Millionen für Dax-Chefs, doch deutsche Aufseher liegen zurück

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Vergütung an der Spitze der größten deutschen Börsenkonzerne ist 2025 deutlich gestiegen. Vorstandsvorsitzende der vom Handelsblatt Research Institute ausgewerteten Dax-Unternehmen kamen im Durchschnitt auf rund 6,9 Millionen Euro. Gleichzeitig zeigt eine separate Untersuchung zur Bezahlung der Aufsichtsratsvorsitzenden, dass deutsche Konzernkontrolleure trotz hoher sechsstelliger Bezüge im europäischen Vergleich deutlich zurückliegen.

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Damit zeichnet sich bei den beiden wichtigsten Führungsebenen der Dax-Konzerne ein unterschiedliches Bild ab. Während mehrere Vorstandschefs inzwischen Vergütungen von mehr als zehn Millionen Euro erreichen, bleibt die Bezahlung der Aufsichtsratsvorsitzenden deutlich niedriger. Internationale Vergleiche sind allerdings nur eingeschränkt möglich, weil Aufgaben und Organisationsstrukturen der Unternehmensführung von Land zu Land unterschiedlich sind.

Dax-Chefs erhalten im Schnitt rund 6,9 Millionen Euro

Das Handelsblatt Research Institute, kurz HRI, hat für das Geschäftsjahr 2025 die Vergütungsberichte und Geschäftsberichte der Dax-Konzerne ausgewertet. Die erfassten Vorstandsvorsitzenden erhielten demnach zusammen 261,3 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 12,9 Prozent.

Im Durchschnitt erreichte die Vergütung eines Dax-Vorstandschefs rund 6,9 Millionen Euro und lag damit nach HRI-Berechnungen etwa 14 Prozent über dem Wert von 2024. Grundlage der Auswertung ist die gewährte und geschuldete Vergütung nach den Vorgaben des Aktiengesetzes. Aufgrund der jeweiligen Amtszeiten und Unternehmensstrukturen lassen sich nicht in jedem Fall sämtliche Dax-Unternehmen unmittelbar miteinander vergleichen.

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Die Dax Vorstandsgehälter 2025 entwickelten sich damit deutlich stärker als die Bezüge der Vorstände insgesamt. Für die gesamten Vorstandsgremien der ausgewerteten Dax-Konzerne errechnete das HRI 897,4 Millionen Euro. Das waren lediglich 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Sieben Vorstandschefs kommen über zehn Millionen Euro

An der Spitze der HRI-Auswertung steht SAP-Chef Christian Klein. Seine für 2025 ausgewiesene Vergütung lag bei 16,244 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr ging sein Betrag dennoch um knapp drei Millionen Euro zurück.

Knapp dahinter folgt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mit 16,102 Millionen Euro. Seine ausgewiesene Vergütung erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr erheblich. Zu den Gründen zählen langfristige variable Vergütungselemente, die nach mehreren Jahren fällig wurden.

Siemens-Chef Roland Busch folgt mit 12,331 Millionen Euro. Insgesamt überschritten nach der HRI-Auswertung sieben Vorstandsvorsitzende die Schwelle von zehn Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es fünf gewesen.

Weitere hohe Werte entfielen unter anderem auf Timotheus Höttges von der Deutschen Telekom mit rund 11,61 Millionen Euro, Allianz-Chef Oliver Bäte mit rund 11,61 Millionen Euro, Vonovia-Chef Rolf Buch mit rund 10,64 Millionen Euro und Rheinmetall-Chef Armin Papperger mit rund 10,16 Millionen Euro.

Konzerngewinne stiegen nicht im gleichen Tempo

Der starke Anstieg bei den CEO-Vergütungen ging 2025 nicht mit einem vergleichbaren Wachstum der zusammengerechneten Unternehmensgewinne einher. Nach Berechnungen des HRI kamen die 40 Dax-Konzerne auf Nettogewinne von insgesamt rund 111 Milliarden Euro. Damit bewegte sich der Wert in einer ähnlichen Größenordnung wie in den beiden Jahren zuvor.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass einzelne Vergütungen trotzdem deutlich steigen können, liegt in der Struktur moderner Vorstandsverträge. Neben dem festen Gehalt gehören kurzfristige Boni, langfristige Vergütungsprogramme, aktienbezogene Komponenten und teilweise einmalige Zahlungen zur Gesamtvergütung.

Diese Elemente können sich auf Leistungen oder Kursentwicklungen über mehrere Jahre beziehen. Eine hohe Vergütung in einem einzelnen Geschäftsjahr ist deshalb nicht zwingend allein auf die Geschäftsentwicklung dieses Jahres zurückzuführen.

Das zeigt auch der Vergleich mit einer weiteren Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und der Technischen Universität München. Diese kam für 2025 bei Dax-Vorstandschefs auf einen niedrigeren Durchschnittswert. Unterschiedliche Abgrenzungen und Berechnungsmethoden können bei Vergütungsvergleichen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Aufsichtsratsvorsitzende erhalten durchschnittlich 465.000 Euro

Deutlich niedriger fällt die Bezahlung der Kontrollgremien aus. Eine Analyse von Mercer und hkp group zur Aufsichtsratsvergütung in den Dax-Unternehmen nennt für das Geschäftsjahr 2025 eine durchschnittliche Gesamtvergütung von 465.000 Euro für einen Aufsichtsratsvorsitzenden.

Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Konzernen. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert liegt laut der Untersuchung nahezu der Faktor fünf. An der Spitze der untersuchten Dax-Unternehmen standen die Deutsche Bank, die Allianz und Volkswagen.

Über einen Zeitraum von 20 Jahren erhöhte sich die durchschnittliche Vergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden der Analyse zufolge um jährlich 3,2 Prozent. Die allgemeine Lohn- und Gehaltsentwicklung lag im gleichen Vergleich bei durchschnittlich 2,7 Prozent jährlich. Nach besonders kräftigen Zuwächsen 2022 und 2023 stieg die durchschnittliche Aufsichtsratsvergütung zuletzt um 2,2 Prozent.

Anders als beim Vorstand besteht die Vergütung der Dax-Aufsichtsräte inzwischen weitgehend aus festen Bezügen. Damit reagiert sie nicht unmittelbar auf Gewinn oder Aktienkurs eines Unternehmens.

Europa zahlt Aufsichtsratschefs im Schnitt deutlich mehr

Im internationalen Vergleich zeigt sich ein auffälliger Unterschied. Mercer und hkp group kommen für die 150 größten börsennotierten Unternehmen Europas, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung, auf eine durchschnittliche Vergütung der jeweiligen Vorsitzenden von 879.000 Euro.

Damit liegt der Vergleichswert fast doppelt so hoch wie der Dax-Durchschnitt von 465.000 Euro. Das hohe europäische Niveau wird der Analyse zufolge insbesondere durch Unternehmen aus der Schweiz beeinflusst.

Gegenüber den USA bewegen sich die deutschen Werte dagegen ungefähr auf vergleichbarem Niveau. Dieser Vergleich hat jedoch Grenzen. Bei amerikanischen Unternehmen können die Funktionen des Vorstandsvorsitzenden und des Chairman in einer Person zusammenfallen. Das deutsche System trennt dagegen grundsätzlich zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Der Vorstand führt das Unternehmen, während der Aufsichtsrat die Unternehmensleitung überwacht und wichtige Personalentscheidungen trifft.

Deutsche Bank erhöht Vergütung ihres Aufsichtsrats

Wie stark der internationale Wettbewerb um erfahrene Kontrolleure inzwischen in Vergütungsentscheidungen einfließen kann, zeigt die Deutsche Bank. Das Institut legte seinen Aktionären 2026 eine neue Vergütungsregelung für den Aufsichtsrat vor.

Die feste jährliche Grundvergütung eines regulären Aufsichtsratsmitglieds sollte von 300.000 auf 350.000 Euro steigen. Für stellvertretende Vorsitzende waren 550.000 Euro vorgesehen. Die feste Vergütung des Aufsichtsratsvorsitzenden Alexander Wynaendts sollte von 950.000 auf 1,15 Millionen Euro steigen. Hinzu kommen mögliche zusätzliche Zahlungen für Ausschussvorsitze.

Die Bank begründete den Schritt mit den Anforderungen an das Kontrollgremium eines international tätigen und stark regulierten Finanzkonzerns sowie mit dem Wettbewerb um qualifizierte Mitglieder.

Damit bewegt sich auch die Diskussion über Spitzenvergütungen zunehmend auf zwei Ebenen. Bei Vorständen geht es vor allem um die Verbindung von Unternehmenserfolg, langfristigen Anreizen und Millionenvergütungen. Bei Aufsichtsräten steht dagegen stärker die Frage im Mittelpunkt, wie hoch die Bezahlung für Kontrolle, Beratung und Verantwortung ausfallen muss, damit deutsche Großkonzerne international erfahrene Kandidaten gewinnen können.

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