
Deutschlands Außenhandel hat im Juni einen neuen Höchststand erreicht. Kalender- und saisonbereinigt wurden Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro ausgeführt. Das waren 0,9 Prozent mehr als im Mai und 6,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Noch nie hatte das Statistische Bundesamt für einen Monat einen höheren bereinigten Exportwert gemessen. Der bisherige Rekord von 139,1 Milliarden Euro stammte aus dem September 2022.
Deutsche Exporte im Juni 2026 zeigen damit eine überraschend robuste Entwicklung in einer Phase, die von US-Zöllen, hohen Energiekosten und dem Iran-Konflikt geprägt war. Der Rekordwert bedeutet allerdings nicht automatisch, dass auch die ausgeführte Warenmenge einen Höchststand erreichte. Die Exportpreise lagen im Juni 3,5 Prozent über dem Vorjahresniveau und trugen damit zum höheren nominalen Warenwert bei.
Auffällig ist vor allem die Entwicklung des Handels mit den Vereinigten Staaten. Die USA blieben im Juni zwar wichtigster einzelner Absatzmarkt für deutsche Waren. Die Exporte dorthin sanken gegenüber Mai jedoch um 14,2 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Gegenüber Juni 2025 lagen sie 1,2 Prozent niedriger.
Der gesamte Exportanstieg wurde damit von anderen Märkten getragen. Die Ausfuhren in die EU-Staaten legten gegenüber Mai um 1,3 Prozent auf 79,3 Milliarden Euro zu. Die Exporte in das Vereinigte Königreich stiegen um 7,7 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Nach China gingen Waren im Wert von 6,2 Milliarden Euro, 0,3 Prozent weniger als im Vormonat.
Die schwächere Entwicklung in den USA zeigt zugleich, dass die Zollbelastungen im transatlantischen Handel für deutsche Unternehmen ein reales Risiko bleiben. Besonders exportorientierte Industriezweige wie der Fahrzeugbau, der Maschinenbau und die Chemie sind auf verlässliche internationale Absatzmärkte angewiesen.
Noch kräftiger als die Exporte stiegen im Juni die Importe. Deutschland führte kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 123,9 Milliarden Euro ein. Das waren 4,4 Prozent mehr als im Mai und 8,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Dadurch schrumpfte der Außenhandelsüberschuss von 19,3 Milliarden Euro im Mai auf 15,4 Milliarden Euro im Juni.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor waren die gestiegenen Preise für importierte Energie und Vorleistungsgüter. Die Importpreise lagen insgesamt 6,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Energie verteuerte sich im Jahresvergleich sogar um 23,9 Prozent. Hintergrund waren unter anderem die Folgen des Iran-Konflikts und die Störungen des Energiehandels im Nahen Osten.
Die Bundesbank hatte bereits für das Frühjahr auf hohe Energiepreise, Lieferkettenprobleme und mögliche Vorzieheffekte bei Bestellungen hingewiesen. Unternehmen könnten Waren früher geordert haben, um erwarteten Engpässen oder weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Solche Effekte können einzelne Monatswerte zusätzlich verstärken.
Auch andere Konjunkturdaten sprechen gegen eine zu optimistische Interpretation des Rekords. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im Juni lediglich um 0,2 Prozent zum Vormonat. Die Industrieproduktion ohne Energie und Bau stagnierte und lag 0,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Positiv entwickelte sich die Autoindustrie mit einem Produktionsplus von 3,6 Prozent gegenüber Mai, während der Maschinenbau 3,9 Prozent verlor.
Für das zweite Quartal insgesamt meldete das Statistische Bundesamt ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Exporte legten dabei real zu, während Investitionen zurückgingen und der private Konsum verhalten blieb.
Auch die Stimmung der Exportwirtschaft ist weiter gedämpft. Die Exporterwartungen des ifo Instituts verbesserten sich im Juli nur leicht auf minus 3,3 Punkte. Der Juni-Rekord zeigt deshalb vor allem, dass Deutschlands Außenhandel trotz erheblicher Belastungen widerstandsfähig geblieben ist. Für eine breitere wirtschaftliche Erholung müssten sich jedoch auch Produktion, Investitionen und Nachfrage nachhaltiger verbessern.
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