Mehr als 20 Jahre Rente: Was die aktuellen Zahlen wirklich zeigen

Erbschaftsteuer vor dem Umbruch? Was sich für Erben ändern könnte
Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

Teilen:

Menschen in Deutschland erhalten Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung heute deutlich länger als noch vor einigen Jahrzehnten. Nach den jüngsten Zahlen für 2025 lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei Versichertenrenten bei 20,7 Jahren. Männer kamen demnach auf durchschnittlich 19,1 Jahre, Frauen auf 22,2 Jahre. Die Kennzahl beschreibt allerdings nicht, wie lange ein Mensch, der heute in den Ruhestand geht, künftig Rente beziehen wird. Sie beruht auf den im jeweiligen Berichtsjahr beendeten Rentenfällen und umfasst Versichertenrenten, zu denen neben Altersrenten auch Renten wegen Erwerbsminderung gehören.

Anzeige

Gleichzeitig gehen Beschäftigte heute im Durchschnitt später in Altersrente als noch um die Jahrtausendwende. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung lag das durchschnittliche Zugangsalter zu Altersrenten 2025 bei 64,7 Jahren. Im Jahr 2000 waren es noch 62,3 Jahre.

Rentenbezugsdauer hat langfristig stark zugenommen

Der langfristige Vergleich zeigt, wie stark sich die Zeit mit Rentenbezug verändert hat. Für das Jahr 1995 weist die Deutsche Rentenversicherung bundesweit eine durchschnittliche Bezugsdauer von Versichertenrenten von 15,8 Jahren aus. 2010 waren es 18,5 Jahre und 2024 bereits 20,5 Jahre. Bei Männern lag der Wert 2024 bei 18,9 Jahren, bei Frauen bei 22,1 Jahren.

Die Statistik ist dabei als Rückblick zu verstehen. Die Deutsche Rentenversicherung berechnet die Bezugsdauer anhand weggefallener Renten. Entscheidend ist der Zeitraum zwischen Rentenbeginn und Rentenwegfall. Zudem weist die Rentenversicherung darauf hin, dass sich Rechtsänderungen, Sondereffekte und die Altersstruktur auf die jährlichen Durchschnittswerte auswirken können.

Anzeige

Dass Frauen im Durchschnitt länger Rente erhalten als Männer, hängt unter anderem mit ihrer höheren Lebenserwartung zusammen. Hinzu kommen Unterschiede in den Rentenbiografien älterer Generationen.

Altersrente beginnt im Schnitt mit 64,7 Jahren

Während die Dauer des Rentenbezugs langfristig gestiegen ist, hat sich auch der Rentenbeginn nach hinten verschoben. Das durchschnittliche Alter beim erstmaligen Bezug einer Altersrente lag nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung sowohl bei Männern als auch bei Frauen 2025 bei 64,7 Jahren.

Zum Vergleich: 2000 lag das durchschnittliche Zugangsalter bei Altersrenten bei 62,3 Jahren. Als Gründe nennt die Rentenversicherung insbesondere höhere Altersgrenzen sowie das Auslaufen früherer Rentenarten, die teilweise bereits ab 60 Jahren bezogen werden konnten.

Das tatsächliche durchschnittliche Zugangsalter ist nicht mit der gesetzlichen Regelaltersgrenze gleichzusetzen. Diese wird seit 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre erhöht. Für den Geburtsjahrgang 1960 liegt sie bei 66 Jahren und vier Monaten, für den Jahrgang 1961 bei 66 Jahren und sechs Monaten. Für Menschen des Jahrgangs 1964 und später gilt nach derzeitiger Rechtslage die Regelaltersgrenze von 67 Jahren.

Daneben gibt es Altersrenten, die bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen früher beginnen können. Deshalb kann der statistische Durchschnitt des tatsächlichen Rentenbeginns unterhalb der jeweiligen Regelaltersgrenze liegen.

Lebenserwartung ist nicht gleich Rentendauer

Eine zweite häufig verwendete Zahl liefert das Statistische Bundesamt. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland für Männer bei 79,1 Jahren und für Frauen bei 83,6 Jahren. Beide Werte erreichten damit nach Angaben von Destatis neue Höchststände.

Für die Frage nach der möglichen Lebenszeit im Ruhestand ist die sogenannte fernere Lebenserwartung im höheren Alter jedoch aussagekräftiger als die Lebenserwartung bei Geburt.

Ein 65-jähriger Mann hatte unter den Sterblichkeitsverhältnissen des Jahres 2025 statistisch noch 18,2 Lebensjahre vor sich. Bei einer 65-jährigen Frau waren es 21,2 Jahre. Das entspricht rechnerisch einem durchschnittlich erreichbaren Alter von 83,2 Jahren bei Männern und 86,2 Jahren bei Frauen.

Diese Werte sind ebenfalls keine Vorhersage darüber, wie alt eine bestimmte Person wird. Die vom Statistischen Bundesamt verwendeten Periodensterbetafeln beschreiben die Sterblichkeitsverhältnisse eines bestimmten Zeitraums. Individuelle Lebensdauer, Gesundheitszustand oder persönlicher Rentenbeginn lassen sich daraus nicht bestimmen.

Warum sich Renteneintritt und Lebenserwartung nicht einfach verrechnen lassen

Es wäre deshalb falsch, das durchschnittliche Renteneintrittsalter von 64,7 Jahren einfach von einer allgemeinen Lebenserwartung abzuziehen und das Ergebnis als durchschnittliche Rentendauer auszugeben.

Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen statistischen Konzepten. Das Rentenzugangsalter betrachtet Menschen, die in einem bestimmten Jahr erstmals Altersrente erhalten. Die Rentenbezugsdauer basiert dagegen auf beendeten Rentenfällen. Die Lebenserwartung wiederum wird aus altersspezifischen Sterbewahrscheinlichkeiten errechnet.

Auch der Begriff Ruhestand ist nicht deckungsgleich mit Rentenbezug. Menschen können eine Altersrente beziehen und weiterhin arbeiten. Umgekehrt können Versicherte bereits vor dem üblichen Rentenalter eine Erwerbsminderungsrente erhalten.

Deutschland mit vergleichsweise hoher gesetzlicher Altersgrenze

Auch international unterscheiden sich die Rentensysteme erheblich. Für einen Modellfall mit vollständiger Erwerbsbiografie ab dem Alter von 22 Jahren setzte die OECD die reguläre Altersgrenze in Deutschland für 2024 bei 66,2 Jahren an. Der OECD-Durchschnitt lag bei 64,7 Jahren für Männer und 63,9 Jahren für Frauen. In Ländern wie Dänemark, Island und Norwegen lag die reguläre Altersgrenze bereits bei 67 Jahren.

Die OECD erwartet auf Grundlage der bereits geltenden Gesetze, dass das durchschnittliche reguläre Rentenalter in ihren Mitgliedstaaten langfristig weiter steigt. Für Deutschland sieht das geltende Recht bislang eine allgemeine Regelaltersgrenze von 67 Jahren für die Geburtsjahrgänge ab 1964 vor.

Damit stehen zwei Entwicklungen nebeneinander: Menschen erreichen im Durchschnitt ein höheres Lebensalter und beziehen ihre Rente langfristig länger als frühere Generationen, zugleich wurde der Renteneintritt schrittweise nach hinten verschoben. Wie viele Rentenjahre ein einzelner Mensch tatsächlich erlebt, lässt sich aus diesen Durchschnittswerten jedoch nicht vorhersagen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu