Cessna fliegt Richtung Paks: Zwei Gripen starten in Ungarn

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Ein ungewöhnlicher Flug mit einer entwendeten Kleinmaschine hat in Ungarn einen Einsatz der Luftwaffe ausgelöst. Ein 24 Jahre alter Mann soll am Samstagmorgen, 29. August, vom Flugplatz Kalocsa mit einer Cessna 172 ohne Erlaubnis gestartet und anschließend in Richtung Paks geflogen sein. Dort befindet sich Ungarns einziges kommerzielles Kernkraftwerk. Die ungarischen Streitkräfte ließen ein Paar Gripen-Kampfjets aufsteigen. Wenig später endete der Flug mit einer Notlandung auf einem Feld bei Gerjen. Der Mann wurde festgenommen und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

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Cessna landet in einem Sonnenblumenfeld

Der Vorfall begann am Samstagmorgen auf dem Flugplatz von Kalocsa im Süden Ungarns. Nach den Ermittlungen nahm der 24-Jährige dort eine Cessna 172 an sich und hob ohne Genehmigung ab. Die Maschine flog anschließend in Richtung Paks.

Der Flug endete bei Gerjen im Komitat Tolna. Dort setzte der Mann die Cessna auf einem Sonnenblumenfeld auf. Anschließend ließ er das Flugzeug zurück und bewegte sich in Richtung der Straße 512. Wenig später nahmen Polizisten den 24-Jährigen in der Nähe fest.

Nach den ersten Angaben der Polizei war der Mann alkoholisiert. Ob er zusätzlich unter dem Einfluss anderer Substanzen stand, wurde untersucht. Zu seinen Beweggründen gab es zunächst keine gesicherten Angaben.

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Nach der Landung kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Ein Autofahrer hatte angehalten, um Hilfe anzubieten. Der 24-Jährige soll daraufhin in das Fahrzeug gestiegen sein und versucht haben, damit wegzufahren. Dies wurde verhindert. Dieser Teil des Geschehens ist inzwischen ebenfalls Gegenstand des Strafverfahrens.

Gripen-Paar steigt wegen Flug Richtung Paks auf

Besondere Bedeutung erhielt der Vorfall durch die Flugrichtung der Cessna. Paks liegt an der Donau und beherbergt das einzige kommerzielle Kernkraftwerk Ungarns. Die vier Reaktorblöcke haben zusammen eine Leistung von rund 2.000 Megawatt und erzeugen annähernd die Hälfte des in Ungarn produzierten Stroms.

Rund um die Anlage besteht deshalb eine dauerhaft gesperrte Zone für den zivilen Luftverkehr. Sie umfasst einen Kreis mit einem Radius von drei Kilometern um das Kernkraftwerk und reicht vom Boden bis in eine Höhe von knapp sechs Kilometern.

Die militärische Radarüberwachung registrierte den unerlaubten Flug. Daraufhin stieg das in Bereitschaft befindliche Gripen-Paar der ungarischen Luftwaffe auf. Nach der Notlandung lokalisierten die Kampfflugzeuge die beschädigte Cessna und blieben über dem Gebiet, bis Rettungskräfte am Boden und ein Rettungshubschrauber eingetroffen waren.

Von einem Abfangen der Cessna durch die Kampfjets in der Luft ist in der offiziellen Darstellung nicht die Rede. Die Kleinmaschine befand sich bereits am Boden, als die Gripen sie lokalisierten.

Im zunächst veröffentlichten Bericht des Verteidigungsministeriums war lediglich davon die Rede, dass der Mann mit der Maschine in Richtung Paks geflogen sei. Im anschließenden Haftverfahren wurde der Vorwurf konkreter. Nach der dort zugrunde gelegten Verdachtslage soll die Cessna auch in den Luftraum des Kernkraftwerks eingeflogen sein.

Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Anlage gezielt angesteuert werden sollte. Hinweise auf ein entsprechendes Motiv wurden bislang nicht bekannt. Die genauen Hintergründe des Fluges blieben zunächst offen.

Gericht ordnet Untersuchungshaft für einen Monat an

Nach der Festnahme nahmen die Ermittler den 24-Jährigen in Gewahrsam. Am Montag, 31. August, ordnete das zuständige Gericht in Szekszárd auf Antrag der Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft für einen Monat an.

Das Strafverfahren betrifft derzeit den Verdacht der unbefugten Wegnahme eines Fahrzeugs sowie den Versuch eines Raubes. Der zweite Vorwurf steht im Zusammenhang mit dem Auto, mit dem der Mann nach der Notlandung den Ort verlassen haben soll. Darüber hinaus prüfen die Ermittler mögliche weitere Straftaten aus dem Bereich des Verkehrsrechts.

Damit ist auch die rechtliche Aufarbeitung des eigentlichen Fluges noch nicht abgeschlossen. Welche zusätzlichen Vorwürfe sich aus dem unerlaubten Start, dem Flug und einem möglichen Eindringen in den gesperrten Luftraum ergeben könnten, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Eine Verurteilung liegt nicht vor. Für den 24-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung.

Behörden kündigen Kontrollen an weiteren Flugplätzen an

Der Fall hat über das Strafverfahren hinaus Folgen für die Sicherheitsbehörden. Polizei und Luftfahrtbehörde leiteten unmittelbar nach dem Vorfall eine gemeinsame Kontrolle auf dem Flugplatz Kalocsa ein. Entsprechende Überprüfungen sollen auch auf weiteren Flugplätzen des Landes folgen.

Damit richtet sich der Blick auch darauf, wie eine unbefugte Person Zugang zu einer Kleinmaschine erhalten und mit ihr starten konnte. Zu möglichen Versäumnissen auf dem Flugplatz oder konkreten Änderungen der Sicherheitsvorkehrungen lagen zunächst keine abschließenden Angaben vor.

Der Vorfall zeigt zugleich, welche Maßnahmen bei einem nicht genehmigten Flug in der Nähe eines besonders geschützten Objekts ausgelöst werden können. Die Cessna wurde von der militärischen Luftraumüberwachung erkannt, die Bereitschaftsjäger wurden alarmiert und die Behörden übernahmen nach der Notlandung die Ermittlungen.

Ungeklärt bleibt vor allem, warum der 24-Jährige die Maschine nahm und weshalb sein Flug in Richtung Paks führte. Dass das Kernkraftwerk selbst sein Ziel gewesen sei, ist bislang nicht belegt.

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