Polnischer Pilgerbus verunglückt in Ungarn: Zwölf Tote

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Beim Busunglück in Ungarn sind in der Nacht zum Sonntag zwölf Menschen ums Leben gekommen. Ein polnischer Reisebus mit einer Pilgergruppe verließ gegen 1 Uhr auf der Autobahn M3 im Nordosten des Landes die Fahrbahn, geriet in einen Straßengraben und kippte auf die Seite. Insgesamt befanden sich 57 Fahrgäste und zwei Fahrer in dem Fahrzeug. Die übrigen 47 Insassen wurden nach Angaben des ungarischen Rettungsdienstes verletzt.

Reisebus verunglückt am Kilometer 139 der M3

Der Unfall ereignete sich auf der M3 in Fahrtrichtung Nyíregyháza am Kilometer 139 zwischen Mezőkeresztes und Mezőnagymihály in der nordostungarischen Region Borsod-Abaúj-Zemplén. Die Stelle liegt rund 140 Kilometer östlich von Budapest. Das Fahrzeug kam auf einem geraden Autobahnabschnitt von der Straße ab, fuhr die Böschung hinunter und blieb im Graben auf der Seite liegen.

Die ersten Einsatzmeldungen gingen gegen 1 Uhr am Sonntagmorgen ein. Mehrere Menschen konnten das Fahrzeug nicht selbstständig verlassen. Nach Angaben des Katastrophenschutzes gerieten zudem mehrere Insassen unter den umgestürzten Bus. Gegen 3 Uhr hatten Feuerwehrkräfte zunächst 35 Menschen aus dem Fahrzeug befreit. Für die weitere Bergung musste der rund 24 Tonnen schwere Bus angehoben werden.

Zwölf Tote und 47 Verletzte nach dem Busunglück

Der ungarische Rettungsdienst bezifferte die Zahl der Todesopfer am Sonntagvormittag auf zwölf. Von den Überlebenden wurde eine Person in lebensbedrohlichem Zustand versorgt. Neun weitere Menschen erlitten schwere und 37 leichtere Verletzungen. Damit benötigten alle 47 überlebenden Insassen medizinische Hilfe.

Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht, unter anderem nach Miskolc und Eger. Alle Menschen an Bord waren nach Angaben des polnischen Außenministeriums polnische Staatsbürger. Namen oder weitere persönliche Angaben zu den Betroffenen wurden nicht veröffentlicht.

Pilgergruppe war auf dem Rückweg nach Polen

Bei den Reisenden handelte es sich um eine Pilgergruppe aus der südöstlichen polnischen Woiwodschaft Karpatenvorland. Sie war auf der Rückreise aus Bosnien und Herzegowina nach Polen. Polnische Stellen bestätigten, dass die Gruppe von einer Pilgerfahrt zurückkehrte. Als Reiseziel in Bosnien und Herzegowina wurde in polnischen Angaben Medjugorje genannt.

Der Bus befand sich zum Unfallzeitpunkt auf dem Weg nach Nordosten in Richtung Nyíregyháza. Von dort aus sollte die Fahrt weiter nach Polen führen. Nach Angaben aus Polen wären die Reisenden voraussichtlich noch am Sonntagvormittag in ihrer Heimatregion angekommen.

Feuerwehr und Rettungsdienst mit Großaufgebot im Einsatz

An der Rettung beteiligten sich Berufsfeuerwehren aus Mezőkövesd, Mezőcsát, Füzesabony, Tiszaújváros, Szolnok und Eger. Der ungarische Rettungsdienst alarmierte 14 Rettungseinheiten. Feuerwehrkräfte gelangten unter anderem über die Fenster in den auf der Seite liegenden Bus und arbeiteten daran, eingeschlossene Menschen zu befreien.

Zwei schwere zivile Kräne wurden eingesetzt, um das Fahrzeug aus der Böschung zu heben und wieder auf die Räder zu stellen. Außerdem wurde für nicht unmittelbar im Krankenhaus behandelte Reisende ein beheizbarer Bus bereitgestellt. Ein gesicherter amtlicher Hinweis auf den Einsatz von Rettungshubschraubern unmittelbar an der Unfallstelle lag zunächst nicht vor.

M3 über Stunden vollständig gesperrt

Die Fahrbahn der M3 in Richtung Vásárosnamény beziehungsweise Nyíregyháza wurde am Unfallort vollständig gesperrt. Fahrzeuge mussten die Autobahn am Anschluss Mezőnagymihály/Mezőkeresztes verlassen. Als Rückkehrmöglichkeit auf die M3 wurde die Anschlussstelle Emőd genutzt.

Auch nach der Bergung des Busses am Sonntagmorgen blieb der betroffene Abschnitt wegen der Unfallaufnahme und der weiteren Arbeiten zunächst gesperrt. Die ungarische Katastrophenschutzbehörde meldete um 8.55 Uhr, dass die Strecke weiterhin nicht befahrbar sei. Damit dauerte die Vollsperrung zu diesem Zeitpunkt bereits fast acht Stunden. Eine verbindliche Uhrzeit für die vollständige Freigabe war am Sonntagvormittag zunächst nicht genannt worden.

Polizei ermittelt zur Ursache des Busunfalls

Warum der Reisebus die Fahrbahn verließ, ist noch nicht abschließend geklärt. Die ungarische Polizei teilte als vorläufige Annahme mit, der Fahrer könnte während der Fahrt eingeschlafen sein. Diese Darstellung ist bislang kein abschließendes Ermittlungsergebnis. Der Fahrer wurde nach Polizeiangaben in Gewahrsam genommen.

Die Ermittlungen sollen unter anderem klären, wie es zum Abkommen von der Fahrbahn kam. Weitere gesicherte Angaben zu möglichen technischen, gesundheitlichen oder anderen Ursachen lagen zunächst nicht vor.

Regierungen in Ungarn und Polen reagieren

Aus der ungarischen Regierung wurde den Familien der Verstorbenen Beileid ausgesprochen, verbunden mit Dank an die an der Rettung beteiligten Einsatzkräfte. Auch die polnische Regierung schaltete sich unmittelbar ein. Außenminister Radoslaw Sikorski erklärte, der konsularische Dienst arbeite mit den ungarischen Behörden zusammen.

Polens Präsident Karol Nawrocki äußerte sein Mitgefühl mit den Familien und Angehörigen. Ministerpräsident Donald Tusk sprach ebenfalls sein Beileid aus und dankte den ungarischen Rettungskräften für ihren Einsatz. Die polnischen Behörden und die Botschaft in Budapest koordinierten am Sonntag die Betreuung der Betroffenen und die weitere Unterstützung für die Reisenden.

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