
Der Diagnostikkonzern Qiagen könnte vor einer milliardenschweren Übernahme stehen. Der schwedische Finanzinvestor EQT befindet sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine Übernahme von Qiagen. Auch der US-Finanzinvestor KKR soll ein Angebot vorgelegt haben. Die Meldung vom Dienstag, 20. Oktober 2026, sorgte für deutliche Kursgewinne der Qiagen-Aktie. Eine Einigung zwischen den Beteiligten ist bislang nicht bestätigt.
Bloomberg zufolge hat EQT ein verbindliches Angebot von mehr als 50 US-Dollar je Aktie eingereicht. Bei rund 206,8 Millionen ausgegebenen Qiagen-Aktien entspräche das einem rechnerischen Eigenkapitalwert von mehr als 10,3 Milliarden US-Dollar. Die Angaben zu dem Angebot stammen von mit den Verhandlungen vertrauten Personen. Eine unabhängige Bestätigung für die genannte Angebotshöhe lag zunächst nicht vor.
Neben EQT soll auch die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR ein Gebot abgegeben haben. Nach den Bloomberg-Informationen soll sich die Unternehmensführung von Qiagen noch in dieser Woche mit den Offerten befassen. Die Gespräche könnten allerdings weiterhin ohne Einigung enden. Von Qiagen, EQT und KKR gab es zunächst keine öffentliche Bestätigung einer geplanten Transaktion.
An den Aktienmärkten lösten die Nachrichten neue Kursgewinne aus. Die Qiagen-Aktie beendete den Xetra-Handel am Dienstag, 20. Oktober 2026, mit einem Plus von 3,84 Prozent und war damit der stärkste Wert im DAX. Der deutsche Leitindex schloss nach Daten von EOD Historical Data dagegen 0,06 Prozent im Minus. Die Zahlen beziehen sich auf den Handelsschluss am Dienstagabend.
Noch stärker fiel die zwischenzeitliche Reaktion an der New Yorker Börse aus. Dort legten die Qiagen-Papiere laut Bloomberg im Tagesverlauf zeitweise um 9,2 Prozent zu. Um 12.59 Uhr New Yorker Ortszeit, entsprechend 18.59 Uhr deutscher Zeit, notierten sie bei 49,44 US-Dollar und damit 6,2 Prozent über dem Vortag. Die Börsenbewertung erreichte zu diesem Zeitpunkt rund 10,2 Milliarden US-Dollar. Der Kurs blieb somit unter der von Bloomberg genannten möglichen Angebotshöhe von mehr als 50 Dollar je Aktie.
Qiagen gehört zu den international tätigen Anbietern von Technologien für die molekulare Diagnostik und biomedizinische Forschung. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Verfahren zur Aufbereitung und Analyse von DNA, RNA und Proteinen. Seine Produkte werden in medizinischen Laboren, Forschungseinrichtungen und der Pharmaindustrie eingesetzt. Die Konzernholding hat ihren Sitz im niederländischen Venlo, die operative Europazentrale befindet sich in Hilden. Ende Juni 2026 beschäftigte Qiagen nach eigenen Angaben rund 5.500 Menschen.
Im Geschäftsjahr 2025 erreichte Qiagen einen Umsatz von rund 2,09 Milliarden US-Dollar. Im zweiten Quartal 2026 lagen die Erlöse bei 535 Millionen Dollar und damit ungefähr auf Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nach seiner zuletzt veröffentlichten Prognose ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von etwa ein bis zwei Prozent. Seit dem 1. September 2026 wird Qiagen von Jonathan Pratt geführt, der Thierry Bernard als Vorstandschef abgelöst hat.
Das Interesse internationaler Investoren an Qiagen hat eine längere Vorgeschichte. Bereits im Januar 2026 hatte Bloomberg gemeldet, dass der Konzern strategische Möglichkeiten einschließlich eines Verkaufs prüfe. Im Juli wurden EQT, KKR und Advent als potenzielle Interessenten genannt. Damals befanden sich mögliche Angebote nach den Informationen der Nachrichtenagentur noch in einer frühen Phase. Mit den nun gemeldeten fortgeschrittenen Gesprächen könnte sich die Situation verändert haben.
Ein früherer Übernahmeversuch war im August 2020 gescheitert. Der US-Laborausrüster Thermo Fisher Scientific hatte den Qiagen-Aktionären zuletzt 43 Euro je Aktie angeboten. Allerdings wurden nur rund 47 Prozent der Aktien angedient. Erforderlich gewesen wäre eine Annahmequote von mindestens 66,67 Prozent. Die Übernahme kam deshalb nicht zustande. Auch bei den aktuellen Gesprächen ist offen, ob ein Käufer und Qiagen eine verbindliche Übernahmevereinbarung abschließen werden.
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