
Spanische Sicherheitskräfte haben in Ceuta einen Strandbereich geräumt, der nach der außergewöhnlich hohen Zahl von Grenzübertritten Ende Juli zu einem provisorischen Aufenthaltsort für Tausende Menschen geworden war. Polizei und Guardia Civil begannen am Donnerstag, 20. August, am Strand El Trampolín damit, Menschen aus den improvisierten Unterkünften in neu eingerichtete Aufnahmebereiche zu bringen.
Über die genaue Zahl der Menschen am Strand liegen unterschiedliche Angaben vor. Nach Angaben der Regierungsvertretung in Ceuta wurden am Donnerstag mehr als 1.200 Menschen in neue Unterkünfte gebracht. Die Nachrichtenagentur EFE bezifferte die Zahl der an diesem Tag umgesiedelten Personen auf rund 1.700. Andere Angaben aus dem Umfeld der Sicherheitskräfte gingen davon aus, dass sich zuvor bis zu etwa 4.000 Menschen in dem weitläufigen Strandbereich und dessen Umgebung aufgehalten hatten.
Die Räumung des Strandlagers in Ceuta verlief nach Darstellung der Regierungsvertretung ohne größere Zwischenfälle. Die Behörden erklärten, das Ziel sei, Menschen aus den provisorischen Lagern in Unterkünfte mit geregelter Versorgung zu bringen und den Strand reinigen zu können.
Die Lage am El Trampolín blieb allerdings auch nach dem ersten Einsatz unübersichtlich. Bereits wenige Stunden nach der Räumung kehrten nach Angaben von EFE etwa 500 Menschen an den Strand zurück. Am Freitag befanden sich dort erneut mehr als 1.000 Menschen. Polizei und Guardia Civil rückten deshalb am Morgen des 21. August erneut an.
Unklar blieb zunächst, wo alle Menschen untergebracht werden sollten, die sich nach der ersten Räumung wieder am Strand versammelt hatten. Die Behörden arbeiteten parallel daran, zusätzliche Aufnahmeplätze in Ceuta einzurichten.
Zu den zunächst genutzten Einrichtungen gehören Standorte in Loma Margarita und Loma Colmenar. Weitere Flächen sollen für eine vorübergehende Unterbringung vorbereitet werden. Spaniens Ministerin für Inklusion und Migration, Elma Saiz, hatte zuvor angekündigt, die zunächst geplante Kapazität von rund 1.500 Plätzen weiter auszubauen.
Hilfsorganisationen versorgen Menschen in Ceuta weiterhin mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe. Das Rote Kreuz nahm am Donnerstag auch am Strand erneut die Ausgabe von Lebensmitteln auf, nachdem Menschen nach der Räumung dorthin zurückgekehrt waren.
Auslöser der angespannten Situation waren die Ereignisse vom 30. und 31. Juli. Nach Angaben der spanischen Behörden versuchten innerhalb kurzer Zeit mehr als 70.000 Menschen, von Marokko aus nach Ceuta zu gelangen. Viele kehrten anschließend nach Marokko zurück. Tausende blieben jedoch in der rund 84.000 Einwohner zählenden spanischen Exklave.
Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska bezifferte die Zahl der Mitte August noch in Ceuta befindlichen Menschen auf rund 5.000. Andere Schätzungen lagen höher. Eine genaue aktuelle Gesamtzahl war auch am 22. August nicht offiziell bestätigt.
Die Ereignisse forderten zahlreiche Todesopfer. Spanische Behörden registrierten auf ihrer Seite der Grenze mehr als 80 Tote. Marokko meldete weitere Todesfälle. Am Freitag begann Ceuta mit der Beisetzung von Menschen, deren Identität bislang überwiegend nicht geklärt werden konnte. Die Gräber werden nach Angaben der Behörden so gekennzeichnet, dass eine spätere Identifizierung möglich bleibt.
Besonders schwierig ist die Situation von Kindern und Jugendlichen, die ohne Eltern oder andere Sorgeberechtigte nach Ceuta gelangt sind. Innenminister Grande-Marlaska gab am 13. August an, dass zu diesem Zeitpunkt 1.898 Minderjährige identifiziert worden seien.
Hilfsorganisationen hatten zugleich davor gewarnt, dass sich weitere Minderjährige außerhalb des regulären Schutzsystems befinden könnten. Save the Children verwies Mitte August auf Schätzungen lokaler Organisationen, denen zufolge die Zahl erheblich höher liegen könnte. Diese Angaben waren von den spanischen Behörden nicht in gleicher Höhe bestätigt worden.
Für unbegleitete Minderjährige gelten besondere Schutzvorschriften. Ihre Unterbringung und Betreuung kann deshalb nicht auf dieselbe Weise organisiert werden wie bei erwachsenen Migranten. Die außergewöhnlich hohe Zahl der Ankünfte hat die vorhandenen Einrichtungen in Ceuta stark belastet.
Ceuta liegt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste und gehört zu Spanien. Zusammen mit Melilla bildet die Stadt eine Besonderheit an der Außengrenze der Europäischen Union, da beide spanischen Gebiete eine direkte Landgrenze mit Marokko besitzen.
Migration und Grenzkontrollen spielen deshalb seit Jahren eine zentrale Rolle im Verhältnis zwischen Spanien und Marokko. Wer Ceuta erreicht, befindet sich zwar auf spanischem und damit auf EU-Gebiet. Daraus ergibt sich jedoch nicht automatisch ein Aufenthaltsrecht oder die Möglichkeit, auf das spanische Festland weiterzureisen.
Menschen, die internationalen Schutz beantragen, haben Anspruch auf eine individuelle Prüfung ihres Antrags. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums waren bis Mitte August mehr als 500 Asylverfahren von Erwachsenen bearbeitet worden. Ein großer Teil der bis dahin entschiedenen Anträge führte demnach nicht zur Gewährung internationalen Schutzes.
Die Räumung des Strandlagers in Ceuta löst damit vor allem ein akutes Unterbringungsproblem. Die spanischen Behörden müssen zugleich Asylanträge bearbeiten, Minderjährige in das Schutzsystem aufnehmen und für Tausende Menschen vorübergehende Unterkünfte und Versorgung organisieren.
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