
Der VfL Bochum muss einen längerfristigen Ausfall im zentralen Mittelfeld verkraften. Enis Cokaj fällt aus, nachdem sich der 27-Jährige beim Zweitliga-Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden eine schwere strukturelle Muskelverletzung zugezogen hat. Der Verein bestätigte die Diagnose nach weiterführenden Untersuchungen am Montag. Eine genaue Zahl von Wochen oder einen möglichen Termin für die Rückkehr ins Mannschaftstraining nannte der VfL nicht.
Damit ist die Verletzung nicht mehr nur Gegenstand einzelner Meldungen. Unter anderem griffen der Kicker und die Deutsche Presse-Agentur dpa den Ausfall auf, entscheidend ist inzwischen jedoch die direkte Bestätigung des VfL Bochum. Nach Vereinsangaben benötigt Cokaj zunächst mehrere Wochen, um die Verletzung auszuheilen. Erst danach soll er mit einem Aufbauprogramm beginnen.
Cokaj hatte sich am Samstag in Dresden nach einem eigenen Schuss verletzt und musste wenig später ausgewechselt werden. Der VfL spricht ausdrücklich von einer „schweren strukturellen Muskelverletzung“. Welcher Muskel genau betroffen ist und welchen Umfang die strukturelle Schädigung hat, teilte der Klub nicht mit. Eine präzisere Diagnose lässt sich deshalb derzeit nicht belastbar nennen.
Trainer Uwe Rösler hatte unmittelbar nach der Partie bereits erkennen lassen, dass er mit einem Ausfall rechnete. In einer von dpa verbreiteten Aussage sagte der Bochumer Trainer: „Es wird schwer werden für nächste Woche, ist mein Gefühl.“ Nach den anschließenden Untersuchungen erwies sich die Pause als deutlich länger. Nach dpa-Angaben entstand die Verletzung ohne Einwirkung eines Gegenspielers.
Eine feste Rückkehrprognose gibt es bislang nicht. Die Formulierung des Vereins bedeutet zudem, dass sich an die eigentliche Heilungsphase noch ein schrittweiser Belastungsaufbau anschließt. Wann Cokaj wieder für ein Pflichtspiel zur Verfügung stehen kann, ist deshalb offen.
Der defensive Mittelfeldspieler gehört erst seit diesem Sommer zum Bochumer Kader. Der VfL verpflichtete den albanischen Nationalspieler ablösefrei von Panathinaikos Athen. Sein Vertrag läuft nach offiziellen Vereinsangaben bis zum 30. Juni 2028. Die WAZ hatte den bevorstehenden Wechsel bereits Anfang Mai gemeldet, am 20. Mai machte Bochum die Verpflichtung offiziell und veröffentlichte die endgültigen Vertragsdaten.
Dabei ist bei Cokajs bisherigem Verein zwischen Vertragsverein und letztem Einsatzklub zu unterscheiden. Vertraglich gehörte er Panathinaikos, die beiden vergangenen Spielzeiten verbrachte er jedoch auf Leihbasis bei Levadiakos Livadia. Für den griechischen Klub absolvierte er laut VfL während dieser beiden Jahre insgesamt 68 Pflichtspiele.
In der griechischen Super League kam Cokaj in der vergangenen Saison 2025/26 auf 31 Ligaeinsätze, davon 30 von Beginn an. FBref weist 2.595 Einsatzminuten, kein Tor und eine Vorlage aus. Die Zahlen unterstreichen, dass der Mittelfeldspieler vor seinem Wechsel nach Deutschland regelmäßig über nahezu komplette Partien eingesetzt wurde.
Der Transfer war nicht lediglich als Ergänzung für die Breite angelegt. Bereits vor der Verpflichtung wurde Cokaj als defensiver Sechser und möglicher Nachfolger von Cajetan Lenz eingeordnet, der Bochum in Richtung TSG Hoffenheim verließ. Liga2-online beschrieb ihn unter Berufung auf die WAZ als für die Rolle einer absichernden „Holding Six“ vorgesehen.
Auch der VfL selbst machte bei der Vorstellung deutlich, welchen Stellenwert die Verpflichtung in der Kaderplanung hatte. Simon Zoller, Direktor Lizenzfußball, sagte über den Albaner: „Er ist ein Spieler, der niemals aufgibt“. Zoller hob zudem Kampf, Leidenschaft, Zusammenhalt und Respekt als Eigenschaften hervor, wegen derer sich der Klub intensiv mit Cokaj beschäftigt habe.
Seine Bedeutung innerhalb der neu zusammengestellten Mannschaft zeigte sich auch noch an anderer Stelle. Trainer Rösler berief Cokaj im August gemeinsam mit Timo Horn, Philipp Hofmann, Maximilian Wittek und Mats Pannewig in den Mannschaftsrat. Der Neuzugang war damit schon wenige Wochen nach seinem Wechsel Teil des Führungskreises.
Für Bochums Kaderplanung kommt die Verletzung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Mit Jean Manuel Mbom fällt ein weiterer Sommerzugang nach einer schweren Sprunggelenksverletzung bereits für mehrere Monate aus. Mbom war zwar vor allem für die rechte Seite vorgesehen, gehört aber ebenfalls zu den Spielern, die im Bochumer Kader unterschiedliche Aufgaben übernehmen können.
Im zentralen Mittelfeld stehen Rösler dennoch weitere Optionen zur Verfügung. Mats Pannewig ist nach seiner längerfristigen Verletzung wieder einsatzfähig. Tom Meyer hatte Cokaj bereits vertreten, als dieser Ende August wegen muskulärer Probleme gegen Osnabrück fehlte. Außerdem verpflichtete Bochum unmittelbar vor Ende der Transferperiode den 22 Jahre alten Charlie Patiño auf Leihbasis von Deportivo A Coruña. Der beim FC Arsenal ausgebildete Engländer ist ebenfalls für das zentrale Mittelfeld vorgesehen.
Der Cokaj-Ausfall bedeutet deshalb nicht, dass Bochum ohne Alternativen im Zentrum dasteht. Er nimmt Rösler aber vorerst einen Spieler, der gezielt für die defensive Balance verpflichtet wurde und schon zu Saisonbeginn eine wichtige Rolle in der Mannschaftsstruktur erhalten hatte. Eine kurzfristige Reaktion auf dem regulären Transfermarkt ist nach dem Ende der Transferperiode ohnehin nicht mehr möglich.
Für Cokaj selbst steht zunächst die vollständige Heilung im Vordergrund. Mehr als die vom Verein genannten „mehreren Wochen“ lässt sich derzeit nicht seriös eingrenzen. Erst wenn die Verletzung ausgeheilt ist, beginnt nach VfL-Angaben das Aufbauprogramm.
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