Visa für China-Forschende: Die entscheidenden Zahlen fehlen

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Deutschland prüft Visa für chinesische Studierende und Forschende in einem Spannungsfeld aus internationalem Austausch, Fachkräftegewinnung und Forschungssicherheit. Eine deutlich höhere Ablehnungsquote für Antragstellende aus China im Vergleich zu anderen Herkunftsländern ist mit den veröffentlichten Zahlen jedoch nicht nachweisbar. Die Bundesregierung hält genau die dafür nötigen Vergleichsdaten weitgehend unter Verschluss.

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Bei Visa für chinesische Forschende ist die Informationslücke besonders deutlich. Nach einer schriftlichen Antwort des Auswärtigen Amts auf eine Frage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Marcel Emmerich werden die Zahlen zu abgelehnten Forschungsvisa chinesischer Staatsangehöriger als Verschlusssache eingestuft. Öffentlich bekannt wurden lediglich Angaben dazu, wie viele entsprechende Anträge bearbeitet wurden. 2021 waren es 2.147, 2024 dann 3.273. Im Jahr 2025 lag die Zahl bei 2.627, im ersten Halbjahr 2026 bei 856. Aus diesen Werten geht nicht hervor, wie viele Anträge positiv oder negativ beschieden wurden.

Bund hält Vergleichsdaten unter Verschluss

Die fehlende Aufschlüsselung betrifft nicht nur China. Bereits in einer Antwort der Bundesregierung vom September 2025 auf eine Kleine Anfrage der Grünen wurden Zahlen zu erteilten und abgelehnten Visa für Studien- und Forschungsaufenthalte nach Ländern, Auslandsvertretungen und Rechtsgrundlagen nur in einer als Verschlusssache eingestuften Anlage übermittelt. Im Juni 2026 bestätigte der Bundestag erneut, dass die Bundesregierung keine öffentlich zugänglichen Angaben dazu macht, wie viele internationale Studierende zwischen 2020 und 2024 von einer Visumsversagung betroffen waren.

Damit fehlt die Grundlage für einen belastbaren Vergleich der Ablehnungsquoten nach Staatsangehörigkeit. Eine absolute Zahl allein würde dafür ohnehin nicht ausreichen. Entscheidend wäre, wie viele Anträge aus einem Land insgesamt gestellt oder abschließend bearbeitet wurden und welcher Anteil davon abgelehnt wurde. Gerade bei China spielt dieser Unterschied eine große Rolle, weil das Land zu den wichtigsten Herkunftsstaaten internationaler Studierender und Forschender in Deutschland gehört.

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Schon 2023 hatte die Bundesregierung bei einer Anfrage zu chinesischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Zahl abgelehnter Forschungsvisa nur eingestuft übermittelt. Zugleich erklärte sie, die Gründe für eine Ablehnung würden statistisch nicht erfasst. Deshalb lässt sich auch nicht beziffern, welcher Anteil möglicher Ablehnungen auf Sicherheitsbedenken, fehlende Unterlagen, aufenthaltsrechtliche Voraussetzungen oder andere Einzelfallgründe zurückgeht.

China bleibt für deutsche Hochschulen besonders wichtig

Nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes waren im Wintersemester 2024/25 rund 38.600 internationale Studierende aus China an deutschen Hochschulen eingeschrieben. China lag damit hinter Indien, das auf knapp 59.000 Studierende kam, auf Platz zwei der wichtigsten Herkunftsländer. Insgesamt waren rund 402.000 internationale Studierende und Promovierende in Deutschland eingeschrieben.

Auch beim Visumverfahren ist das Volumen hoch. Das Auswärtige Amt teilte für 2025 mit, dass weltweit rund 100.000 Visumanträge zu Studienzwecken bearbeitet wurden. Eine öffentlich zugängliche Aufschlüsselung der Ablehnungen nach Nationalität stellt das Ministerium dazu nicht bereit. Für chinesische Studienbewerber gelten zudem besondere Verfahren zur Prüfung von Bildungsnachweisen. Akademische Prüfstellen gibt es nach Angaben der Bundesregierung in China, Indien und Vietnam. Diese Vorprüfung ist allerdings kein Beleg dafür, dass chinesische Antragstellende häufiger ein Visum verweigert bekommen.

Die Bedeutung internationaler Studierender geht über die Hochschulen hinaus. Ein im September 2026 veröffentlichtes Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag des DAAD schätzt für den Studienjahrgang 2023 mit rund 81.800 internationalen Studienanfängerinnen und Studienanfängern einen Wertschöpfungsbeitrag von etwa 127 Milliarden Euro über das weitere Erwerbsleben. Der langfristige Überschuss für die öffentlichen Haushalte wird in dem Modell auf rund 23,1 Milliarden Euro geschätzt. Die Zahlen zeigen, warum Deutschland zugleich versucht, den Zugang für internationale Talente zu erleichtern.

Forschungssicherheit gegenüber China gewinnt an Gewicht

Parallel zu dieser Öffnung hat die Bundesregierung die Risiken wissenschaftlicher Kooperationen mit China stärker in den Blick genommen. Im April 2026 erklärte sie im Bundestag, Deutschland habe dem Arbeitsprogramm 2026 und 2027 des EU-Forschungsprogramms Horizont Europa zugestimmt. Darin ist die Beteiligung chinesischer Einrichtungen in mehreren Bereichen eingeschränkt, darunter Gesundheit, zivile Sicherheit und Gesellschaft sowie Digitalisierung, Industrie und Weltraum.

Bei der Bewertung wissenschaftlicher Partnerschaften mit chinesischen Einrichtungen nennt die Bundesregierung unter anderem die Art der Institution, das Forschungsthema, mögliche militärische oder anderweitige Doppelnutzung, wirtschaftliche Verwertungspotenziale, institutionelle Verbindungen und mögliche künftige Abhängigkeiten. Diese Regeln betreffen Forschungskooperationen und Förderprogramme. Sie sind nicht mit einer allgemeinen Visumsperre für chinesische Studierende oder Forschende gleichzusetzen.

Schon die China-Strategie des Bundes hatte die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre als hohes Gut hervorgehoben und zugleich vor einseitigem Wissens- und Technologietransfer sowie Risiken bei sicherheitsrelevanter Forschung gewarnt. Daraus folgt eine stärkere Prüfung sensibler Kooperationen. Wie häufig solche Sicherheitsaspekte tatsächlich zur Ablehnung eines Visumantrags führen, ist öffentlich nicht beziffert.

Deutschland will Visa gleichzeitig schneller machen

Die Bundesregierung verfolgt parallel das Ziel, Visa für Studierende und wissenschaftliche Fachkräfte zu vereinfachen. Seit Anfang 2025 sind alle deutschen Visastellen an das digitale Auslandsportal angeschlossen. In einer Bundestagsantwort aus dem Herbst 2025 verwies die Regierung zudem darauf, dass die zuvor regelmäßig notwendige Beteiligung deutscher Ausländerbehörden bei Studierendenvisa seit Juni 2024 weitgehend weggefallen ist. Dadurch sollen Verfahren schneller werden.

Der politische Zielkonflikt ist damit klar: Deutschland möchte im internationalen Wettbewerb mehr qualifizierte Studierende und Forschende gewinnen, zugleich aber Risiken bei sensibler Forschung begrenzen. Bei China ist dieser Konflikt besonders sichtbar, weil das Land sowohl ein zentraler Partner und Herkunftsstaat akademischer Talente als auch Gegenstand verschärfter Sicherheitsprüfungen in Teilen der Forschungszusammenarbeit ist.

Eine Aussage, Deutschland lehne Visumanträge chinesischer Wissenschaftler und Studierender deutlich häufiger ab als Anträge aus anderen Ländern, geht über die öffentlich bekannten Zahlen hinaus. Belegt ist, dass die Bundesregierung länderspezifische Ablehnungsdaten zu Studien- und Forschungsvisa nicht veröffentlicht und bei China zugleich die Forschungssicherheit stärker gewichtet. Ob daraus tatsächlich eine höhere Ablehnungsquote entsteht, bleibt anhand der zugänglichen Angaben offen.

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