Cannabisbranche unter Druck: Insolvenzen treffen Hersteller und Apotheken

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Cannabisbranche in Deutschland steht vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Mehrere Unternehmen haben in den vergangenen Monaten Insolvenzverfahren eingeleitet oder entsprechende Anträge angekündigt. Betroffen sind Anbieter von medizinischem Cannabis, Unternehmen aus dem Hanfgeschäft und eine spezialisierte Apotheke. Während die Preise für Cannabisblüten sinken, verschärfen gesetzliche Änderungen und Finanzierungsschwierigkeiten die Situation einzelner Marktteilnehmer.

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Synbiotic kündigt Insolvenzantrag an

Zu den bekanntesten betroffenen Unternehmen gehört die börsennotierte Synbiotic SE. Die auf medizinisches Cannabis und Industriehanf spezialisierte Unternehmensgruppe kündigte am 16. Oktober 2026 an, beim Amtsgericht Münster die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen zu wollen.

Als Gründe nannte Synbiotic die schwierige Marktlage und eine nicht rechtzeitig gesicherte Finanzierung. Zudem habe die Hauptversammlung der Schaffung neuer Kapitalmöglichkeiten nicht zugestimmt. Ob das Gericht inzwischen ein Insolvenzverfahren eröffnet hat, war zunächst nicht bestätigt.

Bereits zuvor waren mehrere Tochtergesellschaften in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Für die SOLIDMIND Group GmbH und die Lean Labs Pharma GmbH ordnete das Amtsgericht Münster im August vorläufige Sicherungsmaßnahmen an. Synbiotic hatte Umsatzrückgänge bei CBD- und Hanfprodukten sowie rechtliche Unsicherheiten als Ursachen genannt.

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Bei der ebenfalls zur Gruppe gehörenden Hempro International GmbH wurde das Insolvenzverfahren nach einer gerichtlichen Bekanntmachung am 1. September 2026 eröffnet.

Weitere Insolvenzverfahren in der Cannabisbranche

Auch der deutsche Hanfprodukteanbieter Cannameleon GmbH ist betroffen. Das Amtsgericht Würzburg eröffnete am 19. Oktober 2026 das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Das Unternehmen ist im Handel und in der Herstellung legaler Hanfprodukte tätig. Zu den konkreten wirtschaftlichen Ursachen lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.

Eine weitere Insolvenz betrifft den niederländischen Medizinalcannabisproduzenten Bedrocan. Für die Gesellschaften Bedrocan International B.V. und Bedrocan Nederland B.V. wurden Anfang Oktober Insolvenzentscheidungen veröffentlicht.

Der Fall hat auch Bedeutung für Deutschland, weil der Hersteller seit Jahren medizinische Cannabisblüten für den deutschen Markt produziert. Bedrocan bestätigte, dass die laufenden Aktivitäten zunächst fortgesetzt würden.

Bei Bedrocan spielt allerdings eine andere Entwicklung eine Rolle als bei Synbiotic. In den Niederlanden endete Anfang 2026 ein langjähriger Liefervertrag mit der staatlichen Stelle für medizinisches Cannabis. Dadurch veränderte sich die wirtschaftliche Grundlage des bisherigen Geschäftsmodells.

Cannabis-Apotheke durch Gesetzesänderung betroffen

Neben Herstellern und Händlern geriet auch die auf medizinisches Cannabis spezialisierte Apotheke Lux 99 in Hürth in finanzielle Schwierigkeiten.

Der Betrieb bestätigte im Oktober eine Insolvenz und erklärte, die Apotheke in Eigenverwaltung fortführen zu wollen. Als wesentlichen Grund nannte die Betreiberseite den Wegfall der Erstattung von Cannabisblüten durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Die Apotheke hatte sich auf die Versorgung von Patienten mit medizinischem Cannabis spezialisiert. Nach eigenen Angaben führte der Wegfall eines erheblichen Umsatzanteils zu Personalabbau.

Hintergrund ist das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das am 30. Juli 2026 in Kraft trat. Seitdem können getrocknete Cannabisblüten nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Bestimmte Cannabisextrakte sowie Arzneimittel mit Dronabinol oder Nabilon bleiben unter den gesetzlichen Voraussetzungen erstattungsfähig.

Sinkende Cannabispreise belasten die Gewinnspannen

Parallel zu den regulatorischen Veränderungen steht der Markt für medizinische Cannabisblüten unter erheblichem Preisdruck.

Eine Auswertung der Cannabisplattform Bloomwell bezifferte den durchschnittlichen Gramm-Preis innerhalb ihres ausgewerteten Angebots im zweiten Quartal 2026 auf rund vier Euro. Die Zahlen beziehen sich auf die untersuchten Plattformdaten und bilden nicht sämtliche Verkäufe in Deutschland ab.

Für Patienten, die ihre Medikamente selbst bezahlen, bedeuten sinkende Verkaufspreise zunächst geringere Kosten. Für Anbieter können sie dagegen die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen.

Der Verband der Cannabis-versorgenden Apotheken (VCA) warnt insbesondere vor sinkenden Gewinnspannen im Selbstzahlermarkt. Die aufwendige pharmazeutische Bearbeitung von Cannabisblüten lasse sich bei niedrigen Verkaufspreisen zunehmend schwieriger finanzieren. Der Verband fordert außerdem eine rechtliche Klärung der Preisgestaltung.

Ob der Preisverfall bei den einzelnen insolventen Unternehmen tatsächlich ausschlaggebend war, ist allerdings nicht in jedem Fall belegt. Bei Synbiotic stehen nach Unternehmensangaben vor allem Finanzierungsschwierigkeiten und die allgemeine Marktlage im Vordergrund.

Weitere Regulierung für medizinisches Cannabis geplant

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die geplante Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes.

Die Bundesregierung will die Verschreibung medizinischer Cannabisblüten stärker an persönliche Arztkontakte binden. Außerdem sieht der Gesetzentwurf Einschränkungen beim Versandhandel vor. Der Botendienst von Apotheken soll weiterhin möglich bleiben.

Nach dem bisherigen Verfahrensstand war diese Reform am 27. Oktober 2026 noch nicht in Kraft. Anders als der bereits geltende Ausschluss von Cannabisblüten aus der gesetzlichen Kassenerstattung handelt es sich dabei weiterhin um geplante Änderungen.

Das Bundesgesundheitsministerium begründet die geplanten Einschränkungen unter anderem mit dem starken Anstieg der Importe und der zunehmenden Nutzung privat finanzierter Cannabisrezepte. Im ersten Halbjahr 2025 seien die Importe gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum von rund 19 auf rund 80 Tonnen gestiegen.

Die Branche steht vor einer Neuordnung

Die Entwicklungen verdeutlichen unterschiedliche wirtschaftliche Probleme innerhalb der Cannabiswirtschaft. Während einzelne Unternehmen unter rückläufigen Umsätzen und fehlendem Kapital leiden, treffen neue Erstattungsregeln vor allem Anbieter, deren Geschäftsmodelle auf gesetzlich versicherte Patienten ausgerichtet waren.

Hinzu kommt der internationale Wettbewerb. Ausländische Produzenten beliefern den deutschen Markt mit medizinischem Cannabis und stehen ebenfalls unter dem Druck veränderter Preise und Absatzbedingungen.

Die Insolvenzen bedeuten jedoch nicht, dass die gesamte Branche wirtschaftlich zusammenbricht. Auch weiterhin investieren Unternehmen in Produktionskapazitäten und den Vertrieb von Medizinalcannabis. Wie stark sich der Markt konsolidiert, hängt unter anderem von der weiteren Preisentwicklung und den regulatorischen Rahmenbedingungen ab.

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