DAX-Konzerne bauen binnen eines Jahres 47.700 Stellen ab

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Die großen deutschen Börsenkonzerne haben ihre Belegschaften deutlich verkleinert. Bei den 40 Unternehmen im DAX sank die Zahl der Beschäftigten binnen eines Jahres weltweit um 47.700. Ende des Geschäftsjahres 2025 arbeiteten damit noch rund 4,06 Millionen Menschen für die Konzerne. Das entspricht einem Rückgang um 1,2 Prozent. Eine Untersuchung von EY-Parthenon zeigt zugleich deutliche Unterschiede zu großen börsennotierten Unternehmen in Frankreich, Italien und Spanien.

Anzeige

Beschäftigung sinkt im Inland und im Ausland

Der Stellenabbau betrifft nicht ausschließlich Arbeitsplätze in Deutschland. An den deutschen Standorten der DAX-Unternehmen sank die Beschäftigtenzahl binnen eines Jahres um rund ein Prozent auf etwa 1,5 Millionen. Im Ausland fiel der Rückgang mit 1,3 Prozent etwas stärker aus. Dort beschäftigen die Konzerne weiterhin mehr als 2,5 Millionen Menschen.

Damit arbeiten rund 37 Prozent der Beschäftigten der DAX-Konzerne in Deutschland. Ihr durchschnittlicher Umsatzanteil im deutschen Markt liegt der Untersuchung zufolge dagegen nur bei etwa 20 Prozent. Die Zahlen zeigen damit auch, wie stark Deutschlands größte börsennotierte Unternehmen international aufgestellt sind.

Der aktuelle Stellenabbau in Deutschland ist deshalb nur ein Teil der Entwicklung. Von den 47.700 weggefallenen Beschäftigten entfällt ein erheblicher Teil auf Standorte außerhalb der Bundesrepublik.

Anzeige

Autoindustrie trägt stark zum Rückgang bei

Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei den großen Autoherstellern aus. BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen beschäftigten zusammen zuletzt 982.559 Menschen. Binnen eines Jahres verringerte sich ihre Belegschaft um insgesamt 30.535 Beschäftigte. Mehr als die Hälfte dieses Rückgangs entfiel auf Deutschland. Hier sank die Zahl der Vollzeitstellen bei den drei Konzernen um 18.334 auf 479.357.

Auch die Chemieindustrie steht unter erheblichem Anpassungsdruck. Bei BASF ist die Zahl der Beschäftigten am Stammwerk Ludwigshafen inzwischen auf weniger als 30.000 Vollzeitstellen gesunken. Nach Angaben des Unternehmens wurden konzernweit seit Anfang 2024 rund 7.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Dass sich diese Entwicklung auch im laufenden Jahr fortsetzt, zeigen jüngere DAX-Daten von EY. Zum 30. Juni 2026 beschäftigten die untersuchten Konzerne rund 3,49 Millionen Menschen. Das waren 41.000 beziehungsweise 1,2 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor. Die Zahl ist nicht direkt mit den 4,06 Millionen aus der neuen Untersuchung vergleichbar, weil unterschiedliche Berichtszeiträume und Datengrundlagen betrachtet werden.

Italien und Spanien verzeichnen Beschäftigungsplus

Im europäischen Vergleich fällt die Entwicklung bei den untersuchten deutschen Konzernen schwächer aus. EY-Parthenon wertete für die Untersuchung die Nachhaltigkeitsberichte von insgesamt 155 großen börsennotierten Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien aus.

Bei den Unternehmen des französischen CAC 40 sank die Beschäftigtenzahl um 0,2 Prozent. Die untersuchten italienischen Unternehmen erhöhten ihre Belegschaften dagegen um 0,9 Prozent beziehungsweise rund 10.900 Beschäftigte. In Spanien lag das Plus ebenfalls bei 0,9 Prozent, dort kamen rund 11.600 Beschäftigte hinzu.

Die Werte lassen sich allerdings nicht mit nationalen Arbeitsmarktstatistiken gleichsetzen. Die Börsenindizes unterscheiden sich erheblich in ihrer Zusammensetzung. Im DAX haben Industrie- und Autokonzerne ein hohes Gewicht. In Spanien spielen unter anderem Banken, Energieversorger, Infrastrukturunternehmen, Tourismus und Handel eine größere Rolle. In Frankreich sind Luftfahrt- und Rüstungskonzerne stärker vertreten.

Einige Branchen schaffen weiterhin neue Stellen

Von einem flächendeckenden Personalabbau kann bei den Großkonzernen deshalb nicht gesprochen werden. In zehn der 19 untersuchten Branchen nahm die Beschäftigung zu. Das größte Plus gab es mit 4,3 Prozent in Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung.

Airbus erhöhte seine Beschäftigtenzahl binnen eines Jahres um rund 5.500 auf 177.270. Bei Siemens Energy stieg die Belegschaft um 4,2 Prozent auf 102.985 Beschäftigte. Rheinmetall verzeichnete innerhalb des DAX mit 13,3 Prozent einen besonders starken Anstieg.

Auch der deutsche Arbeitsmarkt verliert Beschäftigung

Die Entwicklung der Großkonzerne trifft auf einen insgesamt schwachen deutschen Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juli 2026 rund 45,66 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig. Das waren 226.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Juni mit 34,81 Millionen Menschen um 73.000 unter dem Vorjahresniveau.

Im August waren 3,061 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 36.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,5 Prozent. Gleichzeitig bezeichnete die Bundesagentur die Arbeitskräftenachfrage weiterhin als schwach.

Die neuen Unternehmenszahlen zeigen damit einen besonders ausgeprägten Beschäftigungsrückgang bei Teilen der exportorientierten deutschen Großindustrie. Gleichzeitig entstehen in einzelnen Wachstumsfeldern weiterhin neue Arbeitsplätze. Die Entwicklung verläuft damit je nach Branche deutlich unterschiedlich.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu