Neuss und Rheine bauen ihre Rüstungskapazitäten deutlich aus

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Verteidigungsindustrie baut ihre Produktion in Nordrhein-Westfalen weiter aus. Innerhalb weniger Tage haben Rheinmetall und der Getriebehersteller RENK neue Investitionen beziehungsweise Ausbaupläne für ihre Standorte in Neuss und Rheine konkretisiert. Besonders groß sind die Pläne in Neuss. Dort sollen nach derzeitigen Planungen rund 1.200 zusätzliche Arbeitsplätze in Produktion und Forschung entstehen. Der Ausbau trifft auf eine Phase, in der andere klassische Industriezweige des Landes Beschäftigung verlieren.

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Rheinmetall plant 250-Millionen-Euro-Zentrum in Neuss

Rheinmetall will seinen Standort in Neuss grundlegend erweitern. Neben dem bestehenden Werk ist ein Technologie- und Innovationszentrum vorgesehen, in dem rund 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten sollen. Schwerpunkte sollen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Satellitentechnik sein. Für das Projekt ist eine Investition von rund 250 Millionen Euro vorgesehen.

Parallel wird die bestehende Produktion neu ausgerichtet. Teile des Standorts gehörten früher zum zivilen Autozuliefergeschäft von Rheinmetall. Inzwischen fertigt der Konzern in Neuss unter anderem Komponenten für Schutzsysteme, Flugabwehrtürme, Drohnensysteme und Radarsatelliten. Rheinmetall und der finnische Satellitenspezialist ICEYE betreiben dort zudem ein Gemeinschaftsunternehmen für satellitengestützte Aufklärung.

Für den Produktionsstandort wird mit einem deutlichen Personalaufbau gerechnet. Der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer bezifferte die geplante Erweiterung auf rund 700 Beschäftigte. Rheinmetall selbst hat den Personalzuwachs für die Produktion bislang allgemeiner mit mehreren hundert Stellen beschrieben. Zusammen mit den 500 vorgesehenen Forschungsarbeitsplätzen ergibt sich eine Größenordnung von rund 1.200 zusätzlichen Stellen nach den derzeitigen Planungen.

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Eine noch größere Zahl ist dagegen nicht als feststehende Arbeitsplatzplanung zu verstehen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat als längerfristige Perspektive ein Technologieumfeld rund um den Standort mit 5.000 bis 6.000 Beschäftigten beschrieben. Darin wären neben Rheinmetall auch Zulieferer, Forschungspartner und andere Unternehmen enthalten. Ein konkreter Zeitplan für eine solche Größenordnung ist bislang nicht bekannt.

RENK erweitert militärische Fertigung in Rheine

Auch RENK baut seine Kapazitäten in Nordrhein-Westfalen aus. Das Unternehmen hat Ende August drei neue Bearbeitungszentren im Werk Rheine in Betrieb genommen. RENK investiert dort bis 2030 mehr als 20 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben wachsen die Verteidigungskapazitäten des Standorts seit 2025 jährlich um mehr als 30 Prozent.

In Rheine werden nun unter anderem Komponenten für den Getriebetyp HSWL 256 gefertigt, der im Schützenpanzer Puma eingesetzt wird. Bislang war das Werk vor allem auf zivile Anwendungen ausgerichtet, beispielsweise Komponenten für Schiffe und Industrieanlagen. Der Anteil der Produktion für militärische Kunden soll nach Angaben des Unternehmens bis 2030 deutlich steigen.

Auch die Belegschaft soll wachsen. Derzeit arbeiten gut 450 Menschen am Standort, bis 2030 sollen es mehr als 500 sein. RENK sucht dafür nach eigenen Angaben insbesondere spezialisierte Fachkräfte. Deutschlandweit will der Konzern bis 2028 bis zu 325 Millionen Euro in Digitalisierung, Innovation und zusätzliche Produktionskapazitäten investieren.

Weitere Rüstungsinvestitionen laufen bereits

Neuss und Rheine stehen nicht allein. In Weeze am Niederrhein hat Rheinmetall bereits 2025 die Produktion von Rumpfmittelteilen für das Kampfflugzeug F-35 aufgenommen. Der Konzern investierte dort rund 200 Millionen Euro. Mehr als 400 hochqualifizierte Arbeitsplätze sind für das Werk vorgesehen. Rheinmetall produziert die Bauteile gemeinsam mit den US-Unternehmen Northrop Grumman und Lockheed Martin.

Auch kleinere und mittelständische Firmen richten ihre Geschäftsmodelle zunehmend auf Verteidigungsaufträge aus. Eine Befragung der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen ergab im März, dass rund 15 Prozent der Industrieunternehmen bereits direkt oder über Zulieferketten im Verteidigungssektor tätig sind. Weitere 13 Prozent prüfen einen Einstieg. Besonders hoch ist das Interesse unter anderem in der Metallindustrie, der Elektrotechnik, der Datenverarbeitung und im Fahrzeugbau.

Wachstum trifft auf schwache klassische Industrie

Damit entwickelt sich die Verteidigungsbranche gegen den Trend großer Teile der Industrie. In der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie arbeiteten 2025 rund 663.000 Menschen. 2019 waren es noch mehr als 730.000. Der Arbeitgeberverband METALL NRW meldete Anfang 2026 weiterhin sinkende Produktion und einen fortgesetzten Beschäftigungsabbau.

Der Ausbau der Rüstungsindustrie kann diese Verluste allerdings nicht vollständig ausgleichen. Dafür ist die klassische Metall-, Maschinenbau- und Fahrzeugindustrie in Nordrhein-Westfalen erheblich größer. Zugleich erleichtert deren Strukturwandel den Rüstungsunternehmen die Suche nach Fachkräften mit Erfahrung in Metallverarbeitung, Fahrzeugbau, Elektronik und industrieller Serienproduktion.

NATO-Ausgaben treiben Nachfrage langfristig

Hinter den Investitionen steht eine dauerhaft höhere staatliche Nachfrage in Europa. Die NATO-Staaten haben sich 2025 darauf verständigt, ihre Verteidigungs- und sicherheitsbezogenen Ausgaben bis 2035 auf insgesamt fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Mindestens 3,5 Prozent sollen auf die eigentlichen Verteidigungsausgaben entfallen. Bis zu 1,5 Prozent können für Infrastruktur, Resilienz und weitere sicherheitsrelevante Bereiche verwendet werden.

Deutschland hat seine Ausgaben ebenfalls deutlich ausgeweitet. Im Bundeshaushalt 2026 sind für Verteidigung und weitere sicherheitsrelevante Bereiche insgesamt 100,9 Milliarden Euro vorgesehen. Das sind nach Angaben des Bundesfinanzministeriums 28,7 Milliarden Euro mehr als die entsprechenden Ausgaben des Vorjahres.

Für Unternehmen wie Rheinmetall und RENK bedeutet dies langfristig größere Auftragsvolumina und die Notwendigkeit zusätzlicher Produktionskapazitäten. Die aktuellen Investitionen in Neuss und Rheine sind damit Teil eines umfassenderen industriellen Umbaus, der in Deutschland und anderen europäischen NATO-Staaten bereits zahlreiche Standorte erfasst hat.

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