
Der DAX am Donnerstagmorgen, 5. November 2026, steht im Zeichen der US-Zwischenwahlen und zahlreicher Unternehmenszahlen. Nach dem deutlichen Kursanstieg vom Mittwoch rückte der deutsche Leitindex vor Handelsbeginn nahe an seinen bisherigen Rekordstand heran. Während die Deutsche Telekom ihre Jahresziele erneut erhöhte, geriet Rheinmetall nach einer gesenkten Prognose unter Druck. Auch Siemens Healthineers und der deutlich gefallene Ölpreis bestimmen das Marktgeschehen.
Am Mittwoch hatte der DAX den Xetra-Handel mit einem Gewinn von 2,22 Prozent bei 26.437,67 Punkten beendet. Der Zuwachs entsprach 573,05 Punkten und brachte den deutschen Leitindex wieder in die Nähe seines bisherigen Allzeithochs. Dieses lag bei rund 26.618 Punkten und war im August 2026 erreicht worden.
Für Donnerstag deuteten die vorbörslichen Indikatoren zunächst auf weitere Kursgewinne hin. Nach Angaben von dpa-AFX vom 5. November, 8:22 Uhr, signalisierte der X-DAX einen Anstieg um etwa 0,6 Prozent auf 26.594 Punkte. Damit fehlten rechnerisch nur noch rund 24 Punkte zum bisherigen Rekord.
Der X-DAX ist allerdings eine vorbörsliche Indikation und nicht mit dem offiziellen Indexstand während des regulären Xetra-Handels gleichzusetzen. Ob der DAX tatsächlich ein neues Allzeithoch erreicht, hängt von der weiteren Kursentwicklung ab. Der reguläre Xetra-Handel beginnt um 9 Uhr.
Wesentlichen Einfluss auf die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten hatte das Ergebnis der US-Zwischenwahlen vom 3. November. Die Demokratische Partei gewann sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit. Damit verändern sich die politischen Kräfteverhältnisse in Washington erheblich.
Der republikanische Präsident Donald Trump muss künftig mit einem von den Demokraten kontrollierten Kongress zusammenarbeiten. Dieser kann Gesetzesvorhaben blockieren und die Regierung stärker kontrollieren. Gleichzeitig bleiben dem Präsidenten erhebliche Befugnisse, insbesondere in der Außen- und Handelspolitik.
An den Börsen wurde das Wahlergebnis zunächst überwiegend positiv aufgenommen. Investoren verbinden die neuen Mehrheitsverhältnisse teilweise mit der Erwartung, dass politische Entscheidungen künftig stärker ausgehandelt werden müssen und abrupte Veränderungen erschwert werden könnten.
Eine Garantie für wirtschaftliche Stabilität ergibt sich daraus nicht. Gerade für international tätige Unternehmen bleiben die amerikanische Zollpolitik, geopolitische Konflikte und mögliche Veränderungen der Handelsbeziehungen wichtige Einflussfaktoren.
Unter den deutschen Einzelwerten stand am Donnerstag besonders Rheinmetall im Mittelpunkt. Der Rüstungskonzern hatte seine Jahresprognose für 2026 nach unten korrigiert.
Statt des zuvor erwarteten Umsatzes zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro rechnet Rheinmetall nun mit rund 13,2 Milliarden Euro. Auch die erwartete operative Ergebnismarge wurde von ungefähr 19 Prozent auf rund 18,5 Prozent reduziert.
Als Begründung führte das Unternehmen Verzögerungen bei Rüstungsprojekten an. Dazu zählen der Bundeswehrauftrag Arminius sowie Verschiebungen bei der Abnahme von Artilleriemunition. Die betroffenen Umsätze könnten damit erst später anfallen.
Die Geschäftsentwicklung der ersten neun Monate fiel dennoch deutlich positiv aus. Rheinmetall steigerte seinen Umsatz nach eigenen Angaben um 38 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Das operative Konzernergebnis erhöhte sich um 69 Prozent auf rund 1,34 Milliarden Euro.
An der Börse sorgten die gesenkten Jahresziele zunächst für eine negative Kursreaktion. Nach Angaben von dpa-AFX vom Donnerstag um 8:36 Uhr fiel die Rheinmetall-Aktie auf der Handelsplattform Tradegate vorbörslich zeitweise auf 915 Euro. Gegenüber dem vorherigen Xetra-Schluss bedeutete dies einen Rückgang um nahezu neun Prozent. Dieser Kurs bezog sich ausdrücklich auf den vorbörslichen Handel.
Ein anderes Bild zeigte die Deutsche Telekom. Der Konzern veröffentlichte am Donnerstag seine Zahlen für das dritte Quartal 2026 und erhöhte erneut seine Jahresprognose.
Der Konzernumsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 7,5 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro. Organisch, also bereinigt um Wechselkurseffekte und Veränderungen des Konzernumfangs, lag das Wachstum bei 5,5 Prozent.
Das um Leasingeffekte bereinigte operative Ergebnis EBITDA AL erreichte 12,2 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss erhöhte sich um 12,7 Prozent auf rund drei Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr erwartet die Telekom nun ein bereinigtes EBITDA AL von etwa 47,6 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen rund 47,5 Milliarden Euro prognostiziert. Der erwartete Free Cashflow AL wurde ebenfalls leicht auf rund 20,1 Milliarden Euro angehoben.
Zudem plant der Vorstand eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie. Das wären zehn Prozent mehr als für das Geschäftsjahr 2025. Für 2027 kündigte die Telekom außerdem einen Aktienrückkauf im Umfang von bis zu zwei Milliarden Euro an. Die geplante Dividende ist noch keine endgültig beschlossene Ausschüttung.
Wichtiger Wachstumstreiber bleibt das US-Geschäft mit T-Mobile US. Damit ist die Telekom auch wirtschaftlich eng mit der Entwicklung auf dem amerikanischen Markt verbunden.
Auch Siemens Healthineers sorgte mit neuen Geschäftszahlen für Aufmerksamkeit. Der Medizintechnikkonzern erwartet für das Geschäftsjahr 2026/27 ein vergleichbares Umsatzwachstum zwischen vier und fünf Prozent. Analysten hatten zuvor durchschnittlich mit 5,5 Prozent gerechnet.
Beim bereinigten Ergebnis je Aktie prognostiziert das Unternehmen eine Spanne von 2,20 bis 2,40 Euro. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr hatte Siemens Healthineers noch 2,42 Euro erreicht.
Die zurückhaltenden Erwartungen stehen einer insgesamt positiven Umsatzentwicklung gegenüber. Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte der Konzern Erlöse von 23,63 Milliarden Euro. Vergleichbar entspricht dies einem Wachstum von vier Prozent.
Besonders das Geschäft mit bildgebender Medizintechnik entwickelte sich positiv. Die Labordiagnostik blieb dagegen belastet, unter anderem durch die schwierige Geschäftsentwicklung in China. Der Konzern treibt deshalb die organisatorische Trennung seiner Diagnostiksparte voran.
Neben den Aktienmärkten bleibt die Entwicklung der Energiepreise ein wichtiger Faktor. Der Ölpreis setzte seine jüngste Abwärtsbewegung am Donnerstag fort.
Die für den internationalen Ölhandel wichtige Nordseesorte Brent kostete laut Reuters am 5. November um 5:26 Uhr mitteleuropäischer Zeit 93,82 US-Dollar je Barrel. Das entsprach einem Rückgang um 0,85 Prozent. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate lag zum selben Zeitpunkt bei 86,92 Dollar und damit 1,36 Prozent niedriger.
Bereits am Mittwoch hatten beide Ölsorten jeweils mehr als acht Prozent ihres Wertes verloren.
Im Mittelpunkt standen dabei veränderte Erwartungen an die weitere Entwicklung des Konflikts mit dem Iran. Marktteilnehmer bewerteten die Möglichkeit, dass die neuen politischen Mehrheitsverhältnisse in den USA den Druck auf eine diplomatische Lösung erhöhen könnten.
Ob dies tatsächlich zu einer Entspannung führt, blieb zunächst offen. Für den Ölmarkt sind außerdem die verfügbaren Fördermengen, Lagerbestände und Transportwege von Bedeutung.
Ein dauerhaft niedrigerer Rohölpreis könnte die Energiekosten von Unternehmen entlasten. Bei Benzin, Diesel oder Heizöl wirken sich Veränderungen an den internationalen Rohstoffmärkten allerdings nicht zwangsläufig unmittelbar und im gleichen Umfang auf die Endkundenpreise aus.
Für den DAX treffen am Donnerstag mehrere Einflussfaktoren aufeinander. Die Kursgewinne vom Mittwoch und die Reaktion auf das amerikanische Wahlergebnis sprechen für eine zunächst freundliche Ausgangslage. Gleichzeitig zeigen Rheinmetall und Siemens Healthineers, dass die Entwicklung einzelner Unternehmen erheblich von der allgemeinen Börsenstimmung abweichen kann.
Entscheidend für den weiteren Handel dürften deshalb neben den internationalen Vorgaben vor allem die Reaktionen auf aktuelle Geschäftszahlen sein. Auch die Entwicklung der Ölpreise und neue politische Signale aus Washington bleiben wichtige Faktoren.
Das bisherige DAX-Rekordhoch ist damit wieder in unmittelbarer Reichweite gerückt. Ob der deutsche Leitindex die bisherige Bestmarke tatsächlich überschreitet und höhere Kurse halten kann, war am Donnerstagmorgen noch offen.
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