So viel verdienen die Chefs der DAX-Aufsichtsräte

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Vorsitzenden der Aufsichtsräte großer deutscher Börsenkonzerne erhalten für ihre Tätigkeit mehrere Hunderttausend Euro im Jahr. Im internationalen Vergleich liegen die deutschen Vergütungen allerdings deutlich unter dem Niveau vieler anderer europäischer Großunternehmen. Eine aktuelle Auswertung des Beratungsunternehmens Mercer beziffert die durchschnittliche Gesamtvergütung eines Aufsichtsratsvorsitzenden im DAX für das Geschäftsjahr 2025 auf rund 465.000 Euro.

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Damit fällt die Vergütung von Aufsichtsräten in DAX-Konzernen im europäischen Vergleich relativ niedrig aus. Mercer kommt für die 150 größten börsennotierten Unternehmen Europas, gemessen an der Marktkapitalisierung, auf eine durchschnittliche Vergütung der jeweiligen Vorsitzenden von 879.000 Euro. Der europäische Durchschnitt liegt damit fast doppelt so hoch wie der DAX-Wert.

Zwischen 200.000 und 950.000 Euro im DAX

Innerhalb des deutschen Leitindex gibt es erhebliche Unterschiede. Nach der Mercer-Auswertung erhielt Alexander Wynaendts, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, für das Geschäftsjahr 2025 insgesamt 950.000 Euro. Die Deutsche Bank bestätigt diese Summe in ihrem eigenen Vergütungsbericht. Dort wird die Vergütung für Wynaendts vollständig als Grundvergütung ausgewiesen.

Am unteren Ende der Mercer-Auswertung lag die Porsche Automobil Holding SE. Für deren Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche wurden 200.000 Euro genannt. Damit liegt die Spanne zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert bei nahezu dem Fünffachen. Mercer beschreibt die Vergütungslandschaft im DAX entsprechend als stark unterschiedlich ausgeprägt.

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Auch eine separate Untersuchung von Russell Reynolds Associates bestätigt die großen Unterschiede. Für 2025 stieg die Vergütung der jeweils höchstbezahlten Aufsichtsratsmitglieder der DAX-Konzerne, bei denen es sich in der Regel um die Vorsitzenden handelt, nach dieser Auswertung um drei Prozent auf durchschnittlich 441.000 Euro. Die niedrigsten Vergütungen innerhalb der untersuchten Gremien lagen im Mittel bei 141.000 Euro. Wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden sind die Werte nicht unmittelbar mit den Mercer-Zahlen gleichzusetzen.

Deutsche Bank hebt Vergütung weiter an

Bei der Deutschen Bank steigt die Vergütung des Aufsichtsratsvorsitzenden 2026 noch einmal deutlich. Die Hauptversammlung stimmte am 28. Mai 2026 einer Erhöhung der festen jährlichen Grundvergütung des Vorsitzenden von 950.000 auf 1,15 Millionen Euro zu. Für stellvertretende Vorsitzende steigt sie von 475.000 auf 550.000 Euro, für reguläre Aufsichtsratsmitglieder von 300.000 auf 350.000 Euro. Der Beschluss erhielt 96,84 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen.

Die Deutsche Bank begründete die Anpassung unter anderem mit gestiegenen Anforderungen an das Gremium und einem komplexen regulatorischen Umfeld. Das Unternehmen erklärte zudem, die bisherige Vergütung sei aus seiner Sicht nicht mehr ausreichend wettbewerbsfähig gewesen, um hochqualifizierte Aufsichtsratsmitglieder zu gewinnen und langfristig zu halten.

Auch andere große DAX-Konzerne zahlen deutlich über dem Durchschnitt. Bei Volkswagen liegt die feste jährliche Vergütung für den Vorsitz des Aufsichtsrats bei 510.000 Euro. Für Hans Dieter Pötsch weist Volkswagen für 2025 einschließlich Ausschussarbeit und Sitzungsgeldern eine Vergütung von 710.986 Euro aus der Tätigkeit im Aufsichtsrat der Volkswagen AG aus. Hinzu kamen 679.000 Euro für Mandate in weiteren Konzerngesellschaften.

Europas Durchschnitt wird von der Schweiz nach oben gezogen

Der Abstand zwischen Deutschland und Europa bedeutet nicht, dass sämtliche europäischen Länder höhere Aufsichtsratsvergütungen zahlen. Mercer weist ausdrücklich darauf hin, dass der Durchschnitt der 150 größten europäischen Börsenunternehmen insbesondere durch das hohe Vergütungsniveau in der Schweiz beeinflusst wird.

Internationale Vergleiche sind außerdem nur eingeschränkt möglich, weil sich die Unternehmensführungssysteme unterscheiden. In Deutschland gilt grundsätzlich das dualistische Modell mit getrenntem Vorstand und Aufsichtsrat. Der Vorstand führt das Unternehmen, der Aufsichtsrat kontrolliert und berät ihn.

In anderen Ländern sind sogenannte One-Tier-Systeme verbreitet, bei denen geschäftsführende und nicht geschäftsführende Mitglieder in einem gemeinsamen Verwaltungsrat sitzen. Auch die Funktionen von Chairman und Chief Executive Officer können anders verteilt sein. Mercer weist deshalb darauf hin, dass insbesondere Vergleiche mit den USA nur begrenzt aussagekräftig sind, wenn dort der Vorsitz des Verwaltungsrats und die operative Unternehmensführung teilweise in einer Person zusammenfallen.

Gesetz setzt keine feste Obergrenze fest

Wie viel ein Aufsichtsratsmitglied in Deutschland verdienen darf, wird nicht durch eine allgemeine gesetzliche Höchstsumme bestimmt. Nach Paragraf 113 des Aktiengesetzes kann die Vergütung in der Satzung festgelegt oder von der Hauptversammlung beschlossen werden. Sie soll in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben des jeweiligen Aufsichtsratsmitglieds und zur Lage des Unternehmens stehen. Bei börsennotierten Gesellschaften muss mindestens alle vier Jahre über die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder beschlossen werden.

Auch der Deutsche Corporate Governance Kodex berücksichtigt unterschiedliche Verantwortlichkeiten innerhalb des Gremiums. Nach Empfehlung G.17 soll der höhere zeitliche Aufwand von Vorsitzenden, stellvertretenden Vorsitzenden sowie Vorsitzenden und Mitgliedern von Ausschüssen bei der Vergütung angemessen berücksichtigt werden. Der Kodex empfiehlt grundsätzlich eine feste Vergütung. Falls dennoch erfolgsabhängige Bestandteile vorgesehen sind, sollen sie auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens ausgerichtet sein.

Die Entwicklung dürfte damit zunehmend von zwei Faktoren bestimmt werden: den steigenden Anforderungen an Aufsichtsgremien und dem Wettbewerb um erfahrene Mitglieder. Schon für 2025 zeigen mehrere Untersuchungen, dass die Vergütungen im DAX zwar weiter gestiegen sind, Deutschland bei den größten europäischen Unternehmen aber weiterhin unter dem dort gemessenen Durchschnitt liegt.

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