
Die vor allem auf deutsche Kunden ausgerichtete Online-Apotheke Disapo ist insolvent. Über die Internetseite des Unternehmens lassen sich derzeit praktisch keine regulären Bestellungen mehr aufgeben. Zahlreiche dort weiterhin aufgeführte Arzneimittel und andere Produkte werden als nicht lieferbar angezeigt. Damit ist der operative Verkauf über den bekannten Disapo-Shop weitgehend zum Erliegen gekommen.
Betroffen ist zunächst die disapo.de Apotheke B.V. mit Sitz im niederländischen Heerlen nahe der deutschen Grenze. Das zuständige Gericht in Limburg sprach das Insolvenzverfahren am 15. September 2026 aus. Als Insolvenzverwalter wurde Thomas Caron eingesetzt. Das Verfahren trägt die Nummer F.03/26/228.
Am 24. September folgte außerdem die Insolvenz der ebenfalls in Heerlen ansässigen Disapo BA B.V. Das entsprechende Verfahren wird unter der Nummer F.03/26/237 geführt. Auch dort wurde Caron zum Insolvenzverwalter bestellt.
Für Kunden ist die Situation auf den ersten Blick ungewöhnlich. Die Internetseite disapo.de ist weiterhin erreichbar und sieht weitgehend wie ein regulärer Online-Shop aus. Sie zeigt Kategorien, Arzneimittel, Preise, Kundenkonto, Warenkorb sowie Informationen zum Einlösen von Rezepten.
Bei zahlreichen prominent aufgeführten Produkten erscheint allerdings der Hinweis „Aktuell nicht lieferbar“. Das betrifft unter anderem gängige Schmerzmittel, Allergiepräparate und Erkältungsprodukte. Branchenberichte bestätigen, dass neue Bestellungen derzeit nicht mehr möglich sind.
Welche Folgen die Insolvenz für bereits bezahlte, aber möglicherweise noch nicht ausgelieferte Bestellungen hat, blieb zunächst unklar. Gleiches gilt für mögliche Guthaben, Gutscheine oder noch ausstehende Erstattungen. Dazu waren zunächst keine detaillierten Informationen des Insolvenzverwalters öffentlich verfügbar.
Auch die bislang auf der Disapo-Seite veröffentlichten allgemeinen Angaben zu Rücksendungen und Erstattungen stammen aus dem regulären Geschäftsbetrieb. Danach waren Retouren innerhalb von 14 Tagen vorgesehen und Gutschriften nach Eingang und Prüfung angekündigt. Ob und in welchem Umfang diese Abläufe im Insolvenzverfahren unverändert fortgeführt werden, war zunächst nicht geklärt.
Disapo gehörte noch vor wenigen Jahren zum Beauty-Konzern Douglas. Douglas hatte die niederländische Versandapotheke im Jahr 2022 übernommen. Damals wollte der Konzern sein Geschäft über Kosmetik hinaus in den Gesundheitsmarkt ausweiten und Arzneimittel sowie Beauty-Produkte stärker miteinander verbinden.
Diese Strategie wurde jedoch vergleichsweise schnell wieder geändert. Anfang 2023 entschied sich Douglas, den Schwerpunkt wieder auf sein Kerngeschäft mit Premium-Beauty zu legen. Im Juli 2024 gab das Unternehmen deshalb den Verkauf von Disapo an die niederländische MYA Health B.V. bekannt.
Der Kaufvertrag wurde nach Angaben von Douglas am 16. Juli 2024 unterzeichnet. MYA Health sollte sämtliche Anteile und Aktivitäten übernehmen, darunter Warenbestände, das Logistikzentrum sowie weitere Vermögenswerte und geistiges Eigentum. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Disapo nach Angaben von Douglas noch rund 90 Menschen.
Der Beauty-Konzern begründete seinen Rückzug damals mit der Konzentration auf das eigene Kerngeschäft. Douglas erklärte zugleich, durch den Verkauf Verbesserungen bei der Profitabilität des Konzerns zu erwarten. Angaben dazu, dass Douglas für die heutige finanzielle Situation von Disapo verantwortlich wäre, liegen nicht vor.
Zum Zeitpunkt der jetzigen Insolvenz sollen bei Disapo in Heerlen noch etwa 35 Menschen beschäftigt gewesen sein. Diese Zahl stammt aus niederländischen Lokalberichten über das Insolvenzverfahren. Im Jahr 2024 hatte Douglas bei der Veräußerung noch rund 90 Beschäftigte genannt.
Vom Standort Heerlen aus betrieb das Unternehmen ein großes Logistikzentrum für den Versand unter anderem nach Deutschland. Niederländischen Berichten zufolge umfasst das Zentrum rund 7.500 Quadratmeter. Der Insolvenzverwalter prüft demnach die weiteren Möglichkeiten für den Betrieb. Ob Disapo vollständig oder in Teilen fortgeführt beziehungsweise verkauft werden kann, war zunächst offen.
Zu den konkreten Ursachen der Zahlungsunfähigkeit lagen zunächst keine abschließenden öffentlich zugänglichen Angaben des Insolvenzverwalters vor. Zahlen zu Vermögen, Forderungen und Verbindlichkeiten sollten deshalb nicht mit einer gesicherten Erklärung für die Insolvenz gleichgesetzt werden.
Die Insolvenz von Disapo erfolgt in einer Phase, in der der Arzneimittelversand in Deutschland insgesamt an Bedeutung gewinnt. Besonders stark entwickelt sich das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten seit der breiten Einführung des elektronischen Rezepts.
Auch bei rezeptfreien Arzneimitteln hat der Versandhandel inzwischen einen erheblichen Marktanteil. Nach Daten des Deutschen Apothekerverbandes entfielen 2025 beim Umsatz mit apothekenpflichtigen und freiverkäuflichen Arzneimitteln rund 23,6 Prozent auf den Versandhandel. Beim Absatz waren es 23,9 Prozent.
Vom Wachstum profitieren allerdings vor allem große Anbieter. Redcare Pharmacy, zu der Shop Apotheke gehört, steigerte den Konzernumsatz 2025 nach eigenen Angaben um 24 Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro. Allein mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland erzielte das Unternehmen 503 Millionen Euro Umsatz und damit fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.
Auch DocMorris meldete 2026 weiter steigende Erlöse im deutschen Rezeptgeschäft. Im ersten Halbjahr legte der Außenumsatz mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland nach Unternehmensangaben um 38,3 Prozent zu.
Die Entwicklung zeigt, dass die Insolvenz von Disapo nicht mit einem generellen Rückgang des Online-Apothekenmarktes gleichzusetzen ist. Der digitale Arzneimittelhandel wächst in wichtigen Bereichen, zugleich konzentriert sich ein großer Teil des Geschäfts auf wenige reichweitenstarke Anbieter.
Für Disapo entscheidet sich nun im Insolvenzverfahren, ob Teile des Unternehmens erhalten werden können. Der Standort in Heerlen, die dort vorhandene Logistik sowie Marke und technische Infrastruktur könnten grundsätzlich für Interessenten relevant sein. Konkrete Vereinbarungen über einen Verkauf oder eine Wiederaufnahme des regulären Versandgeschäfts waren zunächst nicht bestätigt.
Für Kunden bleibt vor allem entscheidend, dass die weiterhin erreichbare Internetseite derzeit keinen normalen Geschäftsbetrieb bedeutet. Obwohl Disapo weiterhin Produkte, Preise und Serviceangebote darstellt, sind zahlreiche Artikel nicht verfügbar und reguläre Neubestellungen nach aktuellem Stand nicht möglich.






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