
Der Deutsche Schulpreis 2026 ist entschieden. Die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf in Hessen hat am Dienstag den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis erhalten. Bundeskanzler Friedrich Merz überreichte die Auszeichnung bei der Preisverleihung in Berlin. Fünf weitere Schulen wurden mit jeweils 30.000 Euro ausgezeichnet. Hinzu kommt in diesem Jahr ein ebenfalls mit 30.000 Euro ausgestatteter Preis der Jury für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Insgesamt standen 15 Schulen im Finale.
Der Hauptpreis geht 2026 an die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf. Die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe zählt mit mehr als 2.000 Schülerinnen und Schülern zu den großen Schulen ihrer Art in Deutschland. Nach Angaben der Veranstalter überzeugte sie unter anderem durch ihre systematische Unterrichtsentwicklung, die individuelle Begleitung der Jugendlichen und den gezielten Einsatz von Daten für die Förderung.
Eine Besonderheit ist die Verbindung aus klaren schulischen Strukturen und individuellen Lernwegen. Schülerinnen und Schüler arbeiten unter anderem in regelmäßig eingeplanten Phasen selbstständig an ihren Aufgaben. Diagnoseinstrumente sollen dabei helfen, Lernstände zu erfassen und passende weitere Lernschritte festzulegen. Hinzu kommen feste Ansprechpersonen, die Jugendliche über einen längeren Zeitraum begleiten.
Die Schule nimmt außerdem am bundesweiten Startchancen-Programm teil. Nach Angaben der Robert Bosch Stiftung kommen nur rund 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit einer Gymnasialempfehlung an die Schule. Rund zwei Drittel erreichen später das Abitur. Die Jury hob zudem hervor, dass digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz sowohl beim Lernen eingesetzt als auch kritisch im Unterricht behandelt werden.
Neben der Hauptpreisträgerin zeichnete die Jury fünf weitere Schulen aus. Jeweils 30.000 Euro gehen an die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Tuttlingen in Baden-Württemberg, die Hans-Leipelt-Schule Donauwörth in Bayern, das Georg-Christoph-Lichtenberg-Oberstufengymnasium in Bruchköbel in Hessen, die Oberschule Berenbostel in Garbsen in Niedersachsen und die Staatliche Grundschule Tannroda in Bad Berka in Thüringen.
Damit sind sehr unterschiedliche Schulformen unter den Preisträgern vertreten. Die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule ist eine berufliche Schule, während die Grundschule Tannroda Kinder im Primarbereich unterrichtet. In die Bewertung fließen deshalb nicht ein einheitliches Unterrichtsmodell oder bestimmte Schulabschlüsse ein. Entscheidend ist vielmehr, wie eine Schule unter ihren jeweiligen Voraussetzungen Lernen organisiert und ihre Konzepte weiterentwickelt.
Eine zusätzliche Auszeichnung vergab die Jury in diesem Jubiläumsjahr an die Stadtteilschule Wilhelmsburg in Hamburg. Der Preis für gesellschaftlichen Zusammenhalt ist ebenfalls mit 30.000 Euro dotiert. Gewürdigt werden nach Angaben der Veranstalter insbesondere der Umgang der Schule mit Vielfalt, ihre Zusammenarbeit mit dem sozialen Umfeld und ihr Einsatz für bessere Bildungschancen.
Die Hamburger Schule unterrichtet Kinder und Jugendliche von der Vorschule bis zur Sekundarstufe. Beim Schulpreis wurde unter anderem ihre intensive Zusammenarbeit innerhalb des Kollegiums und mit Eltern sowie die Einbindung des Stadtteils hervorgehoben. Der Sonderpreis erweitert damit in diesem Jahr die reguläre Struktur aus einem Hauptpreis und fünf weiteren Schulpreisen.
Für das Finale des Deutschen Schulpreises 2026 waren 15 Schulen nominiert. Zunächst waren aus 87 Bewerbungen 20 Schulen für die engere Auswahl bestimmt worden. Juryteams besuchten diese Schulen anschließend jeweils vor Ort. Sie hospitierten im Unterricht und führten Gespräche mit Schulleitungen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie außerschulischen Partnern. Nach diesen Besuchen wurden die 15 Finalisten ausgewählt.
Die Schulen, die das Finale erreichten, aber keinen der Hauptpreise erhielten, bekommen jeweils einen Anerkennungspreis von 5.000 Euro. Zu ihnen gehören unter anderem Schulen aus Berlin, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
Der Deutsche Schulpreis bewertet Schulen anhand von sechs Qualitätsbereichen. Im Zentrum steht die Unterrichtsqualität. Hinzu kommen Leistung, der Umgang mit Vielfalt, Verantwortung, Schulleben und Netzwerke sowie die Fähigkeit einer Schule, sich als Organisation kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Die Jury besteht aus Fachleuten aus Bildungswissenschaft, Schulpraxis und Bildungsverwaltung. Damit soll nicht allein das Ergebnis einzelner Projekte bewertet werden. Untersucht wird vielmehr, ob Konzepte im Schulalltag verankert sind und wie sie sich auf Unterricht, Zusammenarbeit und die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler auswirken.
Der Deutsche Schulpreis wurde 2006 von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung ins Leben gerufen und wurde 2026 zum 20. Mal vergeben. Kooperationspartner sind die ARD und die ZEIT Verlagsgruppe. Neben den Preisgeldern soll die Auszeichnung erfolgreiche Schulkonzepte über die ausgezeichneten Einrichtungen hinaus bekannt machen.
Dazu gehören unter anderem Hospitationen, bei denen Lehrkräfte ausgezeichnete Schulen besuchen und deren Arbeitsweisen kennenlernen können. Nach Angaben der Robert Bosch Stiftung haben bislang rund 2.700 Lehrkräfte dieses Angebot genutzt. Die prämierten Schulen werden zudem Teil eines bundesweiten Netzwerks für Schulentwicklung.
Die Bewerbungsrunde für den Deutschen Schulpreis 2027 hat bereits begonnen. Allgemeinbildende und berufliche Schulen in Deutschland sowie Deutsche Auslandsschulen können sich nach Angaben der Veranstalter bis zum 31. Januar 2027 bewerben.






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