnen sein. Das Bundestagspräsidium befasst sich seit dem 5. Mai 2026 mit dem konkreten Sicherheitswechsel.

Bundestag Signal Wire: Wie der Phishing-Angriff ablief

Die Phishing-Kampagne auf Signal-Nutzer aus dem politischen Betrieb läuft offenbar bereits seit September 2025. Die Angreifer sollen sich dabei als Signal-Support-Mitarbeiter ausgegeben haben und über gefälschte QR-Codes sowie manipulierte Verifizierungscodes Zugang zu fremden Konten verschafft haben. Laut übereinstimmenden Medienberichten wurden bis zu 300 Signal-Konten von Abgeordneten, Diplomaten, Militärangehörigen und Journalisten kompromittiert.

Besonders aufsehenerregend ist, dass offenbar auch hochrangige Politikerinnen auf die Masche hereingefallen sein sollen: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin Karin Prien sowie Verena Hubertz (SPD) sollen laut Medienberichten auf Phishing-Nachrichten reagiert haben, die als offizielle Signal-Anfragen getarnt waren. Bundestag und Bundesregierung seien dabei erst im Februar 2026 vor der laufenden Attacke gewarnt worden, obwohl die Kampagne schon Monate früher begonnen hatte.

Der Messenger Signal selbst wurde bei dem Angriff nicht gehackt – die Schwachstelle lag beim menschlichen Umgang mit gefälschten Support-Anfragen. Das ändert jedoch nichts an der politischen Brisanz des Falls: Der Generalbundesanwalt ermittelt seit Februar 2026 wegen Spionageverdachts. Deutsche Sicherheitsbehörden gehen laut Medienberichten davon aus, dass hinter der Kampagne staatliche Akteure stehen – Russland gilt als Hauptverdächtiger.

Bundestag Signal Wire: Warum Wire der Favorit ist

Der geplante Wechsel von Signal zu Wire hat handfeste Gründe. Wire ist derzeit der einzige Messenger-Dienst, der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert ist. Die Version Wire Bund erhielt eine Zulassung für Verschlusssachen bis zur Stufe VS-NfD (Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch), was sie für die interne Kommunikation in Behörden und Parlament besonders geeignet macht.

Damit eignet sich Wire für die sichere Übermittlung sensibler Informationen – genau der Bereich, der für Abgeordnete und Ministerien täglich relevant ist. Zusätzlich punktet Wire mit seiner digitalen Souveränität: Das Unternehmen hat Standorte in Berlin, der Schweiz und Frankreich – keine US-amerikanische Cloud-Abhängigkeit wie bei Signal. Ein weiterer Vorteil: Wire erfordert keine Telefonnummer zur Registrierung, was einen zusätzlichen Datenschutzvorteil gegenüber Signal darstellt.

Wire-CEO Benjamin Schilz sieht den geplanten Bundestag-Beschluss als wichtigen Schritt in Richtung digitaler Souveränität. Das BSI-zertifizierte Produkt lasse sich in gesicherte staatliche Betriebsprozesse einbetten und sei speziell für staatliche Anforderungen konzipiert. Für weitere Hintergründe zum Ursprung der Signal-Angriffe empfiehlt sich der bereits erschienene Bericht Signal Hack Bundestag: Spionage im Fokus.

Politische Reaktionen: Verbot oder gezielter Umstieg?

Innerhalb des Bundestages gibt es unterschiedliche Positionen zur Frage des weiteren Umgangs mit Signal. Bundestag-Vizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) soll laut Berichten dafür plädiert haben, Signal für Abgeordnete und Behörden vollständig zu verbieten – ein Schritt, der über einen bloßen Messenger-Wechsel hinausgehen würde.

Die IT- und Digitalisierungskommission des Bundestagspräsidiums berät über konkrete Schritte. Das Bundestagspräsidium stellt Wire bereits aktiv auf Dienstgeräten bereit und prüft Einschränkungen für Alternativ-Apps wie Signal. Auch der Bundestag selbst strebt laut Medienberichten eine umfassende Abkehr von US-amerikanischen Kommunikationsplattformen an – der Signal-Vorfall hat diesen Prozess deutlich beschleunigt. Einen vergleichbaren Fall staatlicher Spionagetätigkeit auf deutschem Boden beschreibt der Artikel Spionage Minden Bahnhof: LKA ermittelt gegen Litauer.

Ausblick: Kann Wire das Vertrauen der Politik gewinnen?

Der Umstieg auf Wire ist technisch machbar, aber politisch komplex. Abgeordnete und Mitarbeiter müssen eingeprägte Gewohnheiten ändern – Signal ist intuitiv bedienbar und unter Politikern weit verbreitet. Wire ist dagegen weniger bekannt, bietet aber durch BSI-Zertifizierung und europäische Server-Standorte eine deutlich bessere Ausgangslage für staatliche Nutzung.

Langfristig zeichnet sich ab, dass Deutschland die Abhängigkeit von US-amerikanischen Kommunikationsdiensten gezielt reduzieren will. Neben Wire prüft der Bundestag laut Berichten auch den Absprung von Microsoft-Produkten für weitere Arbeitsbereiche. Die Signal-Affäre könnte so zum Katalysator für eine umfassendere Digitalisierungsstrategie auf europäischer Basis werden. Entscheidend bleibt, ob die Umsetzung schnell genug erfolgt – angesichts laufender Ermittlungen und einer anhaltenden Bedrohungslage durch staatliche Cyberoperationen bleibt die Kommunikationssicherheit im Bundestag ein dringendes Thema.

Quellen: Tagesspiegel, heise.de, ZDFheute, Berliner Zeitung, Correctiv, Handelsblatt, taz.de, netzpolitik.org, hardwareluxx

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