
Die Vergütung an der Spitze der größten deutschen Börsenkonzerne ist 2025 weiter gestiegen. Mehrere Auswertungen der Geschäfts- und Vergütungsberichte zeigen zugleich, dass sich Deutschland trotz hoher Millionenbezüge deutlich unter dem Vergütungsniveau großer US-Konzerne bewegt. Auch bei den Aufsichtsratsvorsitzenden fällt der Vergleich mit anderen europäischen Großunternehmen bemerkenswert aus.
Das Handelsblatt Research Institute, kurz HRI, errechnete für die Vorstandsvorsitzenden von 38 DAX-Unternehmen eine Gesamtvergütung von 261,3 Millionen Euro. Gegenüber 2024 war das ein Anstieg um 12,9 Prozent. Im Durchschnitt kamen die einbezogenen DAX-Chefs damit auf rund 6,9 Millionen Euro.
Diese DAX Vorstandsgehälter 2025 entwickelten sich wesentlich stärker als die Vergütung der Vorstände insgesamt. Für sämtliche vom HRI berücksichtigten Vorstandsmitglieder stieg die Summe lediglich um 0,5 Prozent auf 897,4 Millionen Euro.
In der HRI-Berechnung führte SAP-Chef Christian Klein mit rund 16,2 Millionen Euro die Rangliste an. Knapp dahinter lag Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mit etwa 16,1 Millionen Euro. Siemens-Chef Roland Busch kam auf rund 12,3 Millionen Euro.
Auch Timotheus Höttges von der Deutschen Telekom und Allianz-Chef Oliver Bäte lagen jeweils bei etwa 11,6 Millionen Euro. Rolf Buch von Vonovia kam auf rund 10,6 Millionen Euro, Rheinmetall-Chef Armin Papperger auf rund 10,2 Millionen Euro.
Damit überschritten nach der HRI-Methodik sieben Vorstandschefs die Marke von zehn Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es fünf gewesen.
Für die Zahlen ist allerdings entscheidend, welche Definition von Vergütung verwendet wird. Das HRI berücksichtigt die gewährte und geschuldete Vergütung nach dem Aktiengesetz und bezieht auch Altersvorsorgebeiträge ein. Airbus und Qiagen wurden wegen der nicht unmittelbar vergleichbaren deutschen Vergütungsberichterstattung nicht in die Berechnung aufgenommen.
Eine im August veröffentlichte Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und der Technischen Universität München kommt deshalb auf andere Werte. Nach dieser Berechnung lag die durchschnittliche Gesamtvergütung eines DAX-Vorstands 2025 bei 3,909 Millionen Euro und damit vier Prozent über dem Vorjahr.
Für die Vorstandsvorsitzenden allein ermittelten DSW und TU München im Durchschnitt 6,137 Millionen Euro. Vorstandmitglieder ohne CEO-Funktion kamen auf durchschnittlich 3,279 Millionen Euro.
Auch die Rangliste fällt durch die abweichende Berechnung anders aus. Danach lag Christian Klein mit 10,851 Millionen Euro vor Christian Sewing mit 10,501 Millionen Euro. Bjørn Gulden von Adidas folgte mit 9,830 Millionen Euro, Bayer-Chef Bill Anderson mit 9,662 Millionen Euro und Oliver Bäte von der Allianz mit 9,354 Millionen Euro.
Die unterschiedlichen Werte sind deshalb kein Widerspruch. Vergütungsstudien können unter anderem danach variieren, welche Bestandteile einem Geschäftsjahr zugerechnet werden, wie langfristige Programme behandelt werden und ob Altersvorsorge oder bestimmte Sonderbestandteile einfließen.
Besonders groß ist der Abstand zu den Vereinigten Staaten. Nach der Untersuchung von DSW und TU München erhielten die Vorstandsvorsitzenden der nicht deutschen Unternehmen im Euro Stoxx 50 für 2025 durchschnittlich rund 9,5 Millionen Euro.
Bei den 30 Unternehmen des US-Index Dow Jones lag der Durchschnitt dagegen bei rund 30,5 Millionen Euro. Damit erreichten die Bezüge dort etwa das Fünffache des durchschnittlichen Niveaus der DAX-Vorstandschefs nach derselben Untersuchung.
An der Spitze der ausgewerteten US-Konzerne stand Goldman-Sachs-Chef David Solomon mit umgerechnet rund 105,3 Millionen Euro Gesamtvergütung. Microsoft-Chef Satya Nadella folgte mit etwa 85,5 Millionen Euro, Apple-Chef Tim Cook mit rund 65,8 Millionen Euro.
28 der 30 Vorstandschefs im Dow Jones erhielten nach der Studie mehr als Christian Klein, der im deutschen Vergleich an der Spitze stand. Innerhalb des Euro Stoxx 50 erreichte Klein dagegen einen Platz unter den führenden Vergütungsempfängern.
Die Millionenbeträge bestehen nur zu einem Teil aus festen Gehältern. Nach der DSW-Auswertung entfielen bei den DAX-Vorständen 2025 durchschnittlich 31,7 Prozent der Gesamtvergütung auf feste Bestandteile. Kurzfristige variable Vergütung machte 26,1 Prozent aus, langfristige variable Komponenten 42,2 Prozent.
Bei den Vorstandsvorsitzenden lag der Anteil der variablen Vergütung im Durchschnitt sogar bei 69,6 Prozent. Bei SAP-Chef Klein waren es nach der DSW-Berechnung 85,5 Prozent.
Damit hängen große Teile der Bezüge von zuvor definierten Leistungszielen, der längerfristigen Unternehmensentwicklung oder der Wertentwicklung von Aktienprogrammen ab. Zahlungen aus solchen Programmen können zudem erst mehrere Jahre nach ihrer ursprünglichen Gewährung in den ausgewiesenen Vergütungszahlen erscheinen.
Deutlich niedriger als die Vorstandsbezüge sind die Vergütungen der Kontrollgremien. Eine Analyse von Mercer für das Geschäftsjahr 2025 bezifferte die durchschnittliche Gesamtvergütung eines DAX-Aufsichtsratsvorsitzenden auf rund 465.000 Euro.
Die Spannweite war erheblich. An der Spitze stand der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank mit 950.000 Euro. Am unteren Ende lag die Porsche Holding mit 200.000 Euro für den Vorsitz.
Im Durchschnitt entsprach die Vergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden rund 28 Prozent des festen Gehalts ihrer jeweiligen Vorstandsvorsitzenden. Anders als Vorstandsgehälter bestehen Aufsichtsratsbezüge inzwischen überwiegend aus festen Komponenten. Damit soll die unabhängige Kontrollfunktion weniger unmittelbar vom kurzfristigen Geschäftserfolg abhängen.
Auch bei den Aufsichtsräten zeigt der internationale Vergleich ein anderes Bild als die hohen deutschen Einzelbeträge zunächst vermuten lassen. Bei den 150 größten börsennotierten Unternehmen Europas lag die durchschnittliche Vergütung der jeweiligen Vorsitzenden laut Mercer bei rund 879.000 Euro.
Das waren fast 90 Prozent mehr als der DAX-Durchschnitt von 465.000 Euro. Einen wesentlichen Einfluss auf das höhere europäische Niveau haben besonders hohe Vergütungen bei Schweizer Großkonzernen.
Der Vergleich mit den USA ist dagegen schwieriger. Dort sind Unternehmensführung und Kontrolle anders organisiert. In US-Unternehmen können die Funktionen von Vorstandschef und Chairman in einer Person zusammenfallen, während das deutsche System Vorstand und Aufsichtsrat institutionell voneinander trennt.
Die verschiedenen Vergütungsstudien zeichnen damit ein gemeinsames Grundbild: Die Bezüge deutscher Konzernspitzen sind 2025 weiter gestiegen, besonders stark bei den Vorstandsvorsitzenden. Im internationalen Wettbewerb um Spitzenmanager bleibt Deutschland bei den absoluten Vergütungssummen dennoch weit hinter den Vereinigten Staaten und auch unter dem Niveau vieler europäischer Großkonzerne.
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