
Der Ölpreis hat am Dienstag, 20. Oktober 2026, zunächst deutlich zugelegt und anschließend einen Teil seiner Gewinne wieder abgegeben. Die Nordseesorte Brent erreichte mit 111,99 US-Dollar je Barrel den höchsten Stand seit rund fünf Monaten. Hintergrund sind anhaltende Angriffe auf Schiffe und Energieanlagen in der Golfregion sowie Sorgen über die Sicherheit der Straße von Hormus. Im weiteren Handelsverlauf sorgten diplomatische Kontakte zwischen Iran und Pakistan für neue Hoffnungen auf eine Annäherung im Konflikt zwischen den USA und Iran. Für Verbraucher in Deutschland bleibt die Entwicklung relevant, weil hohe Rohölpreise die Kosten für Kraftstoffe und Heizöl beeinflussen.
Der Brent-Ölpreis zeigte am Dienstag erhebliche Schwankungen. Bereits am Vormittag hatte die Nachrichtenagentur dpa-AFX einen zeitweiligen Anstieg auf 111,05 US-Dollar gemeldet. Im weiteren Handelsverlauf erreichte der nächstfällige Brent-Terminkontrakt nach Angaben von Reuters sogar 111,99 Dollar je Barrel. Um 18.31 Uhr deutscher Zeit notierte er laut Reuters nur noch bei 108,72 Dollar. Das waren 83 US-Cent weniger als am Vortag. Damit hatte die Nordseesorte ihre zwischenzeitlichen Gewinne vollständig abgegeben.
Auch die amerikanische Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) bewegte sich stark. Der am Dienstag auslaufende Novemberkontrakt erreichte laut Reuters zeitweise 110,48 Dollar und stand um 18.31 Uhr deutscher Zeit bei 102,96 Dollar. Der stärker gehandelte Dezemberkontrakt notierte zu diesem Zeitpunkt bei 97,90 Dollar. Die unterschiedlichen Vertragslaufzeiten sind für den Vergleich wichtig, weil sich die Preise der einzelnen Liefermonate deutlich unterscheiden können.
Ein wesentlicher Grund für die hohen Ölpreise bleibt die unsichere Lage in der Straße von Hormus. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und gehört zu den wichtigsten Handelswegen für Erdöl. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden dort im Jahr 2025 durchschnittlich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte täglich transportiert. Das entsprach etwa einem Viertel des weltweiten Ölhandels auf dem Seeweg. Störungen können deshalb auch Länder treffen, die vergleichsweise wenig Öl direkt aus der Golfregion beziehen.
Die britische maritime Sicherheitsstelle UK Maritime Trade Operations (UKMTO) dokumentierte zuletzt mehrere Angriffe auf Handelsschiffe. Am 18. Oktober wurde nordöstlich der Vereinigten Arabischen Emirate ein Schlepper nach Angaben der Behörde von zwei unbekannten Geschossen getroffen. Ein Mensch wurde leicht verletzt. Am Dienstag veröffentlichte die UKMTO zudem einen Hinweis auf einen Vorfall mit einem Tanker und militärischen Kräften vor Oman, der sich bereits am Montag ereignet hatte. Die genauen Umstände blieben offen. Der Schiffsdatendienst Kpler sprach nach Reuters-Angaben von mindestens 18 gemeldeten Angriffen auf Schiffe innerhalb von zwei Wochen.
Zusätzliche Unsicherheit verursachen Angriffsankündigungen der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen. Die Gruppe erklärte, Ziele in Saudi-Arabien angegriffen zu haben, darunter Einrichtungen des Ölkonzerns Saudi Aramco und Flughäfen. Eine unabhängige Bestätigung dieser konkreten Angriffsbehauptungen lag zunächst nicht vor. Saudi-arabische Behörden hatten die Angaben nach Reuters-Informationen zunächst nicht bestätigt.
Im weiteren Handelsverlauf rückten mögliche diplomatische Fortschritte zwischen den USA und Iran in den Mittelpunkt. Der iranische Präsident Massud Peseschkian traf sich nach Angaben des iranischen Nachrichtenportals Nournews mit Pakistans Armeechef Asim Munir in Teheran. Dabei seien Vermittlungsbemühungen und die regionale Entwicklung besprochen worden. Pakistan hatte bereits bei früheren Gesprächen zwischen Washington und Teheran eine Vermittlerrolle übernommen.
Zusätzlich kursierten erneut Angaben über einen möglichen Kompromissvorschlag aus Katar und Pakistan. Nach Informationen von dpa-AFX beruhten die Hoffnungen am Markt teilweise auf der erneuten Verbreitung älterer Meldungen. Bloomberg berichtete unter Berufung auf einen an den Verhandlungen beteiligten Diplomaten, dass die Gespräche zwar andauerten, eine unmittelbar bevorstehende Einigung aber nicht zutreffe. Ein neuer Friedensschluss oder eine dauerhafte Öffnung der Handelsroute war damit zunächst nicht bestätigt.
In Deutschland wirkt sich das hohe Preisniveau bereits auf die Energiekosten aus. Der Vergleichsdienst HeizOel24 ermittelte am Dienstag um 11.02 Uhr einen durchschnittlichen Heizölpreis von 173,30 Euro je 100 Liter bei einer Bestellmenge von 3.000 Litern. Am Vortag hatte der entsprechende Vergleichswert bei 169,20 Euro gelegen. Das entspricht einem Anstieg um 4,10 Euro je 100 Liter. Die tatsächlichen Angebote hängen unter anderem von der Region, der Bestellmenge und den Lieferbedingungen ab.
Auch an den Tankstellen sind die Preise hoch. Nach der jüngsten ADAC-Wochenauswertung vom 19. Oktober kostete ein Liter Super E10 bundesweit durchschnittlich 2,151 Euro. Für Diesel wurden im Durchschnitt 2,247 Euro verlangt. Gegenüber der Vorwoche waren die Preise damit um 2,5 beziehungsweise 1,4 Cent gestiegen. Diese Werte beziehen sich auf den Zeitraum vor den jüngsten Kursschwankungen vom Dienstag und erlauben deshalb keine unmittelbare Aussage über deren Auswirkungen auf die Zapfsäulenpreise.
Wie stark Veränderungen des Rohölpreises bei Verbrauchern ankommen, hängt von weiteren Faktoren ab. Dazu gehören insbesondere der Euro-Dollar-Wechselkurs, die Preise für bereits raffinierte Ölprodukte, Transportkosten und Steuern. Bei Heizöl und Diesel spielt außerdem der internationale Gasölmarkt eine wichtige Rolle. Ein kurzfristiger Rückgang des Brent-Preises bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass Kraftstoffe oder Heizöl unmittelbar günstiger werden. Solange die Ölversorgung aus der Golfregion unsicher bleibt, können sich neue Entwicklungen im Iran-Krieg weiterhin auf die Energiemärkte auswirken.
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