
Im Ringen um die Commerzbank zeichnet sich ein neuer Konflikt um die künftige Kontrolle des Frankfurter Geldhauses ab. UniCredit-Chef Andrea Orcel will nach einem Bericht der Financial Times den Aufsichtsrat der Commerzbank deutlich früher und umfassender neu besetzen als bislang erwartet. Betroffen wären demnach sämtliche zehn Vertreter der Anteilseigner im insgesamt 20-köpfigen Kontrollgremium. Die Bundesregierung erhöht zugleich den Druck auf die italienische Großbank und verlangt verbindliche Zusagen für die Zukunft der Commerzbank.
Nach den am Dienstag bekannt gewordenen Angaben erwägt UniCredit, nach Erteilung der noch ausstehenden regulatorischen Genehmigungen eine außerordentliche Hauptversammlung der Commerzbank einzuberufen. Im für UniCredit günstigsten Szenario könnten Veränderungen im Aufsichtsrat bereits im Januar 2027 erfolgen. Als wahrscheinlichere Variante wird laut dem Bericht eine Übernahme der Kontrolle bis Ende Februar genannt.
Dabei soll es nicht lediglich um einzelne Personalien gehen. Vorgesehen sei der Austausch aller zehn Anteilseignervertreter im 20-köpfigen Aufsichtsrat. Die andere Hälfte des Gremiums wird aufgrund der deutschen Mitbestimmungsregeln von Arbeitnehmervertretern gestellt. Die Commerzbank bestätigt auf ihrer Unternehmensseite, dass ihr Aufsichtsrat paritätisch aus Vertretern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer zusammengesetzt ist.
UniCredit und Commerzbank äußerten sich zunächst nicht zu den neuen Angaben. Damit war am Dienstag nicht offiziell bestätigt, dass die italienische Bank tatsächlich eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen oder sämtliche zehn Mandate neu besetzen will. Sollte sich der Zeitplan verzögern, könnten Veränderungen auch erst bei der regulären Commerzbank-Hauptversammlung im Mai 2027 erfolgen.
Der geplante Umbau betrifft möglicherweise auch die Führung der Bank. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Orcel nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Personen einen Wechsel an der Spitze der Commerzbank anstrebt. Vorstandschefin Bettina Orlopp könnte demnach ihren Posten verlieren. Auch eine Ablösung von Aufsichtsratschef Jens Weidmann war bereits Gegenstand entsprechender Berichte.
Eine offizielle Entscheidung über die Personalien gibt es bislang nicht. Der Aufsichtsrat bestellt und entlässt die Mitglieder des Vorstands. Ein umfassender Austausch auf der Anteilseignerseite würde UniCredit deshalb erheblichen Einfluss auf die weitere strategische und personelle Ausrichtung der Commerzbank verschaffen.
Orlopp hatte Anfang September selbst eingeräumt, dass UniCredit durch seinen inzwischen erreichten Anteil faktisch zu einem Kontrollaktionär geworden sei. Zugleich hatten beide Banken Gespräche über die weitere Entwicklung aufgenommen. Die Commerzbank erklärt offiziell, ein konstruktiver Dialog sei der richtige Weg, um eine langfristig tragfähige Lösung zu finden.
Der Commerzbank-Übernahmekampf hat sich seit dem Einstieg von UniCredit erheblich verändert. Die italienische Bank hat sich inzwischen Zugriff auf knapp 50 Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert. Ein Teil der Aktien und der damit verbundenen Stimmrechte kann allerdings erst nach Abschluss der erforderlichen behördlichen Genehmigungsverfahren vollständig übertragen werden.
Die hohe Beteiligung verschafft UniCredit erheblichen Einfluss auf Beschlüsse der Hauptversammlung. Eine vollständige gesellschaftsrechtliche Verschmelzung der beiden Institute wäre damit jedoch nicht automatisch beschlossen. Für weitergehende Strukturmaßnahmen gelten zusätzliche rechtliche und gesellschaftsrechtliche Voraussetzungen.
UniCredit verfolgt die Commerzbank seit 2024. Damals hatte die italienische Bank zunächst Aktien aus dem Bestand des Bundes gekauft und anschließend ihre Position schrittweise ausgebaut. Im Jahr 2026 folgte ein öffentliches Übernahmeangebot. Nach dessen Abschluss erklärte die Commerzbank im Juli, dass UniCredit nach dem Vollzug Zugriff auf knapp 50 Prozent der Stimmrechte haben werde.
Die Bundesregierung versucht unterdessen, Bedingungen für eine mögliche Übernahme festzuschreiben. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte Orcel am 14. September persönlich in Berlin getroffen. Dabei machte die Bundesregierung drei zentrale Interessen deutlich: die Finanzierung des deutschen Mittelstands, den Erhalt Frankfurts als bedeutenden Bankenstandort und die Interessen der mehr als 40.000 Beschäftigten der Commerzbank.
Klingbeil erklärte nach dem Gespräch, die Commerzbank solle eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben und ihr starkes Mittelstandsgeschäft in Deutschland und international fortsetzen. Der Bund will zudem seinen Einfluss als Großaktionär behalten. Dazu gehört nach bisherigen Angaben auch der Wunsch nach zwei Sitzen im Aufsichtsrat.
Gerade bei diesem Punkt besteht ein deutlicher Interessengegensatz. UniCredit lehnt nach bisherigen Angaben aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen die Forderung nach zwei festen Vertreterinnen oder Vertretern des Bundes im Kontrollgremium ab. Eine offizielle Vereinbarung zwischen Bundesregierung und UniCredit über die künftige Besetzung lag bis Dienstagabend nicht vor.
Nach den neuen Berichten über einen beschleunigten Umbau verlangt die Bundesregierung nun rasche und verbindliche Zusagen von UniCredit. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Zusicherungen Orcel zu Unternehmenssitz, Arbeitsplätzen, Mittelstandsfinanzierung und staatlichem Einfluss tatsächlich geben wird.
Eine öffentliche Vereinbarung über diese Punkte existiert bislang nicht. Auch eine abschließende Entscheidung über die künftige Struktur der Commerzbank ist noch nicht gefallen. Die Bundesregierung hat ihre frühere grundsätzliche Ablehnung einer feindlichen Übernahme zuletzt durch Gespräche mit UniCredit ergänzt und erklärt, beide Banken befänden sich inzwischen in konkreten Verhandlungen über ihren weiteren Weg.
Für UniCredit ist Deutschland bereits ein wichtiger Markt. Zum Konzern gehört die HypoVereinsbank mit Sitz in München. Ein Zusammenschluss mit der Commerzbank würde die Position der italienischen Gruppe im deutschen Bankgeschäft erheblich vergrößern. Zugleich hätte die Transaktion über Deutschland hinaus Bedeutung, weil sie zu den größten grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen im europäischen Bankensektor seit der Finanzkrise zählen würde.
Der weitere Zeitplan hängt zunächst von den noch erforderlichen regulatorischen Freigaben ab. Erst danach könnte UniCredit seine knapp 50-prozentige Beteiligung vollständig für Abstimmungen nutzen und den angekündigten Einfluss auf die Unternehmensführung ausweiten.
Sollte tatsächlich eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und die komplette Anteilseignerseite des Aufsichtsrats neu gewählt werden, wäre dies ein entscheidender Schritt bei der Neuordnung der Machtverhältnisse. Ob UniCredit diesen Weg bereits im Januar oder Februar 2027 einschlägt, war am Dienstagabend allerdings noch nicht offiziell bestätigt.






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