Commerzbank im Übernahmekampf: Rhein spricht mit UniCredit-Chef

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Im Ringen um die Zukunft der Commerzbank hat Hessens Ministerpräsident Boris Rhein den UniCredit-Vorstandsvorsitzenden Andrea Orcel getroffen. Die italienische Großbank bestätigte den Austausch. Das Gespräch fällt in eine entscheidende Phase: UniCredit hat sich durch eigene Aktien, das Übernahmeangebot und weitere Finanzinstrumente Zugriff auf knapp die Hälfte der Stimmrechte der Frankfurter Bank gesichert. Vollzogen ist die Übernahme damit jedoch noch nicht.

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Rhein pocht auf Frankfurt und zentrale Funktionen

Bei dem Treffen ging es insbesondere um die künftige Stellung der Commerzbank und ihres Standorts Frankfurt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur verlangt die hessische Landesregierung, dass der rechtliche Sitz und der Vorstand in Frankfurt bleiben und die Commerzbank weiterhin als Aktiengesellschaft deutschen Rechts geführt wird.

Auch wesentliche Funktionen des Bankgeschäfts sollen demnach in Frankfurt verbleiben. Das Firmenkundengeschäft soll nach den hessischen Vorstellungen nicht auf die HypoVereinsbank übertragen werden, die bereits zum UniCredit-Konzern gehört. Rhein verwies zudem auf die Bedeutung der Commerzbank als Arbeitgeber und für den Finanzplatz Frankfurt. Eine eigenständige Veröffentlichung der Hessischen Staatskanzlei mit dem vollständigen Forderungskatalog lag am Donnerstagabend zunächst nicht vor. UniCredit bestätigte den Austausch und bezeichnete das Gespräch als konstruktiv.

UniCredit kommt an die 50-Prozent-Marke heran

UniCredit hatte im März 2026 ein freiwilliges Übernahmeangebot gestartet. Nach dem Ende der zusätzlichen Annahmefrist teilte die italienische Bank im Juli mit, dass insgesamt 17,60 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient worden seien. Zusammen mit einem direkt gehaltenen Anteil von 26,77 Prozent und weiteren Instrumenten mit Anspruch auf physische Lieferung errechnete UniCredit einen wirtschaftlichen Anteil von 47,59 Prozent.

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Da eigene Aktien der Commerzbank kein Stimmrecht besitzen, entspricht dies nach Berechnung von UniCredit bis zu 49,65 Prozent der Stimmrechte. Der Übergang der angedienten Aktien und der damit verbundenen Stimmrechte steht allerdings weiterhin unter dem Vorbehalt notwendiger Genehmigungen. Die operative und strategische Führung der Commerzbank liegt deshalb weiterhin bei deren Vorstand.

Die Commerzbank hält ihrerseits an ihrer eigenständigen Strategie fest. Vorstand und Aufsichtsrat hatten den Aktionären im Mai empfohlen, das UniCredit-Angebot nicht anzunehmen. Nach Ablauf der Angebotsfrist erklärte die Bank, nur ein kleiner Teil der unabhängigen institutionellen und privaten Anleger habe Aktien eingereicht. Zugleich betont die Commerzbank inzwischen, dass sie für einen konstruktiven Dialog mit UniCredit offen sei.

Bundesregierung bleibt wichtiger Faktor

Auch der Bund spielt bei den weiteren Schritten eine zentrale Rolle. Die Bundesrepublik hält nach Angaben der Commerzbank weiterhin 12,11 Prozent der Aktien. Gemessen an der inzwischen reduzierten Gesamtzahl ausgegebener Aktien entspricht das aktuell einem höheren prozentualen Anteil. Die staatliche Beteiligung stammt aus der Stabilisierung der Bank während der Finanzkrise.

Die Bundesregierung hatte wiederholt die eigenständige Strategie der Commerzbank unterstützt und auf die Bedeutung des Instituts für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands sowie für den Finanzplatz Frankfurt verwiesen. Noch am 28. August betonte die Bundesregierung erneut diese wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Bedeutung.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will ebenfalls direkt mit Orcel sprechen. Das Treffen in Berlin ist für den 14. September vorgesehen. Orcel hat die Einladung nach Angaben aus Regierungskreisen angenommen. Damit laufen inzwischen Gespräche sowohl zwischen den Banken als auch auf politischer Ebene.

Commerzbank kauft weitere eigene Aktien zurück

Parallel verschärft die Commerzbank ihre Kapitalrückgabe an die Aktionäre. Am Donnerstag beschloss das Institut ein weiteres Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Es soll am 4. September beginnen und spätestens am 10. Februar 2027 abgeschlossen werden. Die erforderlichen Genehmigungen liegen nach Angaben der Bank vor.

Aktienrückkäufe gehören bereits seit mehreren Jahren zur Strategie der Commerzbank. Seit Juni 2023 hatte das Institut in sechs abgeschlossenen Programmen Aktien im Wert von insgesamt rund 3,25 Milliarden Euro zurückgekauft.

Ausgang des Übernahmeringens weiter offen

UniCredit verfügt damit über eine starke Position, eine vollständige Übernahme der Commerzbank ist aber noch nicht vollzogen. Weitere Schritte hängen unter anderem von den erforderlichen aufsichtsrechtlichen Verfahren und von der künftigen Beteiligungsstruktur ab. UniCredit selbst hatte für den Abschluss seines Übernahmeangebots wegen der notwendigen Genehmigungen einen Zeitraum bis 2027 vorgesehen.

Das Treffen zwischen Rhein und Orcel verändert vor allem die politische Dimension des Verfahrens. Neben dem Preis und den Interessen der Aktionäre rücken damit konkrete Fragen zur künftigen Unternehmensstruktur, zum Standort Frankfurt, zum Firmenkundengeschäft und zu den Arbeitsplätzen stärker in den Mittelpunkt.

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