
Caren Miosga am 23. August 2026 steht am Sonntagabend ganz im Zeichen der Debatte über den Umgang mit der AfD. Die politische Gesprächssendung beginnt um 21.45 Uhr im Ersten und dauert nach Angaben der ARD 60 Minuten. Unter dem Thema Ist die Brandmauer noch zu halten diskutiert Moderatorin Caren Miosga mit dem CDU-Politiker Armin Laschet, dem Schauspieler Christian Friedel, der Journalistin Valerie Schönian und dem Politikwissenschaftler Christian Stecker. Ausgangspunkt ist vor allem die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, vor der die AfD in Umfragen deutlich vor der CDU liegt.
Die ARD hat vier Gäste für die Ausgabe am Sonntag bestätigt. Armin Laschet sitzt seit vielen Jahren für die CDU im Bundestag, war Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und von 2021 bis 2022 Bundesvorsitzender seiner Partei. Der NDR beschreibt Laschets Position gegenüber der AfD als Ablehnung einer Zusammenarbeit oder Regierungsbeteiligung bei gleichzeitigem Eintreten für einen fairen parlamentarischen Umgang.
Daneben nimmt Christian Friedel an der Diskussion teil. Der Schauspieler unterstützt die Initiative Wahre Heimatliebe ist und beschäftigt sich nach Darstellung des NDR mit den möglichen gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Folgen der politischen Entwicklung in Sachsen-Anhalt.
Valerie Schönian arbeitet als Journalistin für die ZEIT und beobachtet den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Nach Angaben des NDR soll sie in der Sendung unter anderem einordnen, welche Themen Wählerinnen und Wähler beschäftigen und warum die AfD dort von einem Teil der Bevölkerung als politische Alternative zu den etablierten Parteien wahrgenommen wird.
Vierter Gast ist Christian Stecker, Politikwissenschaftler an der Technischen Universität Darmstadt. Stecker beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Parteiensystem und insbesondere mit den politischen Mehrheitsverhältnissen in Ostdeutschland. Er hält eine starre Abgrenzungsstrategie nach eigener Darstellung für problematisch und spricht sich für flexiblere parlamentarische Mehrheiten aus. Das kann nach seiner Position auch bedeuten, dass bei einzelnen Sachentscheidungen Stimmen der AfD Teil einer Mehrheit sind. Eine feste Koalition mit der AfD fordert er damit nicht.
Die ARD stellt die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in den Mittelpunkt. Nach der Senderankündigung könnte die AfD dort mehr als 40 Prozent erreichen. Die CDU liegt in den derzeitigen Erhebungen deutlich dahinter. Damit stellt sich für die anderen Parteien zunehmend die Frage, welche Regierungsmehrheiten nach der Wahl überhaupt möglich wären.
Caren Miosga will deshalb mit ihren Gästen darüber sprechen, ob die Entwicklung in Sachsen-Anhalt auch Hinweise auf Veränderungen im deutschen Parteiensystem insgesamt liefert. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage, ob die politische Abgrenzung zur AfD deren Aufstieg begrenzt oder ob sie nach Auffassung ihrer Kritiker sogar dazu beiträgt, dass die Partei ihren Status als Außenseiter bewahren kann.
Die Sendung beginnt um 21.45 Uhr unmittelbar nach dem Sonntagskrimi im Ersten und endet planmäßig um 22.45 Uhr. Danach folgen die Tagesthemen. In der ARD Mediathek ist die Sendung im Programm für diesen Sendeplatz aufgeführt. Vor der Fernsehausstrahlung steht die konkrete Ausgabe noch nicht als Abrufvideo bereit. Frühere Ausgaben von Caren Miosga werden nach ihrer Ausstrahlung regelmäßig als vollständige Videos in der ARD Mediathek angeboten.
Der Begriff Brandmauer ist kein juristischer oder parlamentarischer Fachbegriff. In der politischen Debatte bezeichnet er die bewusste Abgrenzung demokratischer Parteien von einer Zusammenarbeit mit der AfD. Je nach Partei und Politiker wird allerdings unterschiedlich verstanden, wie weit diese Abgrenzung reichen soll.
Unstrittiger ist die Bedeutung bei Koalitionen und formellen politischen Bündnissen. Schwieriger wird die Abgrenzung bei Gesprächen zwischen Fraktionen, gemeinsamen parlamentarischen Initiativen oder Abstimmungen, bei denen ein Antrag auch durch Stimmen der AfD eine Mehrheit erhält.
Gerade diese Unterschiede bestimmen seit Jahren die Debatte innerhalb der Union. Ein Teil der CDU versteht die Abgrenzung sehr weit und will auch den Eindruck vermeiden, politische Vorhaben von AfD-Stimmen abhängig zu machen. Andere CDU-Politiker unterscheiden stärker zwischen einer institutionellen Zusammenarbeit und dem normalen parlamentarischen Umgang mit einer gewählten Fraktion.
Die formale Grundlage der CDU stammt weiterhin vom Bundesparteitag im Dezember 2018. Damals beschloss die Partei, Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linkspartei abzulehnen. Präsidium und Bundesvorstand bekräftigten die Abgrenzung zur AfD 2019 und nach der Regierungskrise in Thüringen Anfang 2020 erneut.
Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender Friedrich Merz hält an dieser Beschlusslage fest. Bei seiner Sommerpressekonferenz am 15. Juli 2026 verwies Merz ausdrücklich auf die geltenden Parteitagsbeschlüsse und erklärte, er habe keinen Anlass anzunehmen, dass diese nicht eingehalten würden. Eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD lehnt Merz ab.
Auch CSU-Chef Markus Söder vertritt diese Position. Im ZDF-Sommerinterview Ende Juli warnte der bayerische Ministerpräsident davor, die Union für eine Zusammenarbeit mit der AfD zu öffnen. Nach Söders Darstellung würde ein solcher Kurs die Union erheblich spalten. Die CSU hatte bereits zuvor erklärt, eine Zusammenarbeit mit der AfD auf allen politischen Ebenen abzulehnen.
Innerhalb der CDU gibt es zugleich Stimmen, die den Begriff Brandmauer für ungeeignet halten. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte dem Handelsblatt im Juli, man müsse mit jedem reden, der zu Gesprächen bereit sei. Nach seiner Auffassung passen starre Abgrenzungsbegriffe nicht zu den schwieriger werdenden Mehrheitsverhältnissen insbesondere in den ostdeutschen Landtagen.
Kretschmer hat allerdings ebenfalls erklärt, dass er die AfD politisch ablehnt. Seine Position richtet sich deshalb vor allem gegen eine vollständige Gesprächsverweigerung und weniger auf eine formelle Koalition mit der Partei.
Ähnlich äußerte sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze kurz vor der Wahl in seinem Bundesland. Schulze sagte im Politico-Podcast Berlin Playbook, die Debatte um die Brandmauer sei für den CDU-Wahlkampf teilweise nicht hilfreich gewesen. Den Begriff verwendet er nach eigener Aussage nicht. Zugleich erklärte er in der MDR-Wahlarena ausdrücklich, dass er keine Zusammenarbeit mit der AfD beabsichtige.
Damit verläuft ein Teil des Konflikts innerhalb der CDU nicht nur entlang der Frage Kooperation oder Nichtkooperation. Umstritten ist auch, ob der Begriff Brandmauer selbst noch geeignet ist und wie mit der AfD im parlamentarischen Alltag umgegangen werden soll.
Auch Armin Laschet, der am Sonntag bei Caren Miosga zu Gast ist, unterscheidet zwischen politischer Zusammenarbeit und parlamentarischem Umgang. Nach der Darstellung des NDR lehnt Laschet sowohl eine Regierungsbeteiligung als auch eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Zugleich plädiert er dafür, die Partei im Parlament nicht außerhalb der üblichen demokratischen Verfahren zu behandeln.
Den Erfolg der AfD führt Laschet nach der NDR-Ankündigung unter anderem auf Vertrauensverluste gegenüber den etablierten Parteien, wirtschaftliche Unsicherheit und das Gefühl mancher Bürger zurück, von der Politik nicht ausreichend verstanden zu werden. Seine Schlussfolgerung ist, dass die Parteien der politischen Mitte konkrete Probleme lösen und ihre Entscheidungen besser erklären müssten.
Die AfD selbst fordert seit Langem ein Ende der Abgrenzung. AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla erklärte am 13. August, die Brandmauer halte seine Partei insbesondere in Ostdeutschland von Regierungsverantwortung fern. Er verwies dabei ausdrücklich auf die Aussagen Michael Kretschmers und forderte eine stärkere Einbindung der AfD in politische Entscheidungen.
Vertreter anderer Parteien halten eine klare Abgrenzung dagegen weiterhin für notwendig. Der Linken-Vorsitzende Luigi Pantisano erklärte im Juni, politische Gegner innerhalb des demokratischen Spektrums müssten von Kräften unterschieden werden, die aus seiner Sicht demokratische Strukturen infrage stellten. Er würdigte dabei ausdrücklich diejenigen in der CDU, die für eine klare Abgrenzung zur AfD eintreten.
Auch aus der SPD kommt Kritik an einer möglichen Annäherung. SPD-Politiker Ralf Stegner widersprach Michael Kretschmers Vorstoß für Gespräche mit allen Parteien und warnte vor einem politischen Arrangement mit der AfD. SPD-Chef Lars Klingbeil erklärte im August zugleich, er glaube Friedrich Merz dessen Aussage, dass die CDU keine Zusammenarbeit mit der AfD anstrebe.
Die Diskussion bei Caren Miosga trifft damit auf eine politische Lage, in der die offizielle Position von CDU und CSU weiterhin eindeutig gegen eine Kooperation mit der AfD gerichtet ist, während innerhalb der Union über Reichweite, Begrifflichkeit und parlamentarische Praxis gestritten wird. Zusätzlichen Druck erhält diese Debatte durch die bevorstehenden Landtagswahlen im Osten und die dortigen Mehrheitsverhältnisse.
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