
Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag, 18. August 2026, nachgegeben. Gegen 13.06 Uhr stand der DAX bei rund 26.266 Punkten und damit etwa 0,28 Prozent unter seinem Vortagesniveau. Deutlich stärker unter Druck geriet der Halbleiterkonzern Infineon. Die Aktie verlor zeitweise knapp fünf Prozent und war damit der schwächste Wert im deutschen Leitindex. Von einem breiten Einbruch aller deutschen Technologiewerte konnte allerdings keine Rede sein: SAP gehörte gleichzeitig zu den stärkeren DAX-Titeln.
Belastet wurde die Stimmung an den internationalen Börsen vor allem durch wieder steigende Energiepreise und höhere Renditen an den Anleihemärkten. Dahinter stehen erneut wachsende Sorgen über den Konflikt zwischen den USA und Iran. Das im Juni vereinbarte und auf 60 Tage angelegte Memorandum zwischen beiden Ländern ist ausgelaufen. Washington schloss eine Verlängerung aus.
Der Rückgang des DAX blieb zunächst überschaubar. Der Index war mit einem Minus von 0,22 Prozent bei 26.280,86 Punkten in den Handel gestartet und bewegte sich anschließend weiter in negativem Terrain. Erst in der vergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex bei rund 26.573 Punkten ein Rekordhoch erreicht. Die aktuellen Verluste bedeuten damit bislang keinen tiefen Rückschlag, sondern einen Rücksetzer in der Nähe historisch hoher Kurse.
Auch innerhalb des DAX zeigte sich kein einheitliches Bild. DHL Group, Deutsche Telekom und SAP lagen am Mittag im Plus. SAP gewann zeitweise rund 1,3 Prozent. Demgegenüber verlor Infineon etwa 4,9 Prozent. Siemens Energy gab rund 3,5 Prozent ab. Auch Heidelberg Materials, Siemens und Continental gehörten zu den schwächeren Werten.
Besonders auffällig war die Schwäche von Infineon. Gegen 12.49 Uhr wurde die Aktie bei 58,91 Euro geführt, knapp 4,9 Prozent unter dem Vortagesschluss. Damit lag der Halbleiterhersteller deutlich am Ende der DAX-Tabelle. Die Entwicklung passte in ein europaweit schwieriges Umfeld für Technologieaktien. Der europäische Technologieindex verlor am Vormittag rund 1,8 Prozent und war damit der schwächste große Sektor im Stoxx 600.
Die zunächst genannte Einordnung Zalandos als größter DAX-Verlierer bestätigte sich dagegen nicht. Um 12.48 Uhr lag die Zalando-Aktie bei 22,82 Euro und damit rund 0,2 Prozent über ihrem Vortagesschluss. Der Onlinehändler gehörte zu diesem Zeitpunkt also weder zu den größten Verlierern noch zu den Unternehmen, die den DAX wesentlich nach unten zogen.
Ein wichtiger Belastungsfaktor für die internationalen Finanzmärkte blieb der Ölpreis. Brent-Rohöl stieg zeitweise auf rund 91 Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit Ende Juli. Hintergrund sind die schwindenden Hoffnungen auf eine dauerhafte Einigung zwischen Washington und Teheran. Die USA wollen die im Juni geschlossene befristete Vereinbarung nicht verlängern.
Zugleich erklärte ein hochrangiger iranischer Vertreter gegenüber Reuters, Iran wolle wegen der festgefahrenen Verhandlungen zu einer vollständig offensiven militärischen Haltung übergehen. Welche konkreten militärischen Schritte daraus folgen, war zunächst offen. Für die Rohstoffmärkte ist vor allem die Lage rund um die Straße von Hormus entscheidend, weil eine länger anhaltende Einschränkung des Öltransports die globale Versorgung und damit die Energiepreise beeinflussen kann.
Höhere Ölpreise treffen Europa besonders über die Energieimporte. Sie können die Kosten für Unternehmen erhöhen und zugleich den Inflationsdruck verstärken. Diese Kombination ist für Aktienmärkte problematisch, weil sie sowohl Unternehmensgewinne als auch die Geldpolitik beeinflussen kann.
Neben dem Ölpreis sorgen die Anleihemärkte für zusätzlichen Gegenwind. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg am Dienstag zeitweise auf 5,327 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007. Auch an den europäischen und japanischen Anleihemärkten waren die Renditen zuletzt deutlich gestiegen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen hatte bereits am Montag den höchsten Stand seit Mai 2011 erreicht.
Steigende langfristige Zinsen können Aktien auf mehreren Wegen belasten. Anleihen werden als Alternative attraktiver, gleichzeitig verteuert sich die Finanzierung für Unternehmen. Besonders wachstumsorientierte und kapitalintensive Unternehmen reagieren häufig empfindlich auf höhere Renditen, weil zukünftige Gewinne bei höheren Zinssätzen niedriger bewertet werden. Dies spielt derzeit auch bei Unternehmen eine Rolle, die hohe Summen in Rechenzentren und Infrastruktur für künstliche Intelligenz investieren.
Der DAX steht mit seinen Verlusten nicht allein. Der europäische Stoxx 600 verlor am Vormittag rund 0,5 Prozent und steuerte damit auf seinen fünften schwächeren Handelstag in Folge zu. Gleichzeitig lagen auch die US-Futures vor Handelsbeginn an der Wall Street im Minus. Futures auf den Nasdaq 100 verloren zeitweise mehr als ein Prozent.
Damit bestimmen am Dienstag mehrere Faktoren gleichzeitig das Börsengeschehen: höhere Energiepreise, steigende langfristige Zinsen und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung im Konflikt zwischen den USA und Iran. Am deutschen Aktienmarkt fällt die Reaktion bislang jedoch sehr unterschiedlich aus. Während Infineon deutlich verliert, halten sich andere DAX-Werte stabil oder legen sogar zu. Der DAX selbst bleibt trotz seines Rückgangs nur vergleichsweise wenig unter seinem jüngsten Rekordniveau.
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