
Der DAX hat seine dreitägige Verlustserie beendet und zum Handelsschluss am Donnerstag knapp die Marke von 26.000 Punkten zurückerobert. Der deutsche Leitindex schloss am 3. September 2026 im Xetra-Handel bei 26.003,32 Punkten. Das entsprach einem Tagesplus von 0,63 Prozent. Noch am Vormittag hatte sich der Index nur wenig bewegt und zeitweise deutlich unter 26.000 Punkten notiert.
Damit setzte zumindest vorerst eine Gegenbewegung nach dem deutlichen Rückgang der vergangenen Handelstage ein. Am Freitag hatte der DAX bei 26.618 Punkten noch ein Rekordhoch erreicht. Danach verlor der Index innerhalb von drei Handelstagen mehr als 700 Punkte beziehungsweise fast drei Prozent. Am Mittwoch war er bei 25.839,33 Punkten aus dem Handel gegangen.
Den entscheidenden Impuls erhielt der deutsche Aktienmarkt am Nachmittag aus den USA. Fed-Gouverneur Christopher Waller erklärte, er könne sich bei der nächsten Sitzung der US-Notenbank für unveränderte Leitzinsen aussprechen, sofern die kommenden Inflationsdaten weitere Fortschritte erkennen lassen. Die Erwartungen an eine erneute Zinserhöhung gingen daraufhin etwas zurück.
Für die Aktienmärkte war das relevant, weil steigende Renditen an den internationalen Anleihemärkten in den vergangenen Tagen erheblich zum Verkaufsdruck beigetragen hatten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen war am Mittwoch zeitweise auf den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren geklettert. Am Donnerstag beruhigte sich der globale Anleihemarkt zumindest etwas.
Gleichzeitig blieb das Umfeld angespannt. Die Ölpreise bewegten sich aufgrund der geopolitischen Spannungen am Persischen Golf weiter auf einem hohen Niveau. Brent kostete am Donnerstag zeitweise mehr als 95 Dollar je Barrel. Höhere Energiepreise können die Inflation verstärken und damit den Spielraum der großen Notenbanken für Zinssenkungen beziehungsweise unveränderte Zinsen begrenzen.
Unter den deutschen Standardwerten ragten am Donnerstag die Volkswagen-Vorzugsaktien heraus. Sie schlossen im Xetra-Handel mit einem Plus von rund 3,6 Prozent bei etwa 76,36 Euro und waren damit stärkster Wert im DAX. Kursstand: 3. September 2026, Xetra-Handelsschluss, Quelle dpa-AFX beziehungsweise Marktdaten über Investing.com.
Im Tagesverlauf erhielten die Aktien zusätzlichen Auftrieb durch einen Bericht der Wirtschaftswoche über mögliche Beteiligungsverkäufe. Demnach könnte Volkswagen unter anderem seine Beteiligung an der Nutzfahrzeugholding Traton verringern. Eine offizielle Bestätigung für konkrete Verkaufsentscheidungen lag zunächst nicht vor. Der Bericht war daher nicht mit einem bereits beschlossenen Beteiligungsverkauf gleichzusetzen.
Der Kursanstieg fällt unmittelbar vor eine wichtige Aufsichtsratssitzung des Konzerns. Das Volkswagen-Kontrollgremium kommt am Freitag, 4. September, zusammen. Im Mittelpunkt stehen Pläne für einen weitreichenden Umbau des Konzerns. Der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume strebt weitere Kostensenkungen und Kapazitätsanpassungen an. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen vertreten teilweise andere Positionen. Reuters zufolge liegen unterschiedliche Vorschläge für die künftige Struktur des Konzerns auf dem Tisch.
Berichte über konkrete Werksschließungen sind dabei bislang nicht mit endgültigen Beschlüssen gleichzusetzen. Reuters berichtete unter Berufung auf die Wirtschaftswoche, das Management habe vorgeschlagen, die Produktion an vier deutschen Standorten zwischen 2031 und 2034 einzustellen. Volkswagen wollte den Inhalt interner Aufsichtsratsunterlagen gegenüber Reuters nicht kommentieren.
Einen Tag vor der Sitzung bestätigte Volkswagen dagegen eine personelle Veränderung im Kontrollgremium. Marianne Heiß kehrt mit sofortiger Wirkung in den Aufsichtsrat zurück und übernimmt auch den Vorsitz des Prüfungsausschusses. Damit ist das 20-köpfige Gremium wieder vollständig besetzt.
Zu den stärkeren DAX-Werten gehörte außerdem SAP. Die Aktie schloss nach Marktdaten von Investing.com rund 2,3 Prozent höher bei 185,58 Euro. Kursstand: 3. September 2026, nach dem Xetra-Handelsschluss, Quelle Investing.com. Die europäischen Softwarewerte erhielten Unterstützung durch die positiv aufgenommenen Umsatzprognosen des US-Cloudanbieters Snowflake.
Auch die Deutsche Telekom gewann rund 1,1 Prozent auf 28,75 Euro. Kursstand: 3. September 2026, nach Xetra-Schluss, Quelle Investing.com. Hintergrund waren unter anderem Berichte über den Einstieg des aktivistischen Investors Elliott. Eine Stellungnahme der beteiligten Seiten zu den berichteten Überlegungen lag zunächst nicht vor.
Auf der schwächeren Seite standen unter anderem Rheinmetall und Fresenius Medical Care. Die Rheinmetall-Aktie lag am frühen Nachmittag zeitweise mehr als zwei Prozent im Minus. Fresenius Medical Care gab ebenfalls nach. Die genaue Reihenfolge der DAX-Verlierer veränderte sich während des Tages, während der Gesamtmarkt erst am Nachmittag deutlich ins Plus drehte.
Auch von der Wall Street kamen positive Signale. Zum europäischen Handelsschluss lagen der Dow Jones Industrial Average und der technologielastige Nasdaq 100 jeweils gut ein Prozent im Plus. Reuters zufolge gewann der Dow im weiteren Verlauf zeitweise rund 1,2 Prozent, der S&P 500 rund 0,9 Prozent und der Nasdaq Composite etwa 1,2 Prozent. Stand dieser US-Kurse: 3. September 2026, während des laufenden US-Handels, Quelle Reuters.
Neben Wallers Aussagen beeinflussten aktuelle Konjunkturdaten die Stimmung. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen leicht, während der US-Dienstleistungssektor weiter Wachstum signalisierte. Gleichzeitig richtet sich der Blick der Märkte auf den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Seine Daten können die Erwartungen an die weitere Geldpolitik der Federal Reserve erneut verändern.
Auch der breitere europäische Aktienmarkt erholte sich. Der EuroStoxx 50 beendete den Donnerstag mit einem Plus von 0,32 Prozent bei 6.382,59 Punkten. Kursstand: 3. September 2026, europäischer Handelsschluss, Quelle dpa-AFX über Investing.com. Der marktbreite Stoxx Europe 600 legte ebenfalls zu und beendete damit eine dreitägige Verlustserie.
Die Rückkehr des DAX über die Schwelle von 26.000 Punkten fiel mit 26.003,32 Zählern allerdings äußerst knapp aus. Vom Rekordhoch bei 26.618 Punkten blieb der Leitindex weiterhin mehr als 600 Punkte entfernt. Maßgeblich für die nächsten Handelstage dürften neben den Entwicklungen am Öl- und Anleihemarkt vor allem die US-Konjunkturdaten und die daraus abgeleiteten Zinserwartungen bleiben.
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