Nach gescheitertem Hinrichtungsversuch: Christa Pike spricht wieder

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Die zum Tode verurteilte Christa Pike ist nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch im US Bundesstaat Tennessee wieder bei Bewusstsein und kann sprechen. Das teilten ihre Anwälte am Dienstag, 6. Oktober, mit. Die 50-Jährige werde weiterhin intensivmedizinisch behandelt, ihre langfristige Prognose sei noch unklar. Ein von der Verteidigung hinzugezogener Anästhesiologe erklärte, Pike benötige inzwischen kein Beatmungsgerät mehr, liege aber weiterhin auf der Intensivstation und sei noch nicht außer Gefahr. Das Tennessee Department of Correction bestätigte zuletzt lediglich, dass Pike weiterhin im Krankenhaus behandelt werde.

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Zwei Dosen Pentobarbital führten nicht zum Tod

Tennessee hatte am 30. September versucht, das Todesurteil gegen Pike mit Pentobarbital zu vollstrecken. Nach Angaben ihrer Anwälte wurden zunächst die vorgesehene Dosis und später eine weitere Dosis des Medikaments verabreicht. Pike starb jedoch nicht. Beim Beginn des eigentlichen Hinrichtungsvorgangs gegen 19.30 Uhr Ortszeit war sie noch ansprechbar. Wenige Minuten später beklagte sie Schmerzen im Arm. Auch mehr als eine Stunde danach konnten Zeugen ihre Atmung wahrnehmen. Um 20.53 Uhr mussten die Medienvertreter den Zeugenraum verlassen. Gegen 21.14 Uhr traf ein Krankenwagen ein und brachte Pike aus dem Riverbend Maximum Security Institution in ein Krankenhaus.

Ursache des Scheiterns ist weiterhin nicht geklärt

Was bei der Hinrichtung technisch und medizinisch schiefging, ist noch nicht abschließend geklärt. Pikes Anwälte berichten von erheblichen Verletzungen an beiden Armen, darunter Schwellungen, Verbrennungen und Blasen. Sie gehen davon aus, dass mindestens ein intravenöser Zugang nicht korrekt lag und Pentobarbital teilweise in umliegendes Gewebe gelangte. Eine unabhängige Bestätigung dieser Ursache lag zunächst nicht vor. Das Tennessee Department of Correction erklärte noch in der Nacht des Hinrichtungsversuchs, alle Schritte des geltenden Protokolls seien eingehalten worden. Dieses sieht Pentobarbital als einziges Hinrichtungsmedikament vor.

Tennessee lässt den Ablauf unabhängig untersuchen

Gouverneur Bill Lee bezeichnete die Ereignisse als zutiefst beunruhigend und stoppte die noch für 2026 vorgesehene weitere Hinrichtung im Bundesstaat. Auf seine Bitte beauftragte die Generalstaatsanwaltschaft den früheren US Bundesstaatsanwalt Ed Stanton mit einer unabhängigen Untersuchung. Dabei soll ausdrücklich geklärt werden, ob das Hinrichtungsprotokoll eingehalten wurde und ob Änderungen erforderlich sind. Stanton hatte bereits nach der Aussetzung von Hinrichtungen im Jahr 2022 eine Untersuchung für Tennessee geleitet. Deren Ergebnisse flossen in die später überarbeiteten Regeln ein. Wenige Tage nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch kündigte Gefängnisdirektor Frank Strada seinen Rücktritt als Leiter des Tennessee Department of Correction an.

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Anwälte wollen Beweismittel gerichtlich sichern lassen

Parallel zur staatlichen Untersuchung beschäftigt sich ein Gericht in Nashville erneut mit dem Fall. Für Mittwochmorgen, 7. Oktober, ist vor dem Davidson County Chancery Court eine Statuskonferenz angesetzt. Pikes Anwälte wollen erreichen, dass das Justizvollzugsministerium Beweismittel aus dem Hinrichtungsversuch aufbewahren muss. Genannt werden unter anderem Chargennummern der Medikamente, verwendete Nadeln und Protokolle aus der Hinrichtungskammer. Die Generalstaatsanwaltschaft hält eine zusätzliche gerichtliche Anordnung für nicht erforderlich. Sie erklärte in einer Eingabe, die zuständigen Stellen seien ohnehin verpflichtet, relevante Beweise zu sichern und hätten bereits Schritte eingeleitet, um den Ablauf zu untersuchen.

Todesurteil gegen Christa Pike bleibt zunächst bestehen

Pikes Verteidiger verlangen erneut, dass Gouverneur Lee die Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umwandelt. Rechtlich ist das Todesurteil durch den gescheiterten Versuch nicht automatisch erledigt. Das Recht von Tennessee bestimmt ausdrücklich, dass ein Todesurteil in Kraft bleibt, wenn eine Hinrichtung aus irgendeinem Grund nicht wie vorgesehen vollzogen wurde. Ob der Staat tatsächlich einen weiteren Hinrichtungsversuch anstreben wird, ist derzeit offen. Einen neuen Termin gibt es nicht. Zusätzliche Verfahren über die Frage, ob ein erneuter Versuch nach den Ereignissen vom 30. September mit dem Verbot grausamer und ungewöhnlicher Strafen vereinbar wäre, sind möglich.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte 1947 in einem anders gelagerten Fall eine zweite Hinrichtung zugelassen, nachdem eine Elektrokution wegen eines technischen Defekts fehlgeschlagen war. Die Richter betonten damals jedoch die Annahme eines unvorhersehbaren Unfalls ohne absichtliche Zufügung unnötiger Schmerzen. Damit ist nicht entschieden, wie Gerichte die besonderen Umstände bei Pike bewerten würden.

Tennessee hatte sein Hinrichtungsverfahren erst überarbeitet

Der Fall trifft Tennessee in einer Phase, in der die Hinrichtungspraxis bereits mehrfach überprüft wurde. Nach Problemen im Jahr 2022 setzte Lee Vollstreckungen zeitweise aus. Ende 2024 führte das Justizvollzugsministerium ein überarbeitetes Verfahren mit Pentobarbital als einzigem Medikament ein. Hinrichtungen wurden 2025 wieder aufgenommen. Im Mai 2026 musste bereits der Hinrichtungsversuch bei einem anderen Gefangenen abgebrochen werden, weil das Team keinen erforderlichen zweiten Venenzugang herstellen konnte. Der Gouverneur gewährte dem Mann anschließend einen einjährigen Aufschub. Der Fall Pike war damit der zweite nicht vollendete Hinrichtungsversuch Tennessees innerhalb weniger Monate.

Fall hat in den USA außergewöhnliche Bedeutung

Pike sitzt seit 1996 im Todestrakt. Sie wurde wegen des Mordes an einer 19-jährigen Mitschülerin im Jahr 1995 zum Tode verurteilt und war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Ihre Hinrichtung wäre die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen. Das Death Penalty Information Center führt Pike zudem als ersten bekannten Fall in den USA, bei dem ein zum Tode verurteilter Mensch nach der tatsächlichen Verabreichung der vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente überlebt hat. Die Organisation zählt Tennessee zu 27 US Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe weiterhin gesetzlich vorgesehen ist.

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