
Deutsche Unternehmen in China rechnen mit erheblichen Risiken durch eine mögliche Verschärfung des Handelskonflikts zwischen der Europäischen Union und China. Gleichzeitig hatten sich ihre Geschäftserwartungen im Frühjahr verbessert. Neue Zahlen der Deutschen Handelskammer in China und eine aktuelle Positionierung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) verdeutlichen, wie eng Investitionspläne und wirtschaftspolitische Unsicherheit miteinander verbunden sind.
Nach einem Anfang Oktober veröffentlichten Teilergebnis der Geschäftsklimaumfrage 2026/27 erwarten 80 Prozent der antwortenden deutschen Unternehmen Auswirkungen auf ihr China-Geschäft, falls sich die Handelsbeziehungen zwischen der EU und China verschärfen.
33 Prozent rechnen in diesem Fall mit erheblichen Auswirkungen. Weitere 47 Prozent erwarten moderate Folgen. Lediglich 14 Prozent gehen davon aus, dass ein solcher Konflikt keinen Einfluss auf ihre Geschäfte hätte.
Grundlage dieser Ergebnisse sind die Antworten von 381 Unternehmen. Bis zum 29. September hatten insgesamt 488 Mitgliedsunternehmen an der Befragung teilgenommen. Die vollständigen Ergebnisse der Geschäftsklimaumfrage will die Handelskammer am 7. Dezember 2026 in Peking vorstellen.
Bereits eine im Mai veröffentlichte Blitzumfrage der Auslandshandelskammer hatte gezeigt, dass sich die Geschäftsaussichten in China gegenüber dem Vorjahr verbessert hatten.
Damals erklärten 61 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, ihre Investitionen in China innerhalb der kommenden zwei Jahre erhöhen zu wollen. Ein Jahr zuvor hatte dieser Anteil noch bei 53 Prozent gelegen. Gleichzeitig planten elf Prozent, ihre Investitionen zu reduzieren.
Auch die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung waren gestiegen. 42 Prozent der Unternehmen rechneten für 2026 mit höheren Umsätzen. Im Vorjahr waren es 29 Prozent gewesen. Einen Gewinnanstieg erwarteten 29 Prozent, elf Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Befragung.
An der Blitzumfrage hatten sich vom 15. bis 21. April 2026 insgesamt 216 Mitgliedsunternehmen beteiligt. Die Angaben beschreiben ihre damaligen Planungen und Erwartungen, nicht bereits getätigte Investitionen oder erzielte Gewinne.
Die vorsichtig optimistischere Einschätzung zeigte sich auch bei den Erwartungen an Chinas wirtschaftliche Entwicklung.
37 Prozent der im April befragten Unternehmen erwarteten für die folgenden sechs Monate eine Verbesserung der chinesischen Konjunktur. Das waren 22 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Lediglich 17 Prozent rechneten mit einer Verschlechterung, während dieser Anteil 2025 noch bei 56 Prozent gelegen hatte.
Auch die Branchenaussichten entwickelten sich aus Sicht der Befragten günstiger. 34 Prozent erwarteten für 2026 eine Verbesserung in ihrer Branche, verglichen mit 19 Prozent im Vorjahr. Etwa ein Drittel ging dagegen von einer Verschlechterung aus.
Die verbesserten Erwartungen gingen allerdings nicht mit einer Entspannung sämtlicher Geschäftsrisiken einher.
In der Mai-Erhebung gaben 69 Prozent der Unternehmen an, durch die Spannungen zwischen den USA und China negativ betroffen zu sein. Für die Handelskonflikte zwischen der EU und China lag dieser Anteil bei 59 Prozent.
Auch die Folgen des Irankriegs belasteten die Unternehmen. Drei Viertel der Befragten berichteten von Auswirkungen auf ihre Geschäftsaktivitäten. 55 Prozent nannten gestiegene Logistikkosten, 47 Prozent höhere Beschaffungspreise.
Zu den wichtigsten Sorgen im Verhältnis zwischen der EU und China zählten außerdem europäische Maßnahmen zum Abbau wirtschaftlicher Abhängigkeiten. 52 Prozent der befragten Unternehmen sahen darin eine Herausforderung für ihr Geschäft.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hat am 25. Oktober 2026 neue Empfehlungen zum wirtschaftlichen Umgang mit China veröffentlicht. Der Verband spricht sich dafür aus, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren, ohne die Handelsbeziehungen grundsätzlich aufzugeben.
Nach einer separaten DIHK-Befragung aus dem Sommer befürworten 60 Prozent der Unternehmen eine Verringerung strategischer Abhängigkeiten von China. 67 Prozent wünschen sich ein gemeinsames europäisches Vorgehen gegenüber der Volksrepublik.
Die DIHK empfiehlt unter anderem, zusätzliche Beschaffungsmärkte und Lieferanten zu erschließen. Zugleich warnt sie vor weiteren bürokratischen Vorgaben und zusätzlichen Kontrollen von Auslandsinvestitionen.
Die wirtschaftliche Bedeutung Chinas bleibt groß. Nach DIHK-Angaben importierte Deutschland 2025 Waren im Wert von rund 171 Milliarden Euro aus der Volksrepublik. China war damit Deutschlands wichtigstes Lieferland.
Die Ergebnisse verdeutlichen zwei Entwicklungen: Viele deutsche Unternehmen wollen ihre Marktposition in China sichern und ausbauen. Gleichzeitig erwarten zahlreiche Betriebe erhebliche Belastungen, sollte sich der handelspolitische Konflikt zwischen China und der Europäischen Union weiter zuspitzen.
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