
Deutsche Unternehmen in den USA beurteilen ihre wirtschaftliche Lage wieder deutlich positiver. Trotz anhaltender Handelskonflikte und höherer Zölle wollen viele Betriebe ihre Investitionen ausweiten und zusätzliche Beschäftigte einstellen. Das geht aus einer aktuellen Sonderauswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und der Deutschen Auslandshandelskammern hervor, die am 4. November 2026 veröffentlicht wurde.
Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass sich die Unternehmen zunehmend auf dauerhaft veränderte Handelsbedingungen einstellen. Während die Geschäftserwartungen steigen, bleiben politische Unsicherheiten und Handelsbarrieren erhebliche Risiken. Die Befragung fand noch vor den US-Zwischenwahlen vom 3. November statt.
Nach Angaben der DIHK beurteilen 64 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage in den Vereinigten Staaten als gut. Weitere 31 Prozent sprechen von einer befriedigenden Situation, während lediglich fünf Prozent ihre Lage negativ einschätzen.
Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich verbessert. 59 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. Weitere 36 Prozent erwarten weitgehend unveränderte Geschäfte. Nur fünf Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.
Damit fällt die Stimmung deutlich positiver aus als bei der vorherigen Befragung im Frühjahr. Der Saldo aus positiven und negativen Geschäftserwartungen stieg von 31 auf 54 Punkte. Er liegt inzwischen oberhalb des langjährigen Durchschnitts von 45 Punkten.
Die Entwicklung hängt auch mit der wirtschaftlichen Lage in den Vereinigten Staaten zusammen. 39 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine Verbesserung der amerikanischen Konjunktur. Zehn Prozent rechnen dagegen mit einer Abschwächung. Nach Einschätzung der DIHK tragen unter anderem Investitionen im Technologiesektor und ein vergleichsweise stabiler privater Konsum zur wirtschaftlichen Entwicklung bei.
Die verbesserte Stimmung zeigt sich zunehmend in den Unternehmensplanungen. 41 Prozent der befragten Betriebe wollen innerhalb der kommenden zwölf Monate mehr Geld in ihre amerikanischen Standorte investieren. 43 Prozent planen unveränderte Investitionsausgaben, während 16 Prozent ihren Kapitaleinsatz reduzieren möchten.
Auch bei der Beschäftigung zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. 48 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, ihren Personalbestand in den USA zu erhöhen. Bei 40 Prozent soll die Beschäftigtenzahl unverändert bleiben. Zwölf Prozent rechnen mit einem Rückgang.
Sowohl die Investitionsabsichten als auch die Beschäftigungserwartungen liegen damit wieder leicht über ihren jeweiligen langjährigen Durchschnittswerten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Unternehmen trotz der schwierigen handelspolitischen Bedingungen weiterhin Wachstumsmöglichkeiten auf dem amerikanischen Markt sehen.
Ob die angekündigten Investitionen und Einstellungen tatsächlich vollständig umgesetzt werden, hängt allerdings von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Der wachsende Optimismus bedeutet nicht, dass die handelspolitischen Konflikte zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union überwunden sind.
51 Prozent der befragten Unternehmen betrachten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als wesentliches Geschäftsrisiko. Im Jahr 2023 hatte dieser Anteil noch bei 34 Prozent gelegen.
Handelsbarrieren bereiten ebenfalls erhebliche Sorgen. 47 Prozent der Unternehmen nennen sie als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Damit liegt der Anteil beinahe viermal so hoch wie vor drei Jahren.
Die zwischen Washington und Brüssel getroffenen Handelsvereinbarungen haben aus Sicht der DIHK zu einer gewissen Entspannung beigetragen. Insbesondere die sogenannte Turnberry-Vereinbarung sorgte für eine bessere Planbarkeit. Höhere Zölle und bestehende Handelshemmnisse belasten die Unternehmen jedoch weiterhin.
Neben der Handelspolitik gewinnen klassische wirtschaftliche Herausforderungen wieder an Bedeutung. 39 Prozent der Befragten nennen den Fachkräftemangel als Risiko, 36 Prozent die Nachfrageentwicklung und 35 Prozent mögliche Störungen der Lieferketten. Arbeitskosten werden von 31 Prozent als Belastung angesehen.
Besonders deutlich werden die Folgen der amerikanischen Handelspolitik bei den strategischen Entscheidungen der Unternehmen.
29 Prozent der befragten Betriebe geben an, als Reaktion auf die US-Handelspolitik Investitionen in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Weitere 27 Prozent richten ihre Lieferketten stärker auf amerikanische Zulieferer aus.
26 Prozent der Unternehmen konzentrieren sich verstärkt auf den Absatz innerhalb der USA. Dahinter steht unter anderem die Möglichkeit, Waren unmittelbar vor Ort herzustellen oder zu beschaffen und damit bestimmte grenzüberschreitende Handelskosten zu vermeiden.
Auch die Preisgestaltung verändert sich. 39 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Preise aufgrund zollbedingter Mehrkosten zu erhöhen. Ebenso viele nennen die Forderung nach Rückerstattung bereits entrichteter Zölle als Reaktion auf die amerikanische Handelspolitik.
Ein umfassender Rückzug aus den Vereinigten Staaten zeichnet sich unter den Befragten dagegen nicht ab. Kein einziges Unternehmen gab an, den amerikanischen Markt vollständig verlassen zu wollen. Lediglich zwei Prozent planen, ihr Geschäft in den USA zu verkleinern.
Diese Entwicklung verdeutlicht, wie sich die Betriebe an die veränderten Handelsbedingungen anpassen. Statt ihre amerikanischen Aktivitäten aufzugeben, verstärken zahlreiche Unternehmen ihre lokale Präsenz.
Die Veröffentlichung der Umfrage fällt in eine Phase politischer Veränderungen in Washington. Bei den Zwischenwahlen am 3. November 2026 haben die Demokraten die Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat gewonnen.
Damit verliert die Republikanische Partei von Präsident Donald Trump die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses. Die neuen Mehrheitsverhältnisse werden mit dem Zusammentritt des neu gewählten Kongresses im Januar 2027 wirksam.
Für die amerikanische Innenpolitik bedeutet das eine veränderte Machtverteilung. Der Kongress kann Gesetzesvorhaben stärker beeinflussen und die Regierung umfassender kontrollieren. In der Handelspolitik verfügt der Präsident allerdings weiterhin über erhebliche Befugnisse.
DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov geht deshalb nicht davon aus, dass die neuen Mehrheiten kurzfristig eine grundlegende Veränderung der handelspolitischen Rahmenbedingungen bewirken.
Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung sind dabei unabhängig vom Wahlausgang zu betrachten. Sie wurden zwischen dem 5. und 23. Oktober erhoben und bilden somit die Erwartungen vor der Wahl ab.
Für den Wirtschaftsstandort Deutschland haben die Ergebnisse eine zusätzliche Bedeutung. Investitionen deutscher Unternehmen in den USA können dort Produktionskapazitäten schaffen und neue Arbeitsplätze ermöglichen. Zugleich besteht die Möglichkeit, dass ein Teil dieser Mittel nicht mehr für Vorhaben in Deutschland zur Verfügung steht.
Die DIHK sieht darin einen Anlass, die Wettbewerbsbedingungen in Deutschland zu verbessern. Helena Melnikov verweist insbesondere auf hohe Energie- und Arbeitskosten, umfangreiche bürokratische Anforderungen und langwierige Genehmigungsverfahren.
Aus ihrer Sicht muss Europa außerdem seine internationalen Handelsbeziehungen breiter aufstellen, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu begrenzen.
Die Sonderauswertung basiert auf Antworten von 99 Unternehmen mit Deutschlandbezug in den USA. Sie ist Teil des AHK World Business Outlook Herbst 2026, für den weltweit knapp 3.500 Unternehmensantworten eingingen. Die vollständige internationale Auswertung soll am 17. November veröffentlicht werden.
Die Ergebnisse beschreiben die Einschätzungen der teilnehmenden Unternehmen und sind keine repräsentative Erhebung sämtlicher deutscher Firmen in den Vereinigten Staaten.
Insgesamt ergibt sich ein verändertes Bild des transatlantischen Wirtschaftsverhältnisses. Viele Unternehmen haben sich auf höhere Handelskosten und neue wirtschaftspolitische Bedingungen eingestellt. Der amerikanische Markt bleibt für sie attraktiv, auch wenn die Unsicherheit über die künftige Handelspolitik weiterhin hoch ist.
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