Sardinendosen fehlen im Regal: Was hinter der Knappheit steckt

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Sardinen gehören zu den klassischen Vorratsprodukten im Supermarkt. Doch im Spätsommer 2026 sind einzelne Sorten bei deutschen Händlern zeitweise nicht erhältlich. Mehrere große Handelsunternehmen bestätigen eine angespannte Versorgung. Gleichzeitig steigen die Kosten für den Rohstoff. Dahinter steht eine Kombination aus schwächeren Fängen in wichtigen Herkunftsregionen, neuen Exportbeschränkungen und einer hohen Nachfrage.

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Von einem generellen Verschwinden der Sardinendose aus deutschen Supermärkten kann allerdings keine Rede sein. Das Angebot unterscheidet sich nach Händler, Filiale, Marke und Herkunft. Auch Anfang September führen Handelsketten weiterhin verschiedene Sardinenprodukte. Bei einzelnen Artikeln entstehen jedoch Lücken.

Händler bestätigen Engpässe bei Sardinen

Aldi Nord verweist 2026 auf schwierige Bedingungen beim Fischfang und eine deshalb teilweise eingeschränkte Verfügbarkeit. Rewe spricht von einer angespannten Rohwarensituation auf dem europäischen Markt. Lidl nennt zusätzlich eine gestiegene Nachfrage als Ursache punktueller Lieferprobleme. Auch Kaufland hat vereinzelte Engpässe bestätigt.

Damit ist der Befund klarer als bei bloßen Beobachtungen leerer Regale: Sardinen werden knapp, allerdings nicht überall und nicht bei jedem Produkt gleichzeitig. Besonders betroffen sind Lieferketten, die auf bestimmte Fanggebiete und Größenklassen angewiesen sind. Sardinen für Konserven können nicht beliebig durch andere Fische oder Ware aus anderen Regionen ersetzt werden.

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Eine bundesweite Statistik über nicht lieferbare Sardinendosen gibt es nicht. Auch lässt sich aus einzelnen Preisen im Supermarkt keine allgemeine Preissteigerungsrate für Sardinenkonserven in Deutschland berechnen. Dass der Druck auf die Einkaufspreise gestiegen ist, zeigt sich jedoch bereits auf den vorgelagerten europäischen Märkten.

Marokkos Fangmengen sind deutlich zurückgegangen

Eine zentrale Rolle spielt Marokko. Das Land gehört zu den wichtigsten Sardinenproduzenten und ist ein bedeutender Lieferant für die europäische Fischindustrie. Die Fangentwicklung hat sich dort in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert.

Nach Angaben aus der marokkanischen Fischereiwirtschaft lagen die Sardinenanlandungen 2022 noch bei rund 965.000 Tonnen. 2024 waren es nur noch etwa 525.000 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang um rund 46 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

Die niedrigeren Mengen treffen sowohl den heimischen Markt als auch Verarbeiter und Importeure im Ausland. Marokko reagierte Anfang 2026 mit zusätzlichen Maßnahmen. Seit dem 1. Februar unterliegen frische, gekühlte und gefrorene Sardinen für zunächst zwölf Monate einer Exportlizenz. Damit soll mehr Ware für den heimischen Markt verfügbar bleiben.

Gerade gefrorene Sardinen sind für die europäische Verarbeitungsindustrie wichtig. Sie können unabhängig von der eigentlichen Fangsaison zu Konserven verarbeitet werden. Werden diese Lieferungen begrenzt, wirkt sich das deshalb nicht nur auf Frischfisch aus.

Europas Konservenindustrie hängt von Importen ab

Wie groß die Bedeutung der Lieferströme ist, zeigen Daten der Europäischen Marktbeobachtungsstelle für Fischerei und Aquakulturprodukte, EUMOFA. Spanien importierte 2025 rund 63.100 Tonnen europäische Sardinen in verschiedenen Produktformen. Bei den gefrorenen Sardinen kamen 71 Prozent der importierten Menge aus Marokko.

Auch die Preise hatten bereits vor den aktuellen Engpässen deutlich angezogen. Der durchschnittliche nominale Importpreis für gefrorene Sardinen in Spanien lag 2025 bei 1,06 Euro je Kilogramm. Das waren 49 Prozent mehr als 2020. Bei bereits zubereiteten oder konservierten Sardinen stieg der durchschnittliche Importpreis im selben Zeitraum von 3,60 auf 6,24 Euro je Kilogramm, ein Plus von 73 Prozent.

Diese Zahlen sind keine deutschen Ladenpreise. Sie zeigen jedoch, dass sich Sardinen auf wichtigen europäischen Beschaffungsmärkten schon länger verteuert haben. Verarbeitung, Öl, Verpackung, Transport und Handel kommen anschließend noch hinzu.

Spanien kann die fehlenden Mengen nicht einfach ersetzen

Auch die Fischerei vor Spanien und Portugal spielt für Europas Versorgung eine wichtige Rolle. Für die iberische Sardine in den entsprechenden spanischen Fanggebieten wurden für die Saison 2026 zunächst rund 16,85 Millionen Kilogramm für die spanische Flotte festgelegt.

Im Sommer kam zusätzliche Ware hinzu. Spanien erhielt im Rahmen eines Quotentauschs mit Portugal weitere 1.000 Tonnen iberische Sardinen. Der Schritt zeigt zugleich, wie genau die verfügbaren Mengen gesteuert werden.

Auch wissenschaftliche Empfehlungen begrenzen die Möglichkeiten, Fangmengen kurzfristig stark auszuweiten. Für verschiedene Sardinenbestände werden Fangmöglichkeiten anhand der jeweiligen Bestandsentwicklung festgelegt. Eine geringere Versorgung aus Nordafrika kann deshalb nicht automatisch durch wesentlich höhere Fänge in europäischen Gewässern ausgeglichen werden.

Höhere Preise können länger bleiben

Wie stark die Veränderungen am Ende bei deutschen Verbrauchern ankommen, hängt von Marke, Herkunft, Vertragslaufzeiten der Händler und Verarbeitung ab. Einzelne Sardinendosen werden weiterhin für deutlich unter zwei Euro angeboten, während Spezialitäten und hochwertige Konserven ein Mehrfaches kosten können. Ein einzelner besonders hoher Verkaufspreis ist deshalb kein geeigneter Maßstab für die allgemeine Entwicklung.

Die grundlegenden Faktoren sprechen dennoch für einen angespannten Markt. Eine bedeutende Herkunftsregion liefert weniger Fisch, Marokko begrenzt die Ausfuhr bestimmter Rohwaren und europäische Verarbeiter müssen sich um alternative Mengen bemühen. Gleichzeitig können Fangquoten nicht beliebig erhöht werden.

Damit dürfte die Sardinendose nicht grundsätzlich aus deutschen Supermärkten verschwinden. Das bisher selbstverständliche breite Angebot günstiger Sardinenkonserven ist 2026 jedoch weniger stabil als in früheren Jahren. Verbraucher müssen je nach Händler häufiger mit wechselnder Verfügbarkeit und höheren Preisen bei einzelnen Produkten rechnen.

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