
Delivery Hero vollzieht wenige Monate nach der angekündigten Ablösung von Konzernchef Niklas Östberg eine überraschende Kehrtwende. Der Mitgründer des Berliner Lieferkonzerns soll nun auch über den 31. März 2027 hinaus Vorstandsvorsitzender bleiben. Als Grund nennt das Unternehmen die veränderte Situation durch das laufende Übernahmeangebot des US-Konzerns Uber.
Noch im Mai hatte Delivery Hero angekündigt, dass Östberg die Führung nach rund 15 Jahren abgeben werde. Damals verständigten sich der CEO und der Aufsichtsrat darauf, einen Nachfolger zu suchen. Spätestens zum 31. März 2027 sollte der Wechsel abgeschlossen sein.
Diese Planung ist nun hinfällig. Delivery Hero teilte am Donnerstag mit, Östberg und der Aufsichtsrat hätten vereinbart, dass der Manager über diesen Termin hinaus im Amt bleibt. Der bisherige Nachfolgeplan wird damit nicht umgesetzt.
Der bestehende Dienstvertrag des Konzernchefs läuft bis zum 30. April 2029. Einen neuen Endtermin für Östbergs Amtszeit nannte Delivery Hero nicht.
Hintergrund der Entscheidung ist das laufende Übernahmeangebot von Uber. Der US-Konzern hatte sich im Juli mit Delivery Hero auf eine geplante Kombination verständigt und bietet den Aktionären 41,50 Euro je Aktie in bar. Daraus ergibt sich für Delivery Hero ein vollständig verwässerter Eigenkapitalwert von rund 13 Milliarden Euro.
Vorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero unterstützen das Angebot. Die reguläre Annahmefrist soll bis zum 5. November 2026 laufen. Die Transaktion ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Sie steht unter verschiedenen Bedingungen, darunter wettbewerbsrechtliche und weitere regulatorische Genehmigungen. Der Vollzug wird nach bisheriger Planung für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet.
Damit befindet sich Delivery Hero in einer Übergangsphase, in der zentrale Entscheidungen über die künftige Struktur des Konzerns anstehen. Genau auf diese veränderte Situation verweist das Unternehmen bei der Entscheidung, Niklas Östberg als CEO von Delivery Hero im Amt zu halten.
Die geplante Übernahme umfasst nicht das gesamte heutige Geschäft von Delivery Hero. Parallel zur Vereinbarung mit Uber hat der Konzern angekündigt, Aktivitäten in 14 Märkten an die US-Investmentgesellschaft SSW Partners zu verkaufen. Betroffen sind insbesondere Länder, in denen sich die Geschäfte von Uber und Delivery Hero überschneiden.
Uber soll dagegen Delivery-Hero-Aktivitäten in rund 50 Märkten übernehmen. Dazu gehören unter anderem Baedal Minjok in Südkorea, Teile von foodpanda, Glovo, HungerStation, PedidosYa und Talabat.
Uber hatte bereits vor dem offiziellen Übernahmeangebot eine bedeutende Beteiligung an Delivery Hero aufgebaut. Bei der Ankündigung der Transaktion im Juli hielt der US-Konzern nach eigenen Angaben knapp 25 Prozent der stimmberechtigten Aktien direkt und verfügte zusätzlich über wirtschaftliche Beteiligungen über Derivate.
Östberg gehört zu den prägenden Figuren des Berliner Unternehmens. Delivery Hero wurde 2011 gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren durch starkes internationales Wachstum und zahlreiche Übernahmen zu einem der größten Lieferplattform-Konzerne weltweit.
Heute ist das Unternehmen in rund 65 Ländern aktiv und betreibt verschiedene regionale Marken. Neben klassischer Essenslieferung setzt Delivery Hero zunehmend auf die schnelle Zustellung von Lebensmitteln und anderen Alltagsprodukten.
Im August hatte der Konzern nach einem stärkeren ersten Halbjahr seine Prognose für 2026 angehoben. Im zweiten Quartal stieg der Bruttowarenwert auf vergleichbarer Basis um 11,3 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro. Der Umsatz legte auf vergleichbarer Basis um 17,7 Prozent auf vier Milliarden Euro zu.
Mit der Entscheidung für Östbergs Verbleib setzt Delivery Hero während des laufenden Übernahmeverfahrens nun auf Kontinuität an der Konzernspitze. Der noch im Mai eingeleitete Führungswechsel ist vorerst vom Tisch.






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