DAX-Rally verliert an Breite: Wenige Aktien stützen den Index

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der DAX hat 2026 neue Rekorde erreicht, doch hinter der Entwicklung des deutschen Leitindex steckt eine ungewöhnlich große Spreizung. Zum Xetra-Schluss am Freitag, 18. September 2026, stand der DAX bei 25.296,44 Punkten und damit 1,63 Prozent niedriger als am Vortag. Seit Jahresbeginn lag das Börsenbarometer damit noch rund 3,1 Prozent im Plus. Vom bisherigen Rekordhoch bei 26.618,74 Punkten am 28. August hatte sich der Index jedoch bereits deutlich entfernt.

Die DAX-Rally 2026 steht damit auf einer vergleichsweise schmalen Basis. Während einige Unternehmen seit Jahresbeginn zweistellige Kursgewinne verzeichnen, liegt ein großer Teil der 40 Indexmitglieder deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurück. Unklar blieb zunächst, ob tatsächlich exakt neun DAX-Aktien im laufenden Jahr ein neues Allzeithoch erreicht haben. Für diese konkrete Zahl lag zunächst keine unabhängig bestätigte Gesamtstatistik aller 40 Werte vor. Die starke Spreizung der Kursentwicklung ist anhand der Börsendaten dagegen eindeutig erkennbar.

Infineon und RWE gehören zu den stärksten DAX-Werten

Besonders kräftig entwickelte sich 2026 bislang Infineon. Die Aktie lag am 18. September im Jahresvergleich seit Anfang Januar rund 48 Prozent im Plus. Am Freitag schloss sie im Xetra-Handel bei 55,86 Euro und gewann an diesem schwachen Börsentag 2,68 Prozent.

Auch RWE zählt zu den auffälligen Gewinnern. Der Energiekonzern kam seit Jahresbeginn auf ein Plus von rund 33,5 Prozent. Bayer lag rund 30 Prozent über dem Stand zum Jahreswechsel, Symrise rund 29 Prozent. Die Aktie der Deutschen Börse hatte seit Jahresbeginn gut 24 Prozent hinzugewonnen.

Weitere Unterstützung kam von Brenntag, DHL Group, Hochtief und Siemens Energy. Bei diesen Titeln lagen die Kursgewinne seit Jahresbeginn am 18. September jeweils im hohen einstelligen bis deutlich zweistelligen Prozentbereich. Siemens Energy kam auf rund 17 Prozent Plus.

Damit zeigt sich zugleich, dass die stärksten Aktien nicht ausschließlich aus einer Branche stammen. Halbleiter, Energie, Chemie, Logistik und Infrastruktur haben zeitweise gleichermaßen zur Indexentwicklung beigetragen.

Rheinmetall und Autowerte bremsen den Index

Auf der anderen Seite stehen zahlreiche DAX-Unternehmen mit erheblichen Verlusten. Besonders schwach entwickelten sich bis zum 18. September die Aktien von Heidelberg Materials und Rheinmetall. Beide lagen seit Jahresbeginn mehr als 35 Prozent im Minus.

Rheinmetall schloss am Freitag im Xetra-Handel bei rund 1.015 Euro. Der Rüstungskonzern hatte zuvor bereits deutlich höhere Kurse erreicht, konnte diese aber nicht halten. Damit gehört ausgerechnet eine Aktie, die in früheren Börsenphasen stark zur DAX-Entwicklung beigetragen hatte, inzwischen zu den schwächsten Titeln des Jahres.

Auch die deutschen Autokonzerne stehen unter Druck. BMW lag seit Jahresbeginn rund 35 Prozent im Minus, Mercedes-Benz etwa 27 Prozent. Volkswagen verlor rund 26 Prozent. Am Freitag verschärften sich die Verluste bei mehreren Autowerten nochmals. Belastend wirken unter anderem die schwache Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten und die schwierige Lage des Geschäfts in China.

Vonovia lag am 18. September seit Jahresbeginn knapp 28 Prozent im Minus. Beiersdorf verlor rund 21 Prozent, Siemens Healthineers knapp 16 Prozent, adidas ebenfalls knapp 16 Prozent.

Auch SAP gehört 2026 zu den Verlierern

Bemerkenswert ist die Entwicklung von SAP. Der Softwarekonzern gehört wegen seiner hohen Marktkapitalisierung zu den wichtigsten DAX-Schwergewichten und besitzt entsprechend großen Einfluss auf den Index.

Die SAP-Aktie schloss am 18. September im Xetra-Handel bei 183,12 Euro und lag damit rund 12 Prozent unter dem Niveau vom Jahresanfang. Allein am Freitag verlor der Titel 2,6 Prozent.

Damit fehlt dem DAX 2026 zeitweise die Unterstützung eines seiner größten Einzelwerte. Eine solche Entwicklung kann erklären, warum deutliche Kurssteigerungen einzelner kleinerer oder mittelgroßer Indexmitglieder nicht automatisch in entsprechend starke Zuwächse des gesamten DAX übersetzt werden.

Fed erhöht erstmals seit drei Jahren die Zinsen

Neben der Entwicklung einzelner Unternehmen bestimmen die großen Notenbanken derzeit maßgeblich das Börsenumfeld. Die US-Notenbank Federal Reserve erhöhte am Mittwoch, 16. September 2026, ihre Leitzinsspanne um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent.

Es war die erste Zinserhöhung der Fed seit mehr als drei Jahren. Die US-Notenbank begründete den Schritt mit weiterhin erhöhtem Inflationsdruck. In den neuen Projektionen gingen 16 von 18 Mitgliedern des zuständigen Ausschusses davon aus, dass bis zum Jahresende mindestens ein weiterer Zinsschritt nach oben erforderlich sein könnte.

Höhere US-Zinsen wirken auch auf europäische Aktienmärkte. Steigende Renditen von Staatsanleihen erhöhen die Finanzierungskosten und verändern die relative Attraktivität verschiedener Anlageklassen. Nach der Fed-Entscheidung stiegen die Renditen amerikanischer Staatsanleihen deutlich.

Bank of Japan hebt Leitzins auf 1,25 Prozent an

Auch Japan verschärft seine Geldpolitik. Die Bank of Japan erhöhte ihren Leitzins am Freitag, 18. September, von 1,0 auf 1,25 Prozent. Damit erreichte der japanische Leitzins den höchsten Stand seit 31 Jahren.

Die Entscheidung fiel mit sieben zu zwei Stimmen. Notenbankchef Kazuo Ueda verwies auf das Risiko, dass sich der zugrunde liegende Inflationsdruck oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels festsetzen könnte. Weitere Zinserhöhungen schloss er nicht aus.

Für internationale Aktienmärkte ist die Entwicklung in Japan relevant, weil der Yen jahrzehntelang als besonders günstige Finanzierungswährung genutzt wurde. Steigende japanische Zinsen können globale Kapitalströme verändern und die Finanzierung entsprechender Strategien verteuern.

Nahostkonflikt hält Ölpreise über 100 Dollar

Zusätzliche Unsicherheit kommt vom Energiemarkt. Der Preis für die Nordseesorte Brent lag zum Handelsschluss am Freitag bei 104,87 US-Dollar je Barrel. US-Rohöl der Sorte WTI schloss bei 100,30 Dollar.

Hintergrund sind die anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und Risiken für wichtige Förderanlagen und Transportrouten. Angriffe auf saudische Energieinfrastruktur sowie die eingeschränkte Passage durch die Straße von Hormus haben die Sorge vor Lieferausfällen verstärkt.

Für Unternehmen in Europa sind dauerhaft hohe Öl- und Energiepreise in mehrfacher Hinsicht relevant. Sie können Produktions- und Transportkosten erhöhen und zugleich den Inflationsdruck verstärken. Das wiederum beeinflusst die Entscheidungen der Notenbanken und damit die Bewertung von Aktien.

Rekordindex verdeckt große Unterschiede im DAX

Der Blick allein auf den DAX-Stand vermittelt deshalb nur einen Teil des Bildes. Der Index erreichte am 28. August ein Rekordhoch von 26.618,74 Punkten und lag Ende August noch 7,2 Prozent über dem Jahresbeginn. Bis zum 18. September schrumpfte das Jahresplus auf rund 3,1 Prozent.

Gleichzeitig reicht die Spanne der Einzelwerte von knapp 50 Prozent Kursgewinn bei Infineon bis zu Verlusten von mehr als 35 Prozent bei mehreren Unternehmen. Mehr als ein Dutzend DAX-Aktien lag Mitte September seit Jahresbeginn im Minus.

Die Entwicklung zeigt, wie unterschiedlich Branchen und Geschäftsmodelle derzeit auf hohe Energiepreise, steigende Zinsen und geopolitische Risiken reagieren. Ob sich die Kursentwicklung künftig auf mehr Unternehmen verteilt, hängt damit nicht nur von der deutschen Konjunktur ab. Auch die weitere Geldpolitik in den USA und Japan sowie die Entwicklung des Nahostkonflikts bleiben zentrale Einflussfaktoren für den deutschen Aktienmarkt.

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