
Die US-Schauspielerin Eva Marie Saint ist tot. Die Oscarpreisträgerin starb am Dienstag, 6. Oktober 2026, im Alter von 102 Jahren in ihrem Haus in Los Angeles. Nach Angaben ihres Familienvertreters Jeff Sanderson waren natürliche Ursachen die Todesursache. Saint gehörte zu den prägenden Schauspielerinnen des klassischen Hollywood und wurde vor allem mit zwei Filmen weltbekannt: Elia Kazans „Die Faust im Nacken“ und Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“. Ihre Laufbahn führte sie vom frühen Fernsehen und vom Broadway über große Hollywoodproduktionen bis zu Filmrollen im 21. Jahrhundert.
Eva Marie Saint gelang ein Karrierestart, wie ihn nur wenige Schauspielerinnen erlebt haben. In ihrem ersten Kinofilm „On the Waterfront“, in Deutschland als „Die Faust im Nacken“ bekannt, spielte sie 1954 Edie Doyle an der Seite von Marlon Brando. Regie führte Elia Kazan. Die Produktion gehörte bei der Oscarverleihung 1955 zu den großen Gewinnern. Saint erhielt für ihre Darstellung den Oscar als beste Nebendarstellerin, während Brando als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. Auch Kazan gewann für seine Regie. Für Saint bedeutete der Film den unmittelbaren Durchbruch im amerikanischen Kino.
Ihre Edie Doyle war dabei weit mehr als eine klassische romantische Nebenfigur. Saint verlieh der Rolle eine Mischung aus Verletzlichkeit, Entschlossenheit und moralischer Klarheit. Diese Eigenschaften prägten später viele ihrer Figuren. Der Erfolg machte sie innerhalb kürzester Zeit zu einer gefragten Darstellerin und brachte ihr Rollen neben einigen der bekanntesten Schauspieler ihrer Generation ein. Ihre Karriere blieb dabei nicht auf ein Genre beschränkt. Sie arbeitete in Gesellschaftsdramen, Thrillern, Historienfilmen und später verstärkt auch für das Fernsehen.
Eine ihrer bis heute berühmtesten Rollen folgte 1959. Alfred Hitchcock besetzte Saint als Eve Kendall in „North by Northwest“, dem deutschen „Der unsichtbare Dritte“. An der Seite von Cary Grant spielte sie eine Frau, deren tatsächliche Rolle in dem Spionagekomplott lange verborgen bleibt. Der Thriller zählt zu Hitchcocks bekanntesten Arbeiten und machte Saint endgültig zu einem internationalen Filmstar. Ihre kontrollierte, elegante Darstellung unterschied sich deutlich von der emotionaleren Edie Doyle aus ihrem Oscarfilm fünf Jahre zuvor.
Danach folgten weitere große Produktionen. Saint spielte 1960 neben Paul Newman in Otto Premingers „Exodus“, später unter anderem in „All Fall Down“, „The Russians Are Coming, the Russians Are Coming“ und John Frankenheimers Rennfahrerfilm „Grand Prix“. Ihre Filmpartner reichten von Montgomery Clift und Gregory Peck über Warren Beatty bis zu James Garner. Damit gehörte Saint über Jahre zu jener Generation von Schauspielerinnen, die sowohl in großen Studioproduktionen als auch in anspruchsvolleren Charakterrollen eingesetzt wurden.
Geboren wurde Eva Marie Saint am 4. Juli 1924 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey. Sie studierte an der Bowling Green State University in Ohio und schloss dort 1946 ab. Ursprünglich hatte sie eine Laufbahn als Lehrerin ins Auge gefasst. Während ihrer Studienzeit entdeckte sie jedoch die Schauspielerei und stand in mehreren Hochschulproduktionen auf der Bühne. Später bildete sie sich unter anderem am Actors Studio in New York weiter und sammelte zunächst Erfahrungen im damals stark wachsenden amerikanischen Fernsehen.
Auch am Broadway etablierte sie sich früh. 1953 gehörte Saint zur Originalbesetzung von Horton Footes „The Trip to Bountiful“ und spielte dort Thelma. Für diese Arbeit erhielt sie 1954 einen Theatre World Award. Kurz darauf holte Elia Kazan sie für „Die Faust im Nacken“ vor die Kinokamera. Der Wechsel nach Hollywood bedeutete allerdings keinen vollständigen Abschied von Bühne und Fernsehen. Gerade die Verbindung verschiedener Medien sollte ihre Laufbahn über Jahrzehnte prägen.
Während ihre Kinorollen insbesondere in den 1950er- und 1960er-Jahren im Mittelpunkt standen, blieb das Fernsehen ein wichtiger Bestandteil ihrer Karriere. Die Television Academy führt für Eva Marie Saint insgesamt fünf Emmy-Nominierungen. 1990 gewann sie den Preis als beste Nebendarstellerin in einer Miniserie oder einem Special für ihre Rolle der Lil Altemus in „People Like Us“. Frühere Nominierungen hatte sie bereits in den 1950er-Jahren erhalten. Weitere folgten in den 1970er-Jahren.
Saint gehörte damit zu einer Generation, deren Laufbahn noch vor der endgültigen Dominanz des Kinofilms im amerikanischen Nachkriegsentertainment begann. Sie arbeitete im Live-Fernsehen, auf der Theaterbühne und später in aufwendigen Kinoproduktionen. Diese Vielseitigkeit half ihr, auch dann präsent zu bleiben, als die großen Hauptrollen im Kino seltener wurden.
Auch im 21. Jahrhundert übernahm Saint noch Filmrollen. Sie war 2005 in „Because of Winn-Dixie“ zu sehen und spielte 2006 in „Superman Returns“ Martha Kent, die Adoptivmutter von Clark Kent. 2014 gehörte sie zur Besetzung von „Winter’s Tale“. Daneben arbeitete sie weiterhin als Sprecherin und trat bei Veranstaltungen der Filmbranche auf. Ihre Laufbahn erstreckte sich damit über mehr als sieben Jahrzehnte.
2018 kehrte Saint noch einmal auf eine der prominentesten Bühnen Hollywoods zurück. Im Alter von 93 Jahren gehörte sie zu den Präsentatoren der 90. Oscarverleihung. Mehr als sechs Jahrzehnte zuvor hatte sie dort selbst die wichtigste Auszeichnung ihrer Filmkarriere entgegengenommen. Die Academy führte sie auch danach weiterhin als eine der bedeutenden Persönlichkeiten aus der Geschichte des amerikanischen Films.
Privat war Eva Marie Saint seit 1951 mit dem Fernsehregisseur und Produzenten Jeffrey Hayden verheiratet. Die Ehe dauerte bis zu seinem Tod im Jahr 2016 insgesamt 65 Jahre. Das Paar hatte zwei Kinder. Saint hatte ihre Karriere zeitweise bewusst begrenzt und der Familie einen hohen Stellenwert eingeräumt. Noch Jahrzehnte nach ihren berühmtesten Filmen blieb ihr Name eng mit zwei Klassikern des amerikanischen Kinos verbunden. Mit „Die Faust im Nacken“ begann ihre Filmkarriere mit einem Oscar. Mit „Der unsichtbare Dritte“ hinterließ sie wenige Jahre später eine zweite Rolle, die zu den bekanntesten ihrer Generation zählt.
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