
Die Digitalbank Chase hat ihr Tagesgeldangebot in Deutschland eingeschränkt. Neukunden erhalten weiterhin vier Prozent Zinsen pro Jahr für die ersten vier Monate. Allerdings gilt der Aktionszins seit dem 3. September 2026 nur noch für Guthaben bis 500.000 Euro. Zuvor konnten Kunden bis zu einer Million Euro zu diesem Zinssatz anlegen. Für höhere Beträge gilt nun ein niedrigerer Zinssatz. Die Änderung betrifft ausschließlich neu eröffnete Konten.
Beim Chase Tagesgeld bleibt der beworbene Zinssatz von vier Prozent zunächst bestehen. Geändert hat sich jedoch der maximale Anlagebetrag, für den dieser Aktionszins gezahlt wird. Seit dem 3. September 2026 gilt die Vier-Prozent-Verzinsung nur noch für die ersten 500.000 Euro auf einem neu eröffneten Konto.
Bei der Einführung des Angebots im Mai 2026 konnten Neukunden dagegen noch bis zu einer Million Euro für vier Monate mit vier Prozent jährlich verzinsen lassen. Diese Grenze wurde inzwischen halbiert.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Zinsobergrenze und Höchstanlagebetrag. Anleger können weiterhin bis zu einer Million Euro bei Chase einzahlen. Lediglich die Verzinsung fällt oberhalb von 500.000 Euro niedriger aus.
Wer seit dem 3. September ein Chase Tagesgeldkonto eröffnet hat, erhält auf Guthaben bis 500.000 Euro für vier Monate einen festen Jahreszinssatz von vier Prozent. Für den darüberliegenden Betrag gilt der variable Basiszins, der aktuell bei zwei Prozent jährlich liegt.
Nach Ablauf der viermonatigen Aktionsphase wird das gesamte Guthaben zum dann gültigen variablen Basiszins verzinst. Dieser kann sich jederzeit ändern.
Die vier Prozent sind ausdrücklich als Jahreszinssatz angegeben. Da die Aktion nur vier Monate läuft, erhalten Kunden innerhalb dieses Zeitraums lediglich den anteiligen Zinsertrag. Ein Anspruch auf vier Prozent Zinsen über ein vollständiges Jahr ergibt sich daraus nicht.
Bei kleineren Guthaben hat die neue Obergrenze keine unmittelbaren Auswirkungen. Wer beispielsweise 10.000, 50.000 oder 100.000 Euro anlegt, erhält weiterhin den vollständigen Aktionszins von vier Prozent jährlich für die ersten vier Monate.
Deutlicher wird der Unterschied bei größeren Anlagebeträgen. Wer 600.000 Euro auf ein neu eröffnetes Chase Tagesgeldkonto einzahlt, erhält für 500.000 Euro den Aktionszins. Die übrigen 100.000 Euro werden dagegen nur mit dem aktuellen variablen Basiszins von zwei Prozent jährlich verzinst.
Bei einem Unterschied von zwei Prozentpunkten entstehen auf diese 100.000 Euro innerhalb von vier Monaten rechnerisch rund 667 Euro weniger Bruttozinsen als bei durchgehend vier Prozent. Die Berechnung ist vereinfacht und berücksichtigt weder Steuern noch monatliche Zinsgutschriften oder mögliche Änderungen des variablen Zinssatzes.
Nicht alle Chase Kunden sind von der Einschränkung betroffen. Für Tagesgeldkonten, die vor dem 3. September 2026 eröffnet wurden, gelten weiterhin die bei Vertragsabschluss vereinbarten Bedingungen.
Damit bleibt auch die ursprünglich höhere Aktionsgrenze für diese Konten während des vereinbarten viermonatigen Zeitraums maßgeblich. Die neue Grenze von 500.000 Euro wird nicht rückwirkend auf bereits bestehende Konten angewendet.
Allerdings bedeutet der Bestandsschutz keine dauerhaft garantierte Verzinsung von vier Prozent. Auch bei älteren Verträgen endet die Aktion nach vier Monaten. Anschließend gilt der variable Basiszins. Kunden können ihre persönlichen Konditionen in der Chase App einsehen.
Das Angebot von Chase unterscheidet zwischen einem befristeten Einstiegszins und einem variablen Zinssatz für die anschließende Anlagezeit. Gerade bei längerer Nutzung eines Tagesgeldkontos kann dieser Unterschied entscheidend sein.
Der aktuelle Anschlusszins beträgt zwei Prozent jährlich. Nach Angaben der Bank ist er nicht unmittelbar an den Leitzins der Europäischen Zentralbank gekoppelt und kann unabhängig davon angepasst werden.
Zum Vergleich: Auch die Ayvens Bank bot im September 2026 vier Prozent Tagesgeldzinsen für Neukunden, allerdings nur für drei Monate. Chase gewährte den Zinssatz für vier Monate. Für einen aussagekräftigen Vergleich sind deshalb neben der Zinshöhe auch die Aktionsdauer und der anschließend gültige Zinssatz relevant.
Unabhängig von der neuen Zinsobergrenze sollten Sparer die Einlagensicherung berücksichtigen. Das Tagesgeldangebot von Chase wird in Deutschland von der J.P. Morgan SE betrieben. Die Bank unterliegt der deutschen Bankenaufsicht und gehört zur gesetzlichen Einlagensicherung.
Diese schützt Einlagen grundsätzlich bis zu 100.000 Euro pro Person und Kreditinstitut. Bestehen mehrere Guthaben bei derselben Bank, werden sie für diese Grenze zusammengerechnet.
Darüber hinaus nimmt J.P. Morgan SE am freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken teil. Nach Angaben von Chase reicht dieser Schutz für Privatpersonen derzeit bis zu drei Millionen Euro. Anders als bei der gesetzlichen Einlagensicherung besteht hierbei jedoch kein Rechtsanspruch auf Entschädigung.
An den grundlegenden Eigenschaften des Tagesgeldkontos ändert die Einschränkung nichts. Chase verlangt weiterhin weder eine Gebühr für die Kontoeröffnung noch für die laufende Kontoführung. Eine Mindesteinlage gibt es ebenfalls nicht.
Die Zinsen werden täglich auf Grundlage des tatsächlichen Guthabens berechnet und jeweils am ersten Tag des Folgemonats gutgeschrieben. Dadurch können gutgeschriebene Zinsen in den folgenden Monaten selbst wieder verzinst werden.
Einzahlungen sind von auf Euro lautenden Konten bei Banken im SEPA-Raum möglich. Auszahlungen erfolgen auf ein hinterlegtes deutsches Referenzkonto. Über die App können derzeit höchstens 500.000 Euro pro Tag ausgezahlt werden. Bei höheren Beträgen müssen Kunden den Support kontaktieren.
Chase gehört zum US-amerikanischen Finanzkonzern JPMorganChase und ist seit Mai 2026 mit einem eigenen digitalen Bankingangebot für Privatkunden in Deutschland vertreten. Das Tagesgeldkonto war das erste Produkt des neuen Angebots.
Die Bank will ihre Geschäftstätigkeit in Deutschland in den kommenden Jahren erweitern. Nach den bisherigen Planungen sollen bis Ende 2028 unter anderem Girokonten sowie weitere Anlage- und Kreditprodukte hinzukommen.
Der Markteintritt erfolgte zunächst mit einem auf vier Monate befristeten Tagesgeldzins von vier Prozent. Die inzwischen eingeführte Beschränkung auf 500.000 Euro verändert die Konditionen für besonders hohe Anlagebeträge. Für Sparer mit kleineren Guthaben bleibt der Aktionszins dagegen unverändert bestehen.
Wer ein Chase Tagesgeldkonto eröffnen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein, seinen Wohnsitz und seine steuerliche Ansässigkeit in Deutschland haben und über eine deutsche Mobilfunknummer verfügen. Die Eröffnung erfolgt über die Smartphone-App. Für Auszahlungen ist ein Referenzkonto bei einer deutschen Bank erforderlich.
Auch die steuerliche Behandlung der Zinserträge spielt eine Rolle. Kapitalerträge unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer, dem Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls der Kirchensteuer. Ein Freistellungsauftrag kann direkt in der App eingerichtet werden. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt für Einzelpersonen 1.000 Euro jährlich und für zusammen veranlagte Paare 2.000 Euro.
Für die Entscheidung über eine Geldanlage sind damit drei Werte besonders relevant: der viermonatige Aktionszins, die neue Grenze von 500.000 Euro und der variable Anschlusszins von derzeit zwei Prozent.
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