
Borussia Dortmund hat das Geschäftsjahr 2025/26 mit einem Verlust von 21,7 Millionen Euro abgeschlossen. Trotz des deutlichen Minus sieht Geschäftsführer Carsten Cramer keinen wirtschaftlichen Zwang, wichtige Spieler zu verkaufen. Der BVB wolle seine Mannschaft möglichst zusammenhalten und bleibe auch für mögliche Verstärkungen im Winter handlungsfähig. Das erklärte Cramer am Sonntag, 1. November 2026, in der Fußballsendung Doppelpass bei SPORT1. Die Aussagen fallen in eine Phase, in der der börsennotierte Bundesligist seine Kostenstruktur verändert und die Abhängigkeit von Transfereinnahmen verringern möchte.
Der Verlust bei Borussia Dortmund ist durch die offiziellen Geschäftszahlen bestätigt. Für den Zeitraum vom 1. Juli 2025 bis zum 30. Juni 2026 weist der Konzern einen Jahresfehlbetrag von 21,718 Millionen Euro aus. Im vorherigen Geschäftsjahr hatte der BVB noch einen Überschuss von 6,497 Millionen Euro erzielt. Damit verschlechterte sich das Jahresergebnis innerhalb eines Jahres um rund 28,2 Millionen Euro.
Auch die Umsatzerlöse gingen deutlich zurück. Sie lagen bei rund 460,5 Millionen Euro nach 526 Millionen Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von etwa 65,6 Millionen Euro. Die Bruttokonzerngesamtleistung, bei der zusätzlich die realisierten Bruttotransferentgelte berücksichtigt werden, sank von 589,6 auf 537,2 Millionen Euro.
Gleichzeitig erwirtschaftete Borussia Dortmund aus Transfergeschäften ein positives Ergebnis von 59,3 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 37,8 Millionen Euro gewesen. Die Bruttotransfererlöse erreichten rund 76,8 Millionen Euro. Zu den Geschäften, die sich im Ergebnis niederschlugen, gehörte unter anderem der Wechsel von Jamie Gittens zum FC Chelsea. Das positive Transferergebnis konnte den Rückgang der übrigen Einnahmen jedoch nicht vollständig ausgleichen.
Als wesentlichen Grund für das Minus nennt Borussia Dortmund geringere Einnahmen aus den internationalen Wettbewerben. Besonders das frühe Ausscheiden aus der Champions League hatte wirtschaftliche Folgen. Während die Mannschaft im vorherigen Geschäftsjahr noch das Viertelfinale erreicht hatte, verpasste sie in der Saison 2025/26 das Achtelfinale.
Hinzu kam die zeitliche Verteilung der Einnahmen aus der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2025. Da das Turnier über zwei Geschäftsjahre hinweg stattfand, war ein Teil der Erlöse bereits im vorherigen Abschluss berücksichtigt worden. Die Einnahmen aus der TV-Vermarktung gingen insgesamt von 227,2 auf rund 168,4 Millionen Euro zurück. Das entspricht einem Minus von nahezu 58,8 Millionen Euro.
Eine gegenläufige Entwicklung gab es bei der Werbung. Die entsprechenden Umsätze stiegen von 153,6 auf 157,9 Millionen Euro. Der Verein konnte damit zwar zusätzliche Sponsoreneinnahmen erzielen, den Rückgang aus den internationalen Wettbewerben aber nicht kompensieren.
Parallel zum Umsatzrückgang hat Borussia Dortmund seine Ausgaben teilweise reduziert. Der gesamte Personalaufwand sank im Geschäftsjahr 2025/26 um rund 8,4 Millionen Euro auf 259,9 Millionen Euro. Davon entfielen etwa 193 Millionen Euro auf den Profikader. Im Vorjahr hatte dieser Posten noch bei rund 201,2 Millionen Euro gelegen.
Der Rückgang bei den Profis hängt laut Geschäftsbericht unter anderem mit niedrigeren erfolgsabhängigen Zahlungen und dem Wegfall bestimmter Einmaleffekte zusammen. Die festen Grundgehälter stiegen dagegen leicht. Auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen wurden deutlich reduziert. Sie verringerten sich um rund 17 Millionen Euro auf 145,4 Millionen Euro.
Bereits bei der Bilanzpressekonferenz im August hatte Cramer angekündigt, strukturelle wirtschaftliche Defizite konsequenter anzugehen. Im Mittelpunkt stehen dabei zusätzliche Einnahmen, geringere Kaderkosten und niedrigere Sachausgaben. Der Verein will seine wirtschaftliche Entwicklung damit weniger stark von einzelnen Transfergeschäften und sportlichen Erfolgen abhängig machen.
Die finanziellen Verluste sollen nach Darstellung des Geschäftsführers nicht automatisch zu einem größeren Umbau der Mannschaft führen. Cramer erklärte im SPORT1-Doppelpass, er sei sehr zuversichtlich, dass Borussia Dortmund den Kader im kommenden Sommer zusammenhalten könne. Der Verein sei wirtschaftlich gesund und arbeite daran, Spieler nicht allein aus finanzieller Notwendigkeit abgeben zu müssen.
Grundsätzlich schloss Cramer weitere Verkäufe allerdings nicht aus. Wenn sich wirtschaftlich attraktive Möglichkeiten ergeben, werde der BVB diese prüfen. Entscheidend sei, dass solche Entscheidungen zur sportlichen Entwicklung des Vereins passen. Die regelmäßige Abgabe von Leistungsträgern solle keine wirtschaftliche Verpflichtung darstellen.
Zugleich bekräftigte der Geschäftsführer das bisherige Dortmunder Geschäftsmodell. „Wir werden immer der Verein sein, der Spieler entwickelt“, erklärte Cramer. Dazu gehöre auch, dass einzelne Profis ihre Laufbahn später bei anderen Klubs fortsetzen. Borussia Dortmund wolle Spieler jedoch möglichst lange halten und ihnen eine überzeugende sportliche Perspektive bieten.
Auch zur kommenden Wintertransferperiode äußerte sich Cramer. Eine Verpflichtung neuer Spieler sagte er nicht zu. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Verein einen möglichen Bedarf prüfen und gegebenenfalls auf dem Transfermarkt reagieren könne. Den bestehenden Kader bewertete der Geschäftsführer als sehr gut aufgestellt.
Damit gibt es weiterhin keine verbindliche Ankündigung für einen Wintertransfer. Ebenso wenig bestätigte Cramer konkrete geplante Abgänge oder Verpflichtungen. Seine Aussagen beziehen sich vor allem auf die wirtschaftliche Möglichkeit, bei sportlichem Bedarf tätig zu werden. Eine unmittelbare Verpflichtung zu zusätzlichen Investitionen lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Aussagen verdeutlichen zugleich einen Unterschied zwischen der grundsätzlichen Transferstrategie und der aktuellen Finanzlage. Borussia Dortmund will weiterhin Spieler entwickeln und bei passenden Angeboten auch verkaufen. Nach Darstellung der Geschäftsführung soll der Verein dabei jedoch möglichst selbst entscheiden können, wann ein Transfer sportlich und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Trotz des Verlusts sieht die Vereinsführung die finanzielle Grundlage von Borussia Dortmund weiterhin als stabil an. Bei der Bilanzpressekonferenz im August verwies Finanzgeschäftsführer Thomas Treß auf ein Eigenkapital von rund 300 Millionen Euro und eine Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent. Außerdem seien im abgelaufenen Geschäftsjahr keine neuen Finanzschulden aufgenommen worden.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 hatte Borussia Dortmund im August ein Konzernergebnis zwischen null und zehn Millionen Euro prognostiziert. Diese Erwartung ist allerdings von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu gehören die sportliche Entwicklung sowie mögliche Transfergeschäfte. Im Geschäftsbericht rechnet der Verein weiterhin mit einem Ergebnisbeitrag aus Spielerverkäufen.
Für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/26 ist aufgrund des negativen Jahresergebnisses keine Dividendenausschüttung vorgesehen. Die ordentliche Hauptversammlung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ist für Montag, 23. November 2026, um 11 Uhr angesetzt. Dort stehen unter anderem der Jahresabschluss und die wirtschaftliche Entwicklung des börsennotierten Fußballunternehmens im Mittelpunkt.
Die Aussagen von Carsten Cramer geben damit die wirtschaftliche Richtung vor: Borussia Dortmund will die laufenden Ausgaben stärker kontrollieren, die Einnahmebasis verbreitern und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit seiner Mannschaft erhalten. Ob im kommenden Winter tatsächlich neue Spieler verpflichtet werden, ist bislang offen. Ein durch den Jahresverlust erzwungener Ausverkauf gehört nach Darstellung des Geschäftsführers jedenfalls nicht zur aktuellen Planung.
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