
Die Gasspeicher in Deutschland sind kurz vor Beginn des Oktobers deutlich schwächer gefüllt als in den vergangenen Jahren. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag der Füllstand zuletzt bei 57,6 Prozent. In den Speichern befanden sich damit rund 142,6 Terawattstunden Erdgas. Die Behörde bezeichnet die Speicherstände als deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen früherer Jahre, sieht darin derzeit aber noch keine kritische Lage für die Gasversorgung.
Der niedrige Stand fällt in eine Phase, in der Deutschland gewöhnlich große Mengen Erdgas für den Winter eingelagert hat. Die Einspeicherung läuft zwar weiter, zuletzt teilweise jedoch nur mit vergleichsweise geringem Tempo. Für die kommenden Wochen wird deshalb entscheidend sein, wie viel Gas die Händler noch in die Speicher bringen und wie sich Temperaturen, Verbrauch und internationale Gaslieferungen entwickeln.
Ende September 2025 waren die deutschen Speicher noch zu rund drei Vierteln gefüllt. In diesem Jahr liegt der Stand rund 19 Prozentpunkte darunter. Bereits Anfang September hatte die Initiative Energien Speichern einen Füllstand von etwa 53 Prozent gemeldet. Nach Angaben des Verbands war dies für diesen Zeitpunkt der niedrigste Wert seit Beginn seiner entsprechenden Aufzeichnungen vor rund 15 Jahren.
Die Entwicklung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Deutschland im Winter zu wenig Gas zur Verfügung steht. Unterirdische Speicher sind nur ein Teil des Versorgungssystems. Deutschland erhält zugleich Erdgas über Pipelines und über Flüssigerdgas-Terminals. Hinzu kommen Importmöglichkeiten über die europäischen Gasnetze.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden allein zwischen dem 21. und 27. September rund 15,1 Terawattstunden Gas über Pipelines nach Deutschland importiert. Weitere 1,9 Terawattstunden kamen über deutsche LNG-Terminals. Deren durchschnittliche Auslastung lag in diesem Zeitraum bei rund 41 Prozent.
Die Bundesnetzagentur nimmt den niedrigen Speicherstand nach eigener Darstellung ernst. Gleichzeitig bewertet sie die derzeitigen Einspeichermengen nicht als kritisch für die sichere Gasversorgung. Entscheidend sei nicht ein einzelner Speicherwert, sondern das Zusammenspiel aus Pipelineimporten, LNG-Lieferungen, Speichern, verfügbarer Infrastruktur und Gasnachfrage.
Seit dem 1. Juli 2025 gilt in Deutschland weiterhin die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas. Die zuvor seit Juni 2022 geltende Alarmstufe wurde aufgehoben.
Auch auf europäischer Ebene werden die niedrigeren Reserven beobachtet. Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten bekräftigten Ende September, dass die Gasversorgung trotz im historischen Vergleich niedriger Speicherstände stabil sei. Bereits Anfang September hatte die Kommission erklärt, derzeit bestehe kein unmittelbares Risiko für die Versorgungssicherheit in der Europäischen Union.
Die europäischen Speicher waren im September insgesamt zu rund 68 Prozent gefüllt. Deutschland liegt damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Gleichzeitig gehört Deutschland zusammen mit Italien, Frankreich, den Niederlanden und Österreich zu den Staaten mit den größten Speicherkapazitäten Europas.
Die gesetzlichen Speicherziele unterscheiden sich inzwischen von den Vorgaben der ersten Jahre nach der Energiekrise. Nach der derzeit geltenden deutschen Gasspeicherfüllstandsverordnung müssen die meisten Speicheranlagen zum 1. November einen Füllstand von 80 Prozent aufweisen.
Für die Speicher Bad Lauchstädt, Frankenthal, Hähnlein, Rehden, Stockstadt und Uelsen gilt wegen ihrer technischen Eigenschaften und geografischen Lage ein niedrigeres Ziel von 45 Prozent. In der Gesamtbetrachtung ergibt sich daraus für Deutschland ein Zielwert von mehr als 70 Prozent.
Für den 1. Februar gelten weitere Vorgaben. Die meisten Anlagen müssen dann mindestens zu 30 Prozent gefüllt sein. Für Bierwang, Breitbrunn, Inzenham-West und Wolfersberg liegt die Vorgabe bei 40 Prozent. Die derzeitige Verordnung läuft Ende März 2027 aus.
Der aktuelle Gesamtfüllstand von 57,6 Prozent bedeutet deshalb noch nicht, dass eine gesetzliche Vorgabe verfehlt wurde. Der maßgebliche nächste deutsche Stichtag ist der 1. November.
Die Initiative Energien Speichern hatte Anfang September Modellrechnungen für die weitere Entwicklung veröffentlicht. Demnach wäre technisch ein Gesamtfüllstand von etwa 77 Prozent bis zum 1. November erreichbar gewesen. Voraussetzung dafür sei allerdings eine deutlich stärkere Nutzung der vorhandenen Einspeicherkapazitäten.
Der Verband hatte zugleich darauf hingewiesen, dass die wirtschaftlichen Anreize zum Einlagern von Gas aus seiner Sicht derzeit nicht ausreichen. Händler entscheiden über die Nutzung gebuchter Speicherkapazitäten unter anderem anhand der Preisunterschiede zwischen Gas für die sofortige Lieferung und Gas für spätere Liefertermine.
Die Modellrechnungen des Verbands sind keine Prognose. Sie zeigen mögliche Entwicklungen unter bestimmten Annahmen zu Temperaturen, Verbrauch, Importen und Speicherbefüllung. Für einen Winter mit normalen Temperaturen hielt INES einen Füllstand von etwa 77 Prozent Anfang November in seinem September-Szenario für ausreichend. Bei einem extrem kalten Winter wäre die Lage nach diesen Modellannahmen deutlich angespannter.
Die Ausgangslage unterscheidet sich deutlich von der Energiekrise des Jahres 2022. Deutschland und andere EU-Staaten haben seitdem ihre Möglichkeiten zum Import von Flüssigerdgas ausgebaut und zusätzliche Bezugswege erschlossen. Gleichzeitig ist die Abhängigkeit von einzelnen Pipelineverbindungen gesunken.
Auch deshalb warnen Behörden davor, den Speicherfüllstand allein als Maßstab für die Versorgungssicherheit zu betrachten. Die Speicher bleiben dennoch besonders an kalten Wintertagen wichtig. Dann kann ein großer Teil des kurzfristig benötigten Gases aus den unterirdischen Anlagen bereitgestellt werden.
Wie komfortabel Deutschland durch den Winter 2026/27 kommt, hängt deshalb von mehreren Faktoren gleichzeitig ab. Dazu zählen das weitere Einspeichertempo im Oktober, der Gasverbrauch, die Temperaturen sowie die Verfügbarkeit von Pipelinegas und LNG auf dem europäischen und internationalen Markt.
Mit 57,6 Prozent starten die Gasspeicher in Deutschland jedenfalls mit deutlich weniger Reserve in den Herbst als in den vergangenen Jahren. Eine akute Mangellage lässt sich daraus nach der aktuellen Bewertung der zuständigen Stellen jedoch nicht ableiten.






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