BYD verdient wieder mehr, doch der Heimatmarkt bremst

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der chinesische Autobauer BYD hat nach mehreren schwachen Quartalen beim Gewinn wieder zugelegt. Im zweiten Quartal 2026 lag der auf die Anteilseigner entfallende Nettogewinn bei rund 8,24 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 1,2 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Anstieg von knapp 30 Prozent. Gleichzeitig ging der Umsatz weiter zurück. Die Entwicklung zeigt, wie stark BYD inzwischen vom wachsenden Auslandsgeschäft profitiert, während der chinesische Heimatmarkt unter schwacher Nachfrage und intensivem Wettbewerb leidet.

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Der BYD Halbjahresbericht 2026 weist für die ersten sechs Monate einen Konzernumsatz von 344,815 Milliarden Yuan aus. Das waren 7,13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der auf die Eigentümer der Muttergesellschaft entfallende Gewinn lag bei 12,325 Milliarden Yuan und damit 20,54 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Bruttogewinn sank dagegen nur um 2,81 Prozent auf 64,989 Milliarden Yuan. Dadurch verbesserte sich die Bruttomarge von 18,01 auf 18,85 Prozent. BYD führt den Anstieg vor allem auf das wachsende Geschäft mit Fahrzeugen außerhalb Chinas zurück.

Zweites Quartal besser als der schwache Jahresauftakt

Das zweite Quartal stellt damit eine deutliche Verbesserung gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres dar. Im ersten Quartal lag der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn lediglich bei 4,085 Milliarden Yuan und damit 55,38 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Umsatz war im gleichen Zeitraum um 11,82 Prozent auf 150,225 Milliarden Yuan zurückgegangen.

Aus den Halbjahreszahlen und dem zuvor veröffentlichten Quartalsbericht ergibt sich für April bis Juni ein Umsatz von rund 194,6 Milliarden Yuan. Das waren etwa 3,2 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2025. Der Nettogewinn lag bei rund 8,24 Milliarden Yuan und stieg damit um knapp 30 Prozent. Es war laut Reuters der erste Anstieg des Quartalsgewinns nach vier Quartalen mit rückläufigen Ergebnissen.

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Die Verbesserung fiel allerdings geringer aus als von mehreren großen Banken erwartet. Reuters hatte vor Veröffentlichung Schätzungen von Morgan Stanley, UBS, Citi, Deutsche Bank und CMBI ausgewertet. Im Durchschnitt liefen diese Prognosen auf einen Anstieg des Quartalsgewinns um rund 48 Prozent hinaus. Dabei handelt es sich um Analystenschätzungen und nicht um eine Prognose des Unternehmens selbst.

An der Börse überwogen nach der Veröffentlichung zunächst die Vorbehalte wegen des rückläufigen Halbjahresergebnisses. Die in Hongkong gehandelten BYD-Aktien verloren am Montag, 31. August 2026, nach Bekanntgabe der Zahlen am vorherigen Freitag zeitweise mehr als vier Prozent. Andere Marktdaten wiesen im Handelsverlauf einen Rückgang von rund fünf Prozent aus. Die Bewegung bezog sich auf die H-Aktie von BYD an der Hong Kong Stock Exchange und auf den Schlusskurs beziehungsweise Handelsverlauf gegenüber dem vorherigen Handelstag.

Auslandsgeschäft wird zum wichtigsten Wachstumstreiber

Besonders deutlich verschiebt sich das Geschäft von BYD geografisch. In der ersten Jahreshälfte exportierte der Konzern nach eigenen Angaben unter Berufung auf Daten des chinesischen Herstellerverbands CAAM rund 792.000 Fahrzeuge. Das waren 67,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Reuters errechnete aus den monatlichen BYD-Verkaufsdaten, dass die Auslandsverkäufe inzwischen etwa 44 Prozent des gesamten Fahrzeugabsatzes ausmachen. Beim Konzernumsatz war der Anteil des Auslandsgeschäfts bereits noch größer. Rund 53 Prozent der Erlöse wurden im ersten Halbjahr außerhalb Chinas erzielt. Die Bruttomarge des internationalen Geschäfts lag Reuters zufolge bei rund 22 Prozent und damit 1,9 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Der Trend setzte sich nach Ende des Berichtszeitraums fort. Im August verkaufte BYD weltweit 440.293 Fahrzeuge, 17,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslandsverkäufe legten dabei um 134,5 Prozent auf 189.466 Fahrzeuge zu. Damit wurde das Wachstum erneut überwiegend außerhalb Chinas erzielt.

BYD selbst beschreibt Europa, Lateinamerika, den asiatisch-pazifischen Raum sowie den Nahen Osten und Afrika als zentrale Wachstumsmärkte. Das Geschäft mit Elektroautos und Plug-in-Hybriden erstreckte sich zum Ende des ersten Halbjahres nach Unternehmensangaben auf 121 Länder und Regionen.

Chinas Automarkt setzt BYD weiter unter Druck

Dem Auslandserfolg steht ein schwieriges Umfeld im größten Automarkt der Welt gegenüber. BYD beschreibt die chinesische Branche im Halbjahresbericht als von schwacher Inlandsnachfrage und starkem Exportwachstum geprägt. Nach Daten des chinesischen Herstellerverbands gingen die gesamten Pkw- und Nutzfahrzeugverkäufe in China im ersten Halbjahr um 4,1 Prozent auf rund 15,02 Millionen Fahrzeuge zurück.

Bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben entwickelte sich der Gesamtmarkt dagegen weiter positiv. Die Verkäufe von sogenannten New Energy Vehicles, zu denen in China reine Elektroautos und Plug-in-Hybride zählen, stiegen im ersten Halbjahr um 7,3 Prozent auf 7,446 Millionen Einheiten. Gleichzeitig verschärfte sich der Wettbewerb zwischen den Herstellern. BYD verweist selbst auf zahlreiche neue Modelle und Marken sowie steigende Kosten für Rohstoffe, Halbleiter und andere Vorprodukte.

Hinzu kommen aggressive Preisstrategien zahlreicher chinesischer Hersteller. Der Wettbewerb wird nicht mehr allein über Reichweite, Batterie- und Softwaretechnik geführt, sondern zunehmend auch über Verkaufspreise, Ausstattung und kurze Modellzyklen. Für BYD ist das besonders relevant, weil das Unternehmen über Jahre einen großen Teil seines Volumens mit vergleichsweise preisgünstigen Fahrzeugen im chinesischen Massenmarkt aufgebaut hat.

Die chinesische Regierung versucht inzwischen, besonders aggressive Formen des Wettbewerbs einzudämmen. Neue Leitlinien für Autohersteller fordern unter anderem nachvollziehbare, an Kosten und Marktbedingungen orientierte Preisstrategien. Die Regeln betreffen inzwischen auch die Expansion chinesischer Hersteller im Ausland.

Europa soll Produktion und Absatz zugleich absichern

Europa nimmt in BYDs Internationalisierungsstrategie eine besondere Rolle ein. Der Konzern verkauft dort nicht nur zunehmend mehr Fahrzeuge, sondern baut zugleich eigene Produktionskapazitäten auf. Die neue Fabrik im ungarischen Szeged soll nach Angaben von BYD-Managerin Stella Li im vierten Quartal 2026 mit der Fahrzeugproduktion beginnen. Zunächst soll dort unter anderem der elektrische Kleinwagen Dolphin Surf gefertigt werden.

Die Produktion in der Europäischen Union ist strategisch wichtig, weil lokal hergestellte Fahrzeuge nicht unter die zusätzlichen EU-Ausgleichszölle für in China produzierte batterieelektrische Autos fallen. BYD sucht außerdem nach einem zweiten Produktionsstandort in Europa. Ein ursprünglich angekündigtes Milliardenprojekt in der Türkei wurde dagegen nach Angaben von Li zunächst zurückgestellt. Ein neuer Zeitplan war im Juni nicht genannt worden.

Die Absatzbasis für eine stärkere lokale Fertigung wächst. BYDs Verkäufe in Europa waren 2025 nach Reuters-Angaben um 270 Prozent auf knapp 188.000 Fahrzeuge gestiegen. Von Januar bis Mai 2026 lag das Plus bei 144 Prozent, die Stückzahl überschritt in diesem Zeitraum 100.000 Fahrzeuge. Branchenzahlen von JATO zeigen zugleich, dass BYD im Juni allein rund 38.300 batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride in Europa registrierte und sein Volumen damit nahezu verdoppelte.

Das Umfeld bietet weiteres Wachstumspotenzial. In der Europäischen Union lag der Anteil batterieelektrischer Autos an allen Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2026 bei 20,7 Prozent nach 15,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. Plug-in-Hybride kamen auf weitere 9,8 Prozent.

Für BYD ergibt sich damit ein zunehmend zweigeteiltes Bild. Der Heimatmarkt bleibt groß und technologisch entscheidend, belastet das Unternehmen aber durch schwächere Nachfrage und hohen Wettbewerbsdruck. Das Ausland liefert dagegen wachsende Stückzahlen und höhere Margen. Der wieder gestiegene Quartalsgewinn zeigt, dass diese Internationalisierung bereits einen messbaren Beitrag leistet. Gleichzeitig verdeutlicht der Rückgang von Umsatz und Gewinn im gesamten ersten Halbjahr, dass das Auslandsgeschäft die Probleme in China bislang noch nicht vollständig ausgleichen kann.

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