DeepSeek und Huawei greifen Nvidias Software-Vorsprung an

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Grzegorz Walczak

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Der chinesische KI-Entwickler DeepSeek und der Technologiekonzern Huawei vertiefen ihre Zusammenarbeit bei künstlicher Intelligenz. DeepSeek hat am Mittwoch, 30. September 2026, Softwarekomponenten für Huaweis Ascend-KI-Chips öffentlich zugänglich gemacht. Dazu gehören Werkzeuge für Berechnungen und die Kommunikation zwischen Prozessoren. Eine zentrale Rolle spielt die offene Programmiersprache TileLang.

Damit rückt ein Bereich stärker in den Mittelpunkt, der für den Wettbewerb bei KI-Chips mindestens ebenso wichtig ist wie die reine Rechenleistung: die Software. Nvidia hat sich mit seiner Plattform CUDA über Jahre ein umfangreiches Ökosystem aus Programmierschnittstellen, Bibliotheken und Entwicklungswerkzeugen aufgebaut. DeepSeek und Huawei arbeiten nun daran, Entwicklern eine leistungsfähige Umgebung auch für chinesische KI-Beschleuniger bereitzustellen.

DeepSeek öffnet Infrastruktur für Huawei Ascend

DeepSeek erklärte über seinen offiziellen WeChat-Kanal, Infrastruktur für Huaweis Ascend-Plattform als Open Source bereitzustellen. Nach Angaben des Unternehmens umfasst dies Rechenbibliotheken und Software für die Kommunikation zwischen Chips. Huawei habe die Entwicklung der Infrastruktur umfassend unterstützt.

DeepSeek und Huawei arbeiteten zudem gemeinsam an einer sogenannten Supernode-Lösung auf Basis von 128 Ascend-950-Chips. Dabei geht es darum, zahlreiche KI-Beschleuniger so miteinander zu verbinden und die Software darauf abzustimmen, dass große Rechenaufgaben effizient über das gesamte System verteilt werden können.

Huawei hatte rund zwei Wochen zuvor neue KI-Prozessoren und größere Computersysteme vorgestellt. Das Unternehmen setzt zunehmend darauf, viele Prozessoren zu leistungsfähigen Clustern zusammenzuschalten. Damit sollen auch Aufgaben bewältigt werden können, bei denen einzelne chinesische Chips mit den leistungsfähigsten Produkten internationaler Konkurrenten nicht in allen Bereichen gleichziehen.

TileLang soll Programmierung der KI-Chips vereinfachen

Ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit ist TileLang. Die offene, höher angesiedelte Programmiersprache soll Entwicklern ermöglichen, leistungsfähige Rechenoperationen für unterschiedliche KI-Chips zu schreiben, ohne sämtliche Details der Hardware unmittelbar programmieren zu müssen.

Eine für Huawei Ascend optimierte Variante von TileLang existiert bereits. Das öffentlich zugängliche Projekt unterstützt unter anderem Matrixberechnungen sowie spezielle Operationen für moderne KI-Modelle. Auch Funktionen für DeepSeek V4 wurden bereits integriert.

DeepSeek stellt TileLang als einfacher programmierbares Modell als Nvidias CUDA dar. Diese Aussage stammt vom Unternehmen selbst. Ein allgemeiner Nachweis, dass TileLang CUDA hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Softwareumfang oder Verbreitung bereits gleichwertig ist, ergibt sich daraus nicht.

CUDA besteht zudem nicht lediglich aus einer Programmiersprache. Nvidia bietet darüber Compiler, spezialisierte Bibliotheken, Entwicklungswerkzeuge und Schnittstellen zu verbreiteten KI-Frameworks an. Dieses über viele Jahre gewachsene Umfeld ist ein wesentlicher Bestandteil der Position des US-Konzerns im Markt für KI-Rechenzentren.

Warum die Zusammenarbeit für Nvidia relevant ist

Die Zusammenarbeit von DeepSeek und Huawei ist deshalb vor allem langfristig für Nvidia relevant. Ein leistungsfähiger KI-Chip allein reicht für den Einsatz in großen Rechenzentren nicht aus. Unternehmen benötigen Software, mit der Modelle trainiert und ausgeführt, Berechnungen auf zahlreiche Prozessoren verteilt und bestehende Anwendungen möglichst einfach angepasst werden können.

Genau auf dieser Ebene versuchen chinesische Unternehmen ihre Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren. Huawei entwickelt mit Ascend eigene KI-Beschleuniger und die dazugehörige CANN-Softwareplattform. DeepSeek wiederum gehört zu den prominentesten chinesischen Entwicklern großer KI-Modelle und optimiert seine Systeme zunehmend für heimische Hardware.

Hinzu kommen die seit Jahren bestehenden US-Beschränkungen für den Export besonders leistungsfähiger Halbleiter und anderer Technologien nach China. Sie haben den Anreiz für chinesische Unternehmen erhöht, eigene Alternativen bei Prozessoren, Netzwerktechnik und Software aufzubauen.

Huawei hat sich dadurch zu einem der wichtigsten Anbieter leistungsfähiger KI-Hardware in China entwickelt. Nach Unternehmensangaben übersteigt die Nachfrage nach den eigenen KI-Systemen derzeit sogar die verfügbare Produktion. Gleichzeitig räumt die Entwicklung der Software-Infrastruktur indirekt ein zentrales Problem ein: Ein alternatives Chip-Ökosystem benötigt nicht nur Prozessoren, sondern auch einfach nutzbare und ausgereifte Entwicklerwerkzeuge.

Nvidia behält vorerst einen entscheidenden Vorteil

Die neue Software bedeutet deshalb noch keinen unmittelbaren Machtwechsel im internationalen KI-Chipmarkt. Nvidia verfügt weiterhin über ein großes Softwareangebot rund um CUDA sowie eine breite Unterstützung durch KI-Frameworks, Cloud-Anbieter und Entwickler.

Auch ein direkter Leistungsvergleich zwischen der jetzt geöffneten Ascend-Infrastruktur und dem gesamten Nvidia-Stack liegt bislang nicht vor. DeepSeeks Angaben zur einfacheren Programmierung von TileLang sind eine Herstellerdarstellung und keine unabhängige Bewertung.

Für Nvidia entsteht dennoch ein strukturell wichtiger Wettbewerber. Huawei baut nicht mehr ausschließlich eigene Chips, sondern zunehmend die gesamte technische Umgebung darum auf. DeepSeek kann dazu beitragen, dass aktuelle KI-Modelle frühzeitig für diese Plattform optimiert werden.

Damit verschiebt sich der Wettbewerb ein Stück weiter. Bei KI-Hardware geht es nicht mehr nur darum, welcher Hersteller den schnellsten Prozessor liefert. Ebenso entscheidend wird, auf welcher Plattform Entwickler ihre Modelle mit möglichst geringem Aufwand trainieren und betreiben können. Genau an diesem Punkt setzen DeepSeek und Huawei mit ihrer jüngsten Zusammenarbeit an.

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