
Die Deutsche Börse hat im dritten Quartal 2026 deutlich mehr verdient und ihre Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Die Nettoerlöse stiegen um 13 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro, das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 16 Prozent auf 978 Millionen Euro zu. Höhere Zinsen, steigende Kundenguthaben und eine lebhafte Nachfrage nach Finanzmarktprodukten unterstützten das Geschäft des DAX-Konzerns. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nun Nettoerlöse von mehr als 6,5 Milliarden Euro.
Auch ohne die Zinserträge entwickelte sich das Geschäft der Deutschen Börse deutlich positiv. Die Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 1,415 Milliarden Euro. Sechs der acht Geschäftsbereiche verzeichneten zweistellige Wachstumsraten. Der auf die Aktionäre entfallende Konzerngewinn stieg um 18 Prozent von 473 auf 559 Millionen Euro. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie erreichte 3,10 Euro nach 2,59 Euro im Vorjahreszeitraum.
Die operativen Kosten erhöhten sich um sieben Prozent auf 646 Millionen Euro. Als wesentliche Ursachen nennt der Konzern höhere Aufwendungen für aktienbasierte Vergütungen sowie Kosten im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme des Fondsplattformbetreibers Allfunds. Bereinigt um diese Effekte lag das Kostenwachstum bei rund drei Prozent. Das Ebitda ohne Treasury-Ergebnis verbesserte sich um 19 Prozent auf 760 Millionen Euro. Damit wuchs die operative Ertragskraft stärker als die zugrunde liegenden Nettoerlöse.
Ein wichtiger Wachstumstreiber war die veränderte Entwicklung der internationalen Kapitalmarktzinsen. Nach den Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank im September profitierte der Konzern sowohl von steigenden Zinserträgen als auch von einer stärkeren Handelsaktivität bei bestimmten Finanzinstrumenten. Das Treasury-Ergebnis, das unter anderem aus der Anlage von Kundengeldern entsteht, erhöhte sich um sieben Prozent auf 218 Millionen Euro. Im dritten Quartal 2025 hatte es bei 203 Millionen Euro gelegen. Damit verzeichnete die Deutsche Börse erstmals seit 2024 wieder einen Anstieg dieses Ergebnisses gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal.
Besonders deutlich zeigte sich die Entwicklung im Geschäft mit Zinsderivaten. Hier stiegen die Nettoerlöse gegenüber dem Vorjahresquartal um 48 Prozent auf 181 Millionen Euro. Im gesamten Bereich Trading & Clearing erhöhten sie sich um 18 Prozent auf 714 Millionen Euro. Auch das Fondsgeschäft entwickelte sich positiv. Der Geschäftsbereich Fund Services erreichte einen Erlöszuwachs von 17 Prozent auf 160 Millionen Euro. Neben dem Zinsumfeld profitiert die Deutsche Börse davon, dass Anleger verstärkt in Fonds und börsengehandelte Indexfonds investieren. Dadurch steigen die verwahrten Vermögenswerte und die Zahl der abzuwickelnden Transaktionen.
Aufgrund der Geschäftsentwicklung hat der Vorstand seine Erwartungen für das Gesamtjahr erneut nach oben korrigiert. Das Treasury-Ergebnis soll 2026 nun mehr als 800 Millionen Euro erreichen. Bislang hatte das Unternehmen mit mehr als 700 Millionen Euro gerechnet. Bereits zur Jahresmitte war diese Prognose wegen veränderter Zinserwartungen und höherer Kundenguthaben angehoben worden.
Für die gesamten Nettoerlöse erwartet die Deutsche Börse jetzt mehr als 6,5 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Prognose bei mehr als 6,4 Milliarden Euro gelegen. Das Ebitda soll rund 3,9 Milliarden Euro erreichen, nachdem bislang mehr als 3,8 Milliarden Euro erwartet worden waren. Die Ziele für das Geschäft ohne Treasury-Ergebnis bleiben dagegen unverändert. Hier rechnet der Konzern weiterhin mit Nettoerlösen von rund 5,7 Milliarden Euro und einem Ebitda von etwa 3,1 Milliarden Euro. Bei den Nettoerlösen sieht das Unternehmen allerdings die Möglichkeit, diesen Wert leicht zu übertreffen.
Die Entwicklung unterstreicht die Bedeutung des breit aufgestellten Geschäftsmodells der Deutschen Börse. Der DAX-Konzern betreibt nicht nur Handelsplätze, sondern verdient unter anderem mit der Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren, Finanzdaten, Indexprodukten und Dienstleistungen für Investmentfonds Geld. Während höhere Zinsen kurzfristig zusätzliche Erträge ermöglichen, sorgen die zunehmende Nutzung kapitalmarktbasierter Anlageprodukte und die wachsenden Transaktionsvolumina für weiteres Geschäft. Für die langfristige Entwicklung bleibt daher neben dem Zinsumfeld entscheidend, wie stark die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen zunimmt.
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